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Warum wir Hunde lieben und Schweine essen

Wir Menschen verhalten uns widersprüchlich: Wir lieben unsere Haustiere und trauern, wenn sie sterben, aber essen jeden Tag Tiere, deren Tod wir ignorieren. Warum können wir das?

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Warum wir Hunde lieben und Schweine essen
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Wir alle lieben Tiere. Wir sind entzückt beim Anblick von spielenden Katzen, hatten ein Haustier als Kind, bringen unseren eigenen Kindern bei, sanft mit Tieren umzugehen und sind entsetzt, wenn Tiere misshandelt werden. Wir haben sie zum Fressen gerne! Allerdings nicht im doppeldeutigen Sinne. Sondern als Schnitzel, Wurstsemmel und Co. Aber doch niemals unseren geliebten Hund, Katze oder Meerschweinchen!

Warum wir Hunde lieben und Schweine essen

Es gibt eine gewisse Widersprüchlichkeit, mit der wir verschiedene Tierarten behandeln. Einige liebkosen wir, während wir andere essen. So ist es hierzulande üblich, dass wir Schweine als Nahrungsmittel ansehen, während wir Hunde sogar wie Familienmitglieder behandeln. Einen objektiven Unterschied, der dies rechtfertigen würde, gibt es nicht. Wie kommt es dann zu dieser Unterscheidung? Wie lernen wir, welche Tierarten wir zu lieben, und welche wir zu essen haben?

Eine Antwort auf diese Fragen, liefert die Sozialpsychologin Dr. Melanie Joy. Ihre Forschung beschäftigt sich mit der, von ihr auf den Namen “Karnismus” getauften, Ideologie, die es uns ermöglicht, die “Hunde-lieben-aber-Schweine-essen”-Problematik zu verdrängen.

Diese Einstellung wird stark von unserer Kultur geprägt. So ist es für uns in Österreich absolut unvorstellbar einen Hund zu essen, in Indien hingegen ist die heilige Kuh undenkbar am Teller. Wir ekeln uns bei der Vorstellung Insekten zu naschen, in Südamerika sind diese eine Delikatesse.

Es gibt Millionen verschiedene Tiere, aber wir erwählen daraus nur eine minimale Anzahl, die wir als "Essen" definieren. Warum empfinden wir bei jenen keinen Ekel und Widerwillen, wenn wir diese verspeisen? Und warum hören mitfühlende Menschen beim Essen einfach auf zu denken und zu fühlen und vergessen, dass für ihre Mahlzeit Lebewesen leiden und sterben mussten?

In unserer von Überfluss geprägten Gesellschaft gibt es keine Notwendigkeit, Tiere zu essen - also ist es eine Entscheidung - und dahinter steckt die Überzeugung des Karnismus. Dank dessen ist es in unserer Gesellschaft selbstverständlich und "normal" Tiere zu essen. Darauf zu verzichten, also vegetarisch oder vegan zu leben, ist die Ausnahme und muss erklärt werden. Jeder Mensch, der auf Tierprodukte verzichtet, hat wohl schon hundertfach die Frage nach dem Warum erhalten. Warum stellen sich diese Frage nicht die Fleischessenden? Denn bei einer wirklich bewussten und ausgewogenen Ernährung gibt es auch keine Mangelerscheinungen, die immer wieder ins Spiel gebracht werden.

Schließlich handelt es sich bei der fleischlichen Ernährung um eine dominante und gewalttätige Entscheidung - denn Fleisch kann nicht ohne Töten erzeugt werden - und widerspricht somit menschlichen Werten wie Mitgefühl. Darum braucht es wiederum Verteidigungsstrategien, um diese Gedanken und Gefühle zu unterbinden.

Warum wir Hunde lieben und Schweine essen

Diese funktionieren hauptsächlich über Verleugnung: Wie sehen die Tiere nicht. 1,2 Milliarden Tiere werden weltweit JEDE Woche geschlachtet. Das sind jede Woche mehr Tiere als jemals Menschen in allen Kriegen gefallen sind. Aber davon bekommen wir nichts mit. Denn der Großteil dessen geschieht in Massentierhaltungen, weit entfernt von Wohnsiedlungen, in riesigen Hallen ohne Fenster und Einblicken von außen.

Warum wir Hunde lieben und Schweine essen

So können wir, wenn wir im Supermarkt vor dem Kühlregal stehen, kaum noch nachvollziehen, wie viel Leid die Wahl von tierischen Lebensmitteln mit sich bringt. Die abgepackten Fleisch- und Wurstwaren erinnern uns nicht mehr an das Tier, das sie einst waren und auch seine Aufzucht, Schlachtung und Verarbeitung finden weitestgehend im Verborgenen statt.

Aber trotz der gewaltigen Ausmaße des Karnismus gibt es erstaunlich einfache und pragmatische Lösungsvorschläge, angefangen beispielsweise mit nur 1 veganen Tag in der Woche. Im folgenden Video erklärt Melanie Joy nicht nur wie die Denkweise in uns allen verankert ist, sondern zeigt auch Alternativen auf: