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Erwiesen: Warum manche leichter ins Burnout schlittern

Marie und Sabine sind gleich alt, haben beide ein Kind und einen extrem stressigen Job. Doch nur Marie schlittert ins Burnout. Woran liegt das?


Erwiesen: Warum manche leichter ins Burnout schlittern
© iStockphoto

Marie und Sabine sind gleich alt, sie haben beide ein kleines Kind und dieselbe Arbeit als Ärztinnen an einer Unfallklinik. Nach einem besonders harten Jahr schlittert Marie in ein Burnout, kann nicht mehr weiter. Sie ist am Rande der Erschöpfung, depressiv, ausgebrannt. Sabine macht weiter wie bisher.

Woran liegt es, dass manche Menschen Burnout haben – und andere Menschen, die genauso unter Stress und Druck stehen und rund um die Uhr arbeiten, trotzdem nicht ausbrennen?

Warum sind manche Menschen resilienter gegen Burnout?

Dieser Frage sind die Wissenschaftlerinnen Kandi Wiens und Annie McKee nachgegangen. Die Arbeitsergebnisse der beiden Forscherinnen wurden in einem Artikel der "Harvard Business Review" veröffentlicht.

Um herauszufinden, warum manche Menschen stärker Burnout-gefährdet sind, beobachteten Wiens und McKee über einen längeren Zeitraum 35 Chefärzte von 35 amerikanischen Krankenhäusern. Die Mediziner standen unter extremen emotionalen Druck, mussten ständig neue Stress-Levels durchleben und gleichzeitig hohe Verantwortung tragen.

Das Ergebnis überraschte selbst die beiden Forscherinnen: Fast 70 Prozent der befragten Ärzte beschrieben ihren Stresslevel als “stark”, “sehr stark” oder “so schlimm wie möglich” - trotzdem litt der Großteil der Ärzte nicht unter Burnout.

Die Gesprächsauswertung ergab aber einen gemeinsamen Nenner: Offenbar kann ein hohes Maß an emotionaler Intelligenz Menschen vor einem Burnout schützen.

Warum emotionale Intelligenz vor Burnout schützen kann

Die emotionale Selbstwahrnehmung ermöglicht es Menschen mit hoher emotionaler Intelligenz, die Ursachen für Stress, Frustration und Ängste klarer erkennen und einzuordnen. Dadurch reagieren sie schneller, eher der negative Stress überhand nimmt.

Dazu sind Menschen mit hoher emotionaler Intelligenz kontrollierter, sie geben ihren Gefühlen und Impulsen nicht so schnell nach und bleiben eher ruhig, wenn hoher Stress aufkommt. Dazu gehen sie Probleme lösungsorientiert an und fühlen sich nicht so schnell persönlich angegriffen. Empathie – die hervorstechendste Eigenschaft von Menschen mit hohem EQ – hilft dabei, einen anderen Blickwinkel ein- und damit das Handeln anderer Menschen besser anzunehmen.

Auch ein hohes Maß an Selbstliebe wirkt einem Burnout entgegen. Wer nicht nur anderen gegenüber einfühlsam, liebevoll und nachsichtig ist, sondern auch sich selbst - der hat eine wirklich starke Waffe gegen Burnout in der Hand. Denn das, so die Forscherinnen, sei nicht nur reine Erschöpfung, sondern auch eine Identitätskrise, die durch zu hohe Erwartungen an uns selbst und zu großer Enttäuschung bei Nichterfüllung entsteht.