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Präsentismus: Darum gehen wir krank ins Büro

Krank in die Arbeit? Das hat jeder schon mal gemacht! Dabei ist vielen nicht bewusst, dass sie so ihre eigene Gesundheit und die des Unternehmens schwächen.

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Krank in der Arbeit
© istockphotot.com/golubovy

Ein Niesen, ein kleiner Husten, ein bisschen Kratzen im Hals: Du spürst, dass du krank wirst. Aber so schlimm ist es doch gar nicht. Es geht dir eh ganz gut! Wegen so ein bisschen Schwächeln kann man ja nicht zuhause bleiben. Da sind schon andere mit schlimmeren Symptomen im Büro gesessen! Mein Gott, dann trinkst du halt ein Neocitran und schmeißt dich in den wärmsten Pullover, das wird schon irgendwie gehen.

Diesen Gedankengang haben sicher schon viele von uns gehabt. Es ist eine Grippe oder Erkältung im Anmarsch und man würde am liebsten das Bett hüten, doch man bringt es nicht über sich. Man fühlt sich seinen KollegInnen oder den Vorgesetzten verpflichtet, hat noch zu viel Arbeit zu erledigen oder gar Angst vor einer Kündigung. Die Gründe für den sogenannten "Präsentismus" sind vielfältig.

Ein Drittel der Österreicher gehen krank in die Arbeit.

Doch wie moralisch korrekt ein kranker Arbeitender auch wirken mag: Es fast nie eine gute Idee krank arbeiten zu gehen! Einerseits braucht der Körper seine Ruhe, um wieder vollends zu gesunden. Andererseits besteht so auch die Gefahr, dass auch das Umfeld angesteckt wird. Und natürlich darf man die psychische Komponente nicht vergessen. Denn ein Arbeitsplatz, an dem man das Gefühl hat, man dürfe niemals fehlen, ist auf Dauer ein ungesunden.

Dies haben auch die Beobachtungen des Österreichischen Arbeitsgesundheitsmonitors der AK Oberösterreich ergeben. 33 Prozent der Unselbstständigen in Österreich arbeiten auch dann, wenn sie krank sind. Und während der Wirtschaftskrise waren es sogar noch mehr. Nun warnt die AK vor den Folgen eines solchen falschen "Gehorsams".

Warum wir krank ins Büro gehen, hat viele Gründe.

Viele ArbeitnehmerInnen wären sich gar nicht bewusst, welchen Druck ihr Job auf sie ausübt. Doch Tatsache ist, dass konstanter Stress und das Arbeiten bei Krankheit längerfristige Kosten und Probleme für die Unternehmen birgt. Psychosomatische Störungen, Burnouts und Depressionen könnten mit einer guten Prävention und mehr ArbeitnehmerInnen-Schutz verhindert werden. Zum Beispiel müsste bei Krankheit ein gesonderter Motivkündigungsschutz gelten, sagt AK-Präsident Dr. Johann Kalliauer.

Und auch wenn man das System der "schönen, neuen Arbeitswelt" nicht so schnell ändern kann, gibt es im einzelnen schon Möglichkeiten zur Verbesserung. Zum Beispiel sollten ArbeitgeberInnen ihre Mitarbeiter nicht loben, wenn diese krank im Job erscheinen. Die Motivation sollte vielmehr: "Kuriere dich aus! Werde gesund!", lauten.