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Was wird aus der beliebten Serie "Two and a half men" nach dem Rauswurf von Charlie?

Nach einer Serie verbaler Ausfälle und wilder Eskapaden ist es für US-Schauspieler Charlie Sheen endgültig aus mit seiner höchst lukrativen Fernsehrolle: Das Filmstudio Warner Brothers erklärte am Montag (Ortszeit), der Vertrag mit Sheen für die erfolgreiche Serie "Two and a Half Men", die im ORF unter dem Titel "Mein cooler Onkel Charlie" zu sehen ist, sei "mit sofortiger Wirkung" gekündigt worden. Zur Begründung wurde das "selbstzerstörerische, gefährliche Verhalten" des 45-jährigen Stars angeführt.


Was wird aus der beliebten Serie "Two and a half men" nach dem Rauswurf von Charlie?

In einem zehnseitigen Schreiben an Sheens Anwalt, welches das Online-Klatschportal TMZ in voller Länge veröffentlichte, hieß es, die Entscheidung sei nach "gründlicher Abwägung" getroffen worden. "Lasst uns das Offensichtliche klar sagen: (...Sheen) scheint sehr krank zu sein", schrieb Warner Brothers. Das Studio verwies auch auf eine Klausel in Sheens Vertrag, wonach es möglich sei, jeden zu feuern, der sich "schwerer, moralisch verwerflicher Vergehen" schuldig gemacht habe - dabei verwies Warner auf die Drogenexzesse, mit denen Sheen immer wieder Schlagzeilen gemacht hatte.

Sheen hatte zuvor bereits damit gedroht, seine Gage von zwei Millionen Dollar (1,4 Millionen Euro) pro Folge einklagen zu wollen. Nach der endgültigen Kündigung ließ er nicht lange mit einer Reaktion warten. "Das ist eine sehr gute Nachricht", erklärte Sheen. Nun könne er einfach die Millionen einstreichen, ohne seinen Produzenten sehen und "dämliche Hemden" tragen zu müssen, schrieb er in Anspielung auf sein Outfit in "Two and a Half Men". In der Serie verkörpert Sheen den hedonistischen Single Charlie Harper - die Ähnlichkeit mit dem Darsteller dürfte mit zum Erfolg der 2003 gestarteten Serie beigetragen haben, die viele Male für den Emmy und den Golden Globe nominiert wurde und mehrere Preise einheimste.

Bereits vor zehn Tagen hatten die Produzenten die Dreharbeiten zur aktuellen Staffel ausgesetzt, nachdem der Hauptdarsteller seinen Produzenten Chuck Lorre beschimpft hatte. Lorre sei eine "verseuchte kleine Made", der er "nichts als Schmerz" wünsche, schrieb Sheen. Seine Behauptung, Lorre verberge seine hebräische Herkunft und heiße in Wahrheit Chaim Levine, brachte ihm Anti-Semitismus-Vorwürfe ein. Zunächst war vermutet worden, Sheen wolle durch seine Verbalattacken um ein höheres Gehalt für die Rolle in "Two and a Half Men" pokern, die ihn ohnehin schon zum bestbezahlten TV-Schauspieler der USA hatte werden lassen.

Daraus wird nun nichts mehr werden. Branchenexperten weisen aber darauf hin, Sheen könnte eine Karriere eigenen Typs verfolgen - die des coolen Wüstlings. "Charlie Sheen ist talentiert, lustig, provokativ", sagt der PR-Experte Jerome Cleary aus Hollywood. "Die Tür steht für ihn weit offen." Die Kündigung und die Skandale seien für Sheen überhaupt kein Problem, "weil das Publikum die Geschichte einfach liebt". Sheen hat eine riesige Fangemeinde. Mehr als zwei Millionen Menschen verfolgen inzwischen seine Wortmeldungen über den Kurznachrichtendienst Twitter. Daneben meldet sich Sheen regelmäßig auf der Website Ustream.com mit einer Online-Talkshow namens "Sheen's Korner", die er direkt von zu Hause in Los Angeles sendet. "Wenn ich Charlie Sheen wäre, würde ich sofort einen Vertrag über eine Reality-Show im Fernsehen abschließen und noch diese Woche mit den Dreharbeiten beginnen", sagt Cleary.

Das Spektakel wird also erstmal weitergehen, vielleicht sogar vor Gericht. Sheen will den Sender CBS verklagen, obwohl er selbst der Grund für den Abbruch der Show war. Er verlangt 300 Mio. Dollar (214 Mio.Euro). "Schließlich habe ich eine ganze Familie zu ernähren", sagt er. Und die ist groß: Schon im Alter von 19 Jahren bekam er eine Tochter. Die Töchter aus der Ehe mit der US-Schauspielerin Denise Richards kamen 2004 und 2005 zur Welt. Mit der Immobilienmaklerin Brooke Mueller bekam er 2009 Zwillinge. Um das Sorgerecht muss sich Sheen mit Mueller nun streiten. Sie hatte es ihm entziehen lassen, nachdem er sich einem Fernsehteam in seiner Villa mit zwei Frauen präsentierte, die mit ihm zusammenleben.

Über die Zukunft der Show, die als eine der erfolgreichsten des vergangenen Jahrzehnts gilt, solle später entschieden werden. In den zuletzt in den USA ausgestrahlten Folgen wirkte Sheen gezeichnet von Drogen und Alkohol. Seine Gesichtshaut war trotz Studioschminke fahl und knittrig, die Züge deutlich eingefallen. Insgesamt schien der 45-jährige Charlie Sheen deutlich gealtert. Amerikanische Medien spekulieren bereits über mögliche Nachfolger, die meisten rechnen jedoch mit einem Ende der Serie. Sollte sie nicht eingestellt, sondern in anderer Besetzung weitergeführt werden, so könnte Sheen trotzdem noch Geld zustehen. Wie TMZ berichtet, habe er in seinem Vertrag mit Warner Bros. eine "Michael J. Fox-Klausel", die auch nach seinem Ausscheiden dafür sorge, dass er weiter bezahlt würde, sollte die Serie fortgesetzt werden. Diese Klausel geht zurück auf Fox' Engagement bei der Serie "Chaos City", die sich um das Büro des Bürgermeisters von New York City dreht. Nach seinem Ausscheiden hatte Fox auch weiterhin ein Salär erhalten. Sein Nachfolger damals: Charlie Sheen.

(apa/red)