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Verlieben wir uns nur aus Frust?

Na, spielen die Hormone schon wieder verrückt? Was ist eigentlich der Grund, warum wir uns überhaupt verlieben? Psychoanalytiker Adam Phillips hat eine erstaunliche Erklärung.

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Dieses Paar reist um die Welt, um herauszufinden was wahre Liebe ist
© via instagram.com/mollyjosephla

Das Verliebtsein wäre so schön, wenn dann nicht die Liebe käme. Gut, so stimmt das natürlich nicht. Aber wir alle, die wir schon die eine oder andere Beziehung hinter uns haben, wissen: Es ist der Alltag, der Moment, in dem wir die rosa Brille erstmals abnehmen, an dem sich die Haltbarkeit der Liebe entscheidet.

Aber warum braucht es die rosa Brille überhaupt? Warum hat es die Natur so vorgesehen, dass wir einen anderen Menschen zunächst idealisieren, vergöttern – und dann manchmal leider wieder hart am Boden der Realität landen?

Warum verliebt man sich?

Ja. Warum zur Hölle verliebt man sich? Der britische Psychoanalytiker und Autor Adam Phililips (Vom Küssen, Kitzeln und Gelangweilt sein ) hat dafür eine erstaunliche Erklärung. Es ist nämlich nicht in erster Linie der andere Mensch, in den wir uns verlieben. Es sind nur seine Eigenschaften, die wir anziehend finden.

Zu tun hat das mit unserem ureigenen Frust, so Phillips. Ehrlich. Wir verlieben uns nämlich in die Fantasie von dem, was wir nicht haben – aber in einer anderen Person als Ausgleich entdeckt haben wollen.

"Erst du machst mich komplett!" – An diesem alten Romantik-Spruch ist laut Phillips ganz viel Wahres dran. Denn wenn wir uns ärgern, weil wir beispielsweise schrecklich schüchtern sind, dann finden wir zunächst einen Menschen attraktiv, der genau das Gegenteil von uns ist und locker auf jeden zugeht. Sind wir wenig unternehmungslustig, dann suchen wir jemanden, der das durch Spontanität kompensiert.

Mit einem Wort: Wir verlieben uns in jemanden, der unsere selbstempfundenen Defizite ausgleicht.

Und das wieder, so Psychoanalytiker Phillips, bringt mit sich, dass wir uns besonders leicht dann verlieben, wenn wir gerade schwer gefrustet sind. "Die positiv apostrophierten Eigenschaften des Anderen wirken dann noch verführerischer, wir gehen der Illusion auf den Leim, unser Unglück durch ihn zu beenden."

Hm. Das klingt nun leider wenig nach Magie, nach Leidenschaft, nach dem berühmten Blitz. Aber wir versuchen, der Sache auch was Positives abzugewinnen. Wenn wir uns nämlich wieder trennen, müssen wir genaugenommen nicht um den Menschen, sondern nur um seine Eigenschaften trauern....

Okay. Nice try. Stimmt leider nicht.

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