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Bereit für einen neuen Abschnitt: Warum ich nicht mehr zum Friseur gehe

Ein Besuch beim Friseur? Für mich leider meistens ein Griff in die falsche Farbflasche. Vom Ende eines Leidensweges.

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Bereit für einen neuen Abschnitt: Warum ich nicht mehr zum Friseur gehe
© WOMAN

Um zu schildern, wie sehr Friseure meinen Alltag beeinflussen, darf ich eine WhatsApp-Nachricht meines Holden zitieren: “Ich wünsche dir wirklich alles, alles Gute und viel, viel Erfolg beim Friseur heute. Alles wird gut und wir stehen das gemeinsam durch!“

Hand aufs Herz, das war nur ein Zehntel ironisch gemeint. Zu oft hatte er schon die hysterische Wahnsinnige (das bin ich) vor Augen, die sich nach jedem Blick in den Spiegel jedes Mal aufs Neue Schreigebärden hingab. Montenegrinische Klageweiber? Nichts dagegen.

Aber von vorne: Mutter Natur bedachte mich mit einem etwas undefinierbaren Dunkelblondbraun, auch Straßenköterblond genannt. Deshalb färbe ich seitdem ich geschlechtsreif bin, früher mal in die eine (dunkel), aber seit zehn Jahren in die andere Richtung (blond). Das hat mich nicht nur viele Haare, sondern vor allem viel mehr Nerven gekostet.

»Ein beschwingtes Frisch-vom-Friseur-neue Frisur-neues-Glück-Gefühl hatte ich selten.«

Denn ein beschwingtes Frisch-vom-Friseur-neue-Frisur-neues-Glück-Gefühl hatte ich selten. Und das, obwohl ich meiner Meinung nach akribisch vorbereitet den Gang zum Haaremacher antrete. Weil ich nämlich über die Jahre weiß, dass die Vorstellungswelten von mir und einem Vertreter der frisierenden Zunft gravierend auseinander liegen können (ich erinnere ich an meine erste Ballfrisur, die ich mir elfengleich wünschte und einen gedetschten Dutt a la Blödmann-Werbung kassierte), gehe ich schon Tage vor dem D-Day auf Bildersuche. Dabei suche ich Farbnuancen, die mir gefallen, um sie dem Färber als Hilfestellung zu zeigen.

Ich schaffe quasi einen gemeinsamen Nenner, um unsere Vorstellungen gleichzuschalten. Des weiteren kläre ich die Damen und Herren über meine Erfahrungen auf. Dass sich viele Kollegen ihrer Berufsgruppe nämlich schon in der Einwirkezeit verkalkuliert und meine anscheinend doch vorhandenen Rotpigmente unterschätzt haben. Damit möchte ich deren Autorität nicht untergraben sondern lediglich informieren. Nett von mir, finde ich – wird aber eigentlich immer überhört.

»Mein Körper ist vier Stunden lang im Fluchtmodus.«

Dann geht's ans Eingemachte. Mein Körper ist vier Stunden lang im Fluchtmodus, die Augen weit geöffnet, die Pupillen vor Schreck erweitert, das Gesicht zu einer Fratze verzerrt. Die schweißnassen Hände klammern die Gala fest, wenn es zum Moment der Wahrheit kommt. Dann nämlich, nachdem man mich vom Waschbecken zum Schafott zurückgeführt hat - Dead woman walking - und den Turban abnimmt.

Da kann man sofort erkennen, welcher Belzebub sich da oben wieder ins Fäustchen gelacht hat und nein, liebe Friseure, da hilft auch kein Föhnen. Früher stieg der Ärger hoch, wenn ein gehypter Schack de la Schassange meinen Ansatz anstatt blond, neckisch rötlich schimmern ließ, aber über die Jahre wurde ich milde.

So wie letztes Mal vor Weihnachten: Ich hatte da schon einen ca. 10 cm langen Nachwuchs, danach folgten meine hellbonden, langen Haare. Mein Wunsch? Den Nachwuchs beibehalten (ja, genau, ein sogenannter Ombré-Look), nur den hellen Teppich der blonden Haare mittels Balayage ein wenig auflockern, sprich: Strähnchen einarbeiten. Das Resultat: Alle Haare dunkel. Und zwar grün. Das chemische Löschen der Farbe gab dann meinen langen Haaren den Rest. Ich lächelte.

»Das Resultat: Alle Haare dunkel. Und zwar grün. «

Ja, ich arbeite im Lifestyle-Bereich, sehe jeden Tag perfekt gefärbte Köpfe (selbst die dunklen Kim Kardashian-Haare werden weißblond!) und ja, vielleicht sind deshalb meine Vorstellungen präzise und meine Erwartungen sehr hoch. Aber ist es wirklich zu viel verlangt, sich auf Experten verlassen zu können? Muss man tatsächlich ein Chemiker sein, um die perfekte Farb-Mischung auszuarbeiten, um nicht wie ein Teenie in der Selbstfindungsphase den Laden verlassen zu müssen? Und selbst wenn es so ist, dass man das Resultat nicht vorhersagen kann: Wieso werden keine Probesträhnchen gemacht? Ist es tatsächlich immer ein Lotteriespiel? Wenn ja: Brauchen Friseure vielleicht den Kick?

Nun gut. In diesem Moment jedenfalls hörte ich die Engel singen. Und habe mit der Tapferkeit einer Jeanne d'Arc beschlossen: Fortan werde ich mir und den Figaros das Leben leichter machen und selbst zur Tat schreiten. Beim nächsten Desaster (und das wird kommen!) hab ich's dann wenigstens selbst verbockt – und muss dafür nicht hunderte Euros zahlen.

Thema: Haare

Kommentare

Silke-Maria Hauer

Oh mein Gott! Es hört sich an als würde da meine Geschichte stehen..... Aus meiner schönen langen (so ca BH Höhe) blonden Mähne!!! (wirklich!!) ist nach den letzten drei Friseurbesuchen innerhalb von 4 Wochen, ein kinnlanger Strohhaufen geworden. Bisher war ich auch immer tapfer, weil meine Vorstellungen offensichtlich nicht immer Friseurgerecht formuliert waren. Leidende Grüße