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Warum Frauensport immer noch als 'fad' gilt

Dass Frauensport als fad wahrgenommen wird hat eher was mit der Berichterstattung zu tun, als mit dem Sport selbst, sagt eine amerikanische Studie.

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Frauensport
© 2017 Getty Images

"Frauenfußball, das ist schon ziemlich fad!", dieses und andere, nicht weniger unfreundliche, Kommentare hörte man vielerorts vor der diesjährigen Frauenfußball-EM. Als die österreichischen Damen dann Erfolge feierten, ruderte man doch ein wenig zurück, schließlich stimmten die Einschaltquoten. Man kann ja auch niemanden wirklich böse sein, der erfolgreich ist und so den Erfolg anderer fördert, nicht wahr? Diese Umwandlung der Berichterstattung, über Frauenfußball von einer nötigen Randbemerkung, zu einer Schlagzeilen-füllenden Thematik, ist ein Erfolg, sagt eine aktuelle Studie.

Frauensport ist nicht fad, wird aber so vermarktet.

Über 25 Jahre lang verfolgten ForscherInnen von den amerikanischen Universitäten 'Purdue University' und 'University of Southern California' Sportnachrichten. Dabei lag ihr Augenmerk auf der Darstellung des Frauensportes und der Sportlerinnen selbst. Der Sexismus in den Sportnachrichten hat sich gewandelt, er ist durchaus subtiler geworden. Denn in den 1990er Jahren war offener Sexismus noch stark spürbar. Ab ungefähr 1999 bis 2009 setzten dann die zurückhaltenderen Formen ein.

Zum Beispiel konzentrierte man sich bei der Darstellung von Sportlerinnen nicht auf ihre athletische Leistungen, sondern auf die Privatpersonen. Ob Mutter, Freundin, oder Ehefrau: 'Weibliche' Rollenzuschreibungen wurden gewählt um die Frauen zu beschreiben. Und das sowieso schon mäßige Interesse an Frauensport nahm ab 2014 sogar noch mehr ab.

Wir beeinflussen die Medien und sie uns.

Denn da begannen die Sportnachrichten Frauensport als 'langweilig' darzustellen. Es sei ja kein Interesse vom Publikum da, war die einheitliche Begründung. Diese Begründung ist eine 'Self-Fulfilling-Prophecy', also eine sich selbst erfüllende Vorhersage. Denn dadurch, dass die Medien Frauensport als 'uninteressant' präsentierten, arbeiteten sie so am Interessenverlust des Publikums mit.

Und da liegt der Hund begraben! Die geringe Wertschätzung für Frauensport hat nicht (nur) mit dem Publikum zu tun, sondern vor allem mit der Berichterstattung der Medien. Und das ist eine sehr nachvollziehbare Theorie, denn wenn eine Thematik über 25 Jahre lang als uninteressant kommuniziert wird, dann verändert das die Weise, wie wir darüber denken. Man kann nun einfach nur hoffen, dass nach der erfolgreichen Frauenfußball-EM eine andere Richtung in den Berichterstattungen eingeschlagen wird.