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Was kostet deine Welt? Eine Volksschullehrerin über ihren Kontostand

Arbeiten, zahlen, leben: Wie viel verdient eigentlich eine Volksschullehrerin? Und wie viel bleibt am Ende des Monats übrig? Wir haben im Rahmen unserer neuen Serie nachgefragt.

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Kommentare: 4

Was kostet deine Welt? Eine Volksschullehrerin über ihren Kontostand
© Privat

"Über Geld spricht man nicht" - das gilt besonders in Österreich. Das eigene Gehalt halten die meisten von uns geheim. "Was verdienst du?", ist eine Frage, die noch immer schwer über die Lippen geht und meisten mit dem Nachsatz "wenn ich fragen darf" versehen wird. Dabei sind wir tagtäglich mit unseren Finanzen konfrontiert. Wo ist der 100er im Geldbörsel schon wieder geblieben? Wie soll ich die Reparatur des Autos bloß bezahlen? Wie schaffen es eigentlich andere Leute, etwas auf die Seite zu legen? Und wie viel verdienen eigentlich die KollegInnen, die mit mir im Büro sitzen? Nicht zuletzt diese unnötige Verschwiegenheit ins Sachen Einkommen trägt dazu bei, dass Frauen immer noch nicht gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wir sagen: Schluss damit, über Geld spricht man! Deshalb fragen wir in unserer neuen Serie Frauen mit den unterschiedlichsten Berufen: Was kostet deine Welt? Wie viel verdienst du? Was bleibt am Monatsende übrig? Im ersten Teil der Serie, haben wir eine Volksschullehrerin zum Interview gebeten.

Gudrun ist 30 Jahre alt, lebt in der Steiermark und hat nach der Matura die pädagogische Hochschule in Graz besucht. Sie ist mit 22 Kinderdienststunden in einer Volksschule angestellt das heißt sie hat die volle LehrerInnenverpflichtung. Die restlichen 18 Stunden gehen für die Vor- und Nachbereitung drauf. "Mit 40 Stunden komme ich meistens nicht aus", sagt sie, denn ihr Tag beginnt bereits um 6:30 in der Schule, wo sie sich auf den Unterricht vorbereitet und nach und nach die ersten Kinder begrüßt. Zwischen 13 und 14 Uhr kommt sie dann nach Hause, wo sie dann Stoß für Stoß Hefte abarbeitet, plant, reflektiert, dokumentiert und vorbereitet. In ihrem 8. Dienstjahr verdient sie 2.600 Euro brutto, das macht 1.800 Euro netto am Gehaltszettel. Mit ihrem Mann ist sie vor kurzem in ein neu gebautes Haus gezogen.

WOMAN: Wie hoch sind deine Fixausgaben?
Gudrun: Die Fixkosten belaufen sich auf ca. 150 bis 200 Euro monatlich. Ich zahle die Handyrechnung und ein paar Versicherungsbeiträge. Für Lebensmittel gebe ich ein paar hundert Euro monatlich aus.

Hast du eine private Pensionsvorsorge? Wenn ja, warum und wie viel gibst du dafür monatlich aus?
Gudrun: Ja – und zwar handelt es sich dabei um eine Pensionsvorsorge speziell für Beamte. Da werden mir 25 Euro vom Bruttogehalt abgezogen und 25 Euro zahle ich selber ein.

Volksschullehrerin

Sparst du Geld? Wenn ja: Wie viel und wie legst du es an?
Gudrun: Ich habe einen Bausparvertrag und zahle 100 Euro im Monat ein. Außerdem habe ich noch einen Wertpapier-Fonds. Das ist eine sichere Anlage. Was ich da einzahle, ist immer unterschiedlich, aber es sind zwischen 70 und 80 Euro. Den hab ich schon lange. Der wurde für mich angelegt, als ich als Kind etwas von meiner Uroma geerbt habe. Ich könnte zwar etwas davon abheben, aber das tue ich nicht. Das ist sozusagen mein Notgroschen. Viele meiner Ersparnisse habe ich für den Bau unseres Hauses verbraucht. Aber dieses Geld möchte ich immer auf der Seite haben, solange es irgendwie geht.

Wie viel bleibt am Ende des Monats übrig?
Gudrun: Es bleibt immer etwas übrig, weil meine Fixkosten sehr niedrig sind. Bis zum Anfang dieses Jahres war ich am Ende immer auf Null, weil ich alles fürs Haus ausgegeben habe. In den letzten Monaten haben wir aber wieder zu sparen begonnen und kaufen nach und nach die Einrichtung. Wenn ich keine besonderen Ausgaben fürs Haus tätige, bleiben mir ca. 1.000 Euro übrig. Ich denke das ist so, weil ich keine Miete zahle. Die Betriebskosten für das Haus zahlt mein Mann. Dafür kaufe ich die Lebensmittel und alles, was wir sonst so brauchen. Mir ist schon oft aufgefallen, dass Singles und Alleinerziehende, die auch noch Miete zahlen müssen, viel weniger zur Verfügung haben. Die haben es da sicher schwerer.

Bist du zufrieden mit deinem Gehalt?
Gudrun: Ja, schon. Es ist nicht zu wenig. Es ist genau passend, finde ich.

Weißt du, was deine KollegInnen verdienen?
Gudrun: Nein, das weiß ich nicht. Ich weiß es nur von einer Kollegin, die zum selben Zeitpunkt angefangen hat wie ich. Die jüngeren Kolleginnen steigen von Anfang an höher ein. Die müssten jetzt also gleich viel verdienen wie ich. Da habe ich aber noch nie genau nachgefragt. Sie würden es sicher sagen, aber wir sprechen nicht darüber.

Wofür gibst du gern Geld aus?
Gudrun: Zum einen für den Sommerurlaub – da machen wir eigentlich immer teurere Urlaube. Mir ist es außerdem wichtig, ein schönes Auto zu fahren – da lege ich einfach Wert drauf. Ich fahre einen Audi und ich bin eigentlich sehr zufrieden damit. Ansonsten gehe ich noch zum Frisör und zur Maniküre. Beim Kleider-Kauf bin ich beispielsweise sehr sparsam. Ich richte mir auch jeden Tag die Jause für die Schule selbst. Ein fertiges Weckerl zu kaufen, ist sehr teuer, finde ich. Ich hab zwar jeden zweiten Tag keine Lust, aber das ziehe ich durch (lacht). Ansonsten gebe ich natürlich viel für Einrichtung aus, weil wir ja ins neue Haus gezogen sind.

Wofür würdest du gern mehr Geld haben?
Gudrun: Beim Haus ist vieles noch nicht fertig und ich würde vielleicht viel schneller mehr Geld ausgeben und tolle Sachen damit kaufen, bessere Einrichtungsgegenstände. Außerdem sparen wir jetzt auf ein größeres Auto für meinen Mann. Da würde ich mit mehr Geld einfach zuschlagen. Wir haben mittlerweile wieder etwas Geld auf der Seite und planen gerade die Garderobe und das Stiegengeländer. 10.000 Euro sind da schnell einmal weg. Aber ganz allgemein, würde ich vielleicht mit mehr Geld Dinge in den höheren Preiskategorien kaufen. Wir kaufen oft in der Mittelklasse – nicht das Billigste, aber auch nicht das Teuerste. Da würde ich nur das beste vom besten kaufen (lacht). Aber ich bin froh, dass wir für das Haus keine Schulden abzubezahlen haben. Unsere Eltern haben einiges beigesteuert und wir haben vor dem Bau selbst viel gespart.

Redest du mit deinem Freundeskreis übers Geld?
Gudrun: Ich erzähle es nicht einfach so. Aber wenn mich jemand darauf anspricht, dann sage ich es schon. Mit meinen besten Freundinnen bespreche ich alles. Zum Teil wissen auch die Nachbarn, wie viel etwas gekostet hat. Mein Mann und ich halten uns aber schon zurück. Wenn wer fragt, sagen wir, was wir ausgegeben haben. Mit den Freunden, denen es finanziell gut geht, sprechen wir mehr über Geld. Die, die mehr Geld-Probleme haben... da hält man sich vielleicht eher zurück. Da sag ich einfach nichts dazu. Aber ich kenne auch Leute, die haben Geld auf dem Konto, jammern aber. Vielleicht fühlen sich manche mit 10.000 Euro auf der Seite arm, ich weiß es nicht.

Gibt es sonstige Einnahmen?
Gudrun: Wie gesagt, mein Mann arbeitet auch Vollzeit als Betriebselektriker. Er bezahlt die Betriebskosten für das Haus.

Was ist dein größter Luxus?
Gudrun: Definitiv die Maniküre (lacht). Das gönne ich mir einfach. Da muss ich alle drei Wochen hin.

Würdest du von dir selbst behaupten, dass du gut mit Geld umgehen kannst?
Gudrun: Ja. Meine Eltern sind sehr sehr sparsam. Das hat mich sicher geprägt. Ich hatte früher immer das Gefühl, dass ich zu viel Geld ausgebe. Dabei kann ich eh sehr gut mit Geld umgehen.

Kannst du dir die Dinge leisten, die du gerne haben möchtest oder musst du oft auf etwas verzichten?
Gudrun: Ich würde zum Beispiel gerne ein Mal pro Woche zur Massage gehen. Aber das mache ich nicht, weil mir das einfach zu teuer ist.

Gibt es Aufstiegsmöglichkeiten in deinem Job? Welche Position oder welches Gehalt würdest du dir wünschen?
Gudrun: Ja, man könnte Direktorin werden. Aber als Direktorin verdient man ja nicht viel mehr. Dafür hat man viel mehr Verantwortung und hat sehr sehr viel zu tun. Dieser Job ist meiner Ansicht nach sowieso unterbezahlt.

Würdest du lieber mehr verdienen oder eher weniger arbeiten und dafür halt auch weniger bekommen?
Gudrun: Ich arbeite schon sehr viel und bin sehr gut ausgelastet. Man glaubt zwar als Laie, dass LehrerInnen sehr viel frei haben. Aber ich muss sagen, außer in den Sommerferien, habe ich eigentlich immer viel zu tun. Ich überlege schon seit vier Jahren, ob ich lieber weniger arbeiten soll. Aber ich ziehe es trotzdem durch, bis ich ein Kind bekomme. Ich denke, ich wäre mit weniger Gehalt einfach nicht zufrieden.

Und wie wichtig ist dir Arbeit generell? Welchen Stellenwert nimmt sie in deinem Leben ein?
Gudrun: Sie ist mir sehr wichtig. Arbeiten ist einfach ein Fixpunkt im Leben. In der Schule, in der ich jetzt bin, gehe ich jeden Tag mit einem guten Gefühl hin. Ich könnte mir nicht vorstellen, nur ein paar Stunden pro Woche arbeiten zu gehen. Durch meine dreijährige Ausbildung ist mir die Arbeit noch mehr wert. Man möchte sie ja nicht umsonst absolviert haben. Also ich bin keine, die sagen würde: "Ich wär' lieber daheim". Außer in den Ferien (lacht). Ich freue mich im Juni schon immer auf den Sommer und denke mir: "Das Leben fängt wieder an". Im Herbst starte ich dann motiviert und mit Schwung ins neue Schuljahr.

Was kostet deine Welt? Alle Teile der Serie

Hier findest du alle bisher erschienen Teile der Serie.

Kommentare

Autor

Das ist doch wohl eine Verhöhnung, welche Lehrerin steht bereits um 6:30 Uhr in der Schule um die Kinder zu begrüßen? Da ist die Schule doch noch geschlossen.

Und sorry, aber in einer VOLKSSchule korrigiert und nacharbeitet keine Lehrerin 18 Stunden (oder mehr), da fühle ich mich als Leserin ehrlich "gepflanzt"...
Ist wirklich ein Witz.

WOMAN

Liebe Manuela,
es gibt sehr wohl engagierte Lehrerinnen und Lehrer, die eben mehr Zeit als das Minimum investieren. Und als Lehrerin hat sie übrigens auch einen Schlüssel und kann daher um 6:30 schon ins Gebäude, um sich vorzubereiten! Sie begrüßt die Kinder erst später, aber bereitet ihren Tag am Morgen vor.

Chameen7

Liebe Manuela!
Der einzige Witz ist wohl dein Kommentar...
Ich bin ebenso Lehrerin (in Wien) und jeden Tag ab 6:45 in der Schule. Ich brauche das einfach als Vorbereitungszeit für den Unterricht. Viele Schulen bieten zudem Frühdienst an, der meist schon um 7:00 beginnt. Bitte vorher informieren, bevor man solche unnötigen Kommentare abgibt...

ABGBkant

Jaja, die armen Lehrer! Sooo viel Arbeit! Gaanz zeitig müssen sie da sei, weil am Nachmittag geht sich das alles nicht aus! Oft müssen sie sogar in der U-Bahn Hefte korrigieren! Und mit Geld können sie total gut umgehen! Besonders wenn sie von den Eltern unterstützt werden und von den Großeltern erben. Ich kenne nur zu spät kommende Lehrer.

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