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Warum M nicht gleich M ist

Warum passen Jeans in Größe "M" zwar bei H&M - aber nicht bei BikBok? Redakteurin Anne-Marie hat sich durch den Kleidergrößen-Wahnsinn getestet.

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Warum M nicht gleich M ist
© Anne-Marie Darok

Fashion Weeks sind wie das Wunderland von Alice: Es gibt so viele schöne Momente, die aber mit kleinen Absurditäten gespickt sind. Zum Beispiel, dass (fast) alle Models zu dünn sind, um den Rest der Bevölkerung zu repräsentieren. Dass das auf den Laufstegen leider super ausschaut ist wohl die Crux an der Sache. Natürlich kann man jetzt nicht alle über den Kamm scheren und rufen: "Magersüchtig, magersüchtig!", aber, dass viele der Models zweifelhafte Methoden verfolgen um so schlank zu bleiben, weiß wahrscheinlich jeder.

Und trotz dieses Wissens um die Modewelt als Ort der Illusionen, fühlt man sich unter Druck gesetzt. Doch die Frauen der britischen Women’s Equality Party (WEP) ließen sich während der London Fashion Week nicht in die passive, zusehende Rolle drängen. Unter dem Hashtag #NoSizeFitsAll begannen sie, Fotos von Kleidergrößenmarken zu verbreiten. Damit sollen zwei Statements gesetzt werden. Erstens geht es darum zu zeigen, dass man sich nicht für die eigene Kleidergröße schämen soll, da sie nichts über die Gesundheit des Körpers aussagt. Und zweitens geht es darum, dass die Größen sich radikal voneinander unterscheiden, wenn man in verschiedenen Geschäften einkauft.

Laut WEP schneidet eine von fünf Frauen in Großbritannien das Größenmarkerl aus ihren Kleidungsstücken. Und 70 Prozent von jenen sagt, dass sie es aus Scham und Verlegenheit tun. Klingt das nach etwas, was Frauen tun sollten um sich gut zu fühlen? Nein, auf keinen Fall.

Ich würde sagen, dass ich das typische M/L-Girl bin. Doch auch mir ist schon aufgefallen, dass M nicht gleich M ist, wenn man in verschiedenen Läden einkauft. Um diese Theorie zu untermauern und zu zeigen, dass #NoSizeFitsAll eine ernstzunehmende Sache ist, hab ich den Selbstversuch gewagt: Vier Geschäft auf einer Einkaufsstraße wurden randomisiert ausgesucht (soll heißen, sie lagen alle nebeneinander) und in jedem habe ich eine Jeans in 40 oder L, ein T-Shirt in M und eine Bluse in 40 oder M ausgesucht. Hier ist der Beweis, dass Größe auch nur relativ ist.

1. H&M

Beim Textilriesen bin ich mir fast sicher, dass jede und jeder schon mal dort eingekauft hat. (Socken und Unterhosen gelten da auch!) Ich suche nach den drei Stücken und finde sie ziemlich schnell, da die Auswahl wirklich groß ist. Das T-Shirt in M passt wie angegossen, doch bei der Hose in L, die besonders stretchy sein soll, gibt es Probleme: Ich komme (ziemlich) mühelos hinein, doch die Beine sind extrem lang und mein Freund muss mir den Reißverschluss zuhalten, damit ich ein Foto machen kann, ohne der ganzen Welt meine Unterhose zu zeigen. Bei der Bluse muss ich fast lachen, denn Größe 40 spannt auf meinen Armen und wenn ich es darauf anlegen würde, könnte ich die Knöpfe durch heftiges Einatmen aufploppen lassen.

2. Bik Bok

Das Geschäft gibt es noch nicht lange in Österreich. Meiner Meinung nach, bewegt es sich im Bereich Mode für junge, schlanke Frauen so um 16-22 Jahre. Und obwohl sich zurzeit viele der Kleidungsstücke dazu eignen, Kylie Jenner zu imitieren, finde ich trotzdem eine Basic Jeans, T-Shirt und eine Bluse, wobei letzteres nicht so einfach war. An dieser Stelle muss ich ein Lob für die Umkleide aussprechen, weil die Kabinen wirklich geräumig und schön dekoriert sind. Es handelt sich wieder um eine High Waist Jeans mit viel Stretch, von der ich mutigerweise sogar eine M probiere. Ich kann sie sogar fast zumachen. In L fühlt sie sich aber viel besser an, obwohl die Beine wieder extrem lang sind. Ich hab fast das Gefühl, das ich nach mehrmaligem Waschen vielleicht einen Gürtel bräuchte, aber das sind nur Mutmaßungen. Das T-Shirt in M passt, aber ist mir einen Funken zu eng und kurz. Die Bluse in ebenfalls M macht keine Probleme, außer, dass ich nicht zu gerade stehen darf, weil sonst wieder die Knöpfe sichtbar sind.

3. Weekday

Ebenfalls ein Geschäft, dass es noch nicht so lang in Österreich gibt und in Gegensatz zu Bik Bok, der schon in mehreren Städten vertreten ist, hat Weekday nur diese eine Filiale. Dies liegt daran, dass der Stil eher nicht alltäglich ist. Trotzdem gibt’s alle drei Stücke in einer Basic-Ausführung. Die Jeans hat diesmal Größe 30, was einer 40 entspricht, und Länge 32. Leider krieg ich sie nicht zu, obwohl – und hier kommt die Absurdität klar zum Vorschein – ich privat eine Weekday Jeans in Größe 30 anhabe, die ich nicht ohne Gürtel anziehen kann. T-Shirt in M sitzt hervorragend, könnte ich sogar eine S nehmen. Die Bluse ist Oversize und deswegen auch super in M, wobei da eine S sicher auch zu klein wäre.

4. Mango

An sich, ein bisschen auf der eleganten Seite zuhause, aber auch da gibt’s Basic-Sachen. Mit der Skinny Jeans in 40 kämpfe ich einige Zeit lang, aber dann ist so oben. Leider kann ich sie wiedermal nicht zumachen. Das T-Shirt sitzt super in Größe M. Die Bluse, ebenfalls M, ist so eng, dass ich meinen Freund bitten muss, mir beim Ausziehen zu helfen. Ja, ich hätte auch einfach die Knöpfe öffnen können, aber es waren so viele! Auch in L habe ich extreme Probleme mit dem Blüschen, vor allem im vorderen Bereich. Ich frage mich, ob XL endlich passen würde, aber leider gibt es keine zum Ausprobieren.

Fazit

Was soll ich sagen, ich bin auch ein Opfer der "Druck-Gesellschaft". Obwohl es mein Ziel war zu zeigen, dass die sich die Größen je nach Geschäft stark unterscheiden, konnte ich am Ende doch nicht ganz happy aus der Sache rausgehen, schließlich haben mir einige 40er Hosen nicht gepasst! Und nicht, dass ihr glaubt ich versuche nur zu verdrängen, dass ich eigentlich größere Hosen tragen müsste. Nein, wie man bei Weekday gesehen hat, habe ich exakt von derselben Marke zwei Jeans in 30 probiert und das Ergebnis war einmal "Ohne Gürtel gibt’s Maurer-Dekolleté" und das andere Mal "Ich krieg den Reißverschluss nicht zu!".

Und vor allem an dem Vergleich von Bik Bok, H&M und Weekday zeigt sich gut, dass Größen relativ sind, da die Geschäfte zu ein und demselben Konzern gehören. Erstens kommt es natürlich auf den Schnitt und das Material an, das ist klar. Und zweitens auch ein bisschen darauf, wie sich das Geschäft positioniert. Weekday will nämlich mit seinen eher Oversize geschnitttenen Klamotten andere Leute ansprechen, als das jugendliche Bik Bok. Und H&M will alle Leute ansprechen und schafft es trotzdem nicht ganz den Durchschnitt zu treffen. Bei den schlanken Models (und Schaupielerinnen) als Vorbilder ist es schwer, sich dem zu Besinnen was eigentlich zählt: Ein gesunder Körper, ist ein glücklicher Körper. Egal, ob Größe 40 oder 36.

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