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Warum ist mir oft so schwindlig?

Wenn sich plötzlich alles dreht im Kopf, ist die bange Frage nicht weit: Ist es etwas Ernstes? Meistens nicht, kann unser Fachmann beruhigen. Obwohl Schwindelattacken auch ein Zeichen für ungesunden Lebensstil sein können. Plus: Diese Übungen stärken dein Balance-Gefühl

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Warum ist mir oft so schwindlig?
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Wer hat das noch nicht erlebt: Man steht auf - und muss sich gleich wieder hinsetzen. Weil sich plötzlich alles im Kopf dreht. "Mir ist so schwindlig", kann man grad noch seufzen und hoffen, dass schnell jemand um ein Glas Wasser läuft. Und wenn's dann wieder vorbei ist, kommt etwas Panik auf: Was war das jetzt? Was ist los mit mir? Hoffentlich nichts Schlimmes!

"In den meisten Fällen nicht!", kann Dr. Benjamin Loader, HNO-Facharzt und Leiter der Schwindel-Ambulanz der Wiener Rudolfstiftung, beruhigen. "Gerade bei sommerlichen Temperaturen können Faktoren wie Wetterfühligkeit, niedriger Blutdruck und allgemeine Kreislaufprobleme zu unspezifischem Schwindel führen." Aber auch Themen wie Erschöpfung und Übermüdung, wenig Bewegung oder Stress spielen an vorderster Front mit. "Bei jungen Müttern zum Beispiel, die wenig Schlaf kriegen, wenig Zeit für sich selbst und auch für Sport haben, sind Schwindelattacken keine Seltenheit", so der Arzt.

Hier die wichtigsten Facts für die richtige Balance.

SENSIBLES SYSTEM IM INNENOHR. Der Gleichgewichtssinn, so muss man wissen, ist sehr empfindlich und unterliegt "sehr komplexen Steuermechanismen", um kleinste Bewegungen registrieren zu können. Ständig muss er checken: Wo sind wir gerade? Laufen wir oder sitzen wir im Auto? Balancieren wir oder wandeln wir auf stabilem Untergrund?" Das ist einer der schnellsten Sinne des menschlichen Körpers", weiß der Experte. Aber wenn man sich mal zu abrupt umdreht, kann es sein, dass er doch nicht mitkommt und kurz auf "benommen" schaltet. Die Gleichgewichtsorgane sitzen jeweils im Innenohr und funktionieren wie eine Waage. Jedes ist über den Gleichgewichtsnerv mit dem Gehirn und den Augen verbunden.

AUGEN SIND WICHTIGE PARTNER COMPUTER STREIKT. "Im Gehirn werden alle Reize gesammelt und koordiniert", erklärt der Mediziner. "Gibt es eine Diskrepanz zwischen dem Gleichgewichtssinn, dem visuellen und dem propriozeptiven System, also den Sehnen, Muskeln und Gelenken, wird einem schwindlig." Vor allem sollte das, was ich sehe, mit dem, was ich spüre, übereinstimmen." Wenn nicht: Drehwurm! "Ein gutes Beispiel ist Seekrankheit. Das Boot hüpft rauf und runter, aber du kannst das nicht mit den Augen mitverfolgen -dann kann dir übel und schwindlig werden." Je älter man wird und je weniger gut man sieht, desto leichter ist man für das Drehen im Kopf anfällig. "Wie bei einem langgedienten Computer, wo sich die Software auch schneller mal aufhängt."

GUT THERAPIERBAR. Ganz besonders massiv können Schwindelattacken sein, wenn im Ohr direkt etwas passiert ist. Immer wieder ist eine Hörstörung inkludiert. "Die meisten Beschwerden sind aber trotz ihrer Heftigkeit gut therapierbar", beruhigt der Fachmann. Die Schulmedizin hat eine Vielzahl an Medikamenten zur Verfügung, unter anderem Ginko-Präparate, den Wirkstoff Betahistin und sogar Kortison.

Es kann ein Alarmsignal sein

LIFESTYLE ÄNDERN. Doch es ist auch Selbstinitiative gefragt, wenn Attacken öfter auftreten. "Mehr Bewegung, weniger Rauchen, weniger Alkohol und weniger Stress" helfen dem Gleichgewichtssinn. Aber auch psychische Probleme können das "sensible Messgerät" außer Takt bringen. "So gesehen kann Schwindel, der öfter auftritt, auch ein Signal dafür sein, in seinem Leben etwas zu verändern." Yoga zum Beispiel würde der Arzt besonders empfehlen: "Es stärkt die Koordination und entspannt."

STURZGEFAHR. Selten stecken hinter dem Benommensein ernste Erkrankungen neurologischer Natur, wie Tumore oder Schlaganfälle. Und ob die Probleme auch von der Halswirbelsäule ausgehen können, wird unter Fachleuten noch diskutiert. "Ich glaube es schon", sagt Dr. Loader. Ganz sicher ist er, dass man bei Schwindelattacken nicht gleich in Panik verfallen soll, sondern zuerst den Hausarzt aufsuchen, "der die Symptome erst mal einordnen kann." Die größte Gefahr beim "Drehen im Kopf" ist ja die, zu stürzen. Sie nimmt mit den Jahren zu. Daher ist rechtzeitiges Balance-Training das Um und Auf, wie der Mediziner betont. Entsprechend geübte Muskeln können im Bedarfsfall viel verhindern.

Sicher bleiben

Da gibt's Übungen, die man gut in den Alltag einbauen kann. Physiotherapeutin Constance Schlegl stellt vor: Beim Zähneputzen abwechselnd auf einem Bein stehen und möglichst lange nirgendwo anhalten. Am besten eine Sanduhr mitlaufen lassen.

Oder: Du hältst im Sitzen einen Ball mit leicht gebeugten Armen auf Brusthöhe vorm Oberkörper. Bewege die Arme samt Ball langsam auf die eine Seite und folge dem Ball mit deinem Blick. Dann auf der anderen Seite das Gleiche. Insgesamt 10 Wiederholungen.

Ebenfalls gut: Lege eine Schnur quer durch ein Zimmer als gerade Linie. Dann versuche darauf Schritt für Schritt zu balancieren. Nimm einen Ball in beide Hände und hebe diesen im Weitergehen über den Kopf. Wieder absenken und wiederholen. Mehrmals durchführen.

Wenn's schnell gehen soll: Punkt an der Wand fixieren und im Auge behalten, während du den Kopf nach links und rechts drehst.

Eine weitere gute Übung ist auch: Handtuch zusammenrollen und darauf balancieren. Vielleicht um die Wette: Wer schafft's länger? Du oder deine Kinder?

Der Sporthandel bietet auch Balance-Bretter an, die alle notwendigen Muskeln trainieren. Mehr Gleichgewichtsübungen findest du im Schwindelratgeber von Constance Schlegl, kostenlos zu bestellen unter: office@hennrich-pr.at