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Warum dürfen Männer nicht auch mal modisch sein?

Wann ist Mode, Mode ist entscheidet eigentlich jeder für sich, doch natürlich gibt es Kleidung, die zuerst einmal aneckt: Jetzt sind es die Spitzenshorts für Ihn.

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Maenner rocken spitzenshorts
© instagram.com/hologramcityla

Wir leben in einer Welt, in der theoretisch alles geht: Männer tragen Röcke, Frauen haben Beinhaare und Kinder wachsen fast ohne Geschlechterklischees auf. Aber eben nur theoretisch, denn wenn eine Frau wirklich ihre dichten Beinhaare offen auf der Straße zeigt, wird sie wohl auch negative Kommentare zu hören bekommen. Genauso ist es mit Männeridealen, wenn sie gebrochen werden.

Es wäre jetzt gemein, zu sagen, dass es Männer in dem Sinne schlechter haben als Frauen, aber viele Bereiche unserer Gesellschaft werden von einer derart strengen Männlichkeit umklammert, dass sich die Guys gar nicht dagegen wehren können. Warum glaubst du denn, dass dein Boyfriend nur auf den Casual Look steht? Ja, in vielen Fällen schon, weil es ihm wirklich gefällt. Aber in anderen Fällen ist es einfach wegen der Tatsache, dass Männer, die sich extrovertiert, stylisch oder feminin-modisch kleiden, oft noch immer als homosexuell wahrgenommen werden.

Und da ist das Problem verborgen: Denn obwohl viele Teile der Welt der Homosexualität positiv gegenüberstehen (also auch eher theoretisch, aber oftmals schon praktisch), steht das Wort "schwul" noch immer für einen schwächeren, femininen Mann. Und Schwäche ist wiederum das Schlimmste, das dir in unserer Welt passieren kann - also laut Patriarchat.

Wenn man also wieder aus diesem Gedankenkarussell aussteigt und sich umschaut, bleibt unter dem Strich stehen: Modische Männer sind eher schwul und als Hetero-Mann möchte man nicht für schwul gehalten werden, weil da so viel Klischees daran haften. Irgendwie hat man versucht, den Begriff "metrosexuell" in den Mix zu werfen, also ein extravaganter Lebensstil bei heterosexuellen Männern. Doch auch das ist nur eine Teil-Lösung.

Denn warum muss man Männer überhaupt irgendwie kategorisieren, nur weil die sich auch mal modisch (vielleicht auch mal femininer!) anziehen möchten? Sollte das nicht einfach egal sein, wer welche sexuelle Orientierung hat und wer sich, wie anzieht? Ist es halt leider noch immer nicht. Aber immer wieder versuchen Firmen Kleidung für Männer zu entwerfen, die gegen die Männlichkeitsvorstellungen verstoßen. Hologram City ist auch so ein Fall: Mit ihrem Ensemble aus pastellfarbenen Spitzenshorts und dazu passenden Hemden heimste die Marke viel Spott ein.

Das scheint oft die erste Reaktion auf etwas wildere Kleidungsstücke zu sein - vor allem, wenn es um Männer geht. Und das ist ziemlich unfair. Denn keiner Person sollte vorgeschrieben sein, wie er oder sie sich in ihrer Freizeit anzuziehen hat. Exzentrik bringt Farbe ins Leben! Denkt nur mal an David Bowie, Mick Jagger oder sogar an Elvis Presley, letzterer ein ziemlicher Macho, der sich aber mit mehr Pailletten bedeckt hatte, als Lady Gaga. Es muss einem ja nicht alles gefallen, aber jemanden zu verspotten ist alles andere als nett.

Themen: Trends, Musik