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Reden wir über Gefühle

Sie kommen schnell, verändern sich oft, und manchmal verwirren sie uns einfach nur: unsere Emotionen! Drei Expertinnen geben Einblick in die wunderbare, aber rätselhafte Welt der Gefühle.

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Reden wir über Gefühle
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Was sind Gefühle?

Richtig agieren. Neurologische Prozesse im Gehirn. Wir unterscheiden sieben Basisemotionen: Angst, Überraschung, Ärger, Ekel, Verachtung, Trauer und Freude. Jede davon hat eine soziologische Aufgabe, Ekel etwa ist ein Schutzmechanismus gegen Vergiftungen. Gefühle sind aber auch mächtige Bewertungssysteme, die uns Situationen automatisch einschätzen lassen, sodass wir schnell und richtig reagieren können.
(Nicole Katzenschlager: Die psychologische Beraterin und Wingwave-Trainerin hat sich auf Emotionspsychologie spezialisiert und betreibt seit zwölf Jahren eine freie Praxis in Wien. emotions-coaching.at)

Kann man falsch mit ihnen umgehen?

Locker werden. Es ist nicht ratsam, sich über jede Kleinigkeit zu ärgern und diese schlechte Stimmung immer wieder aufzuwärmen, indem man dauernd darüber spricht oder daran denkt. Dadurch trainiert man nämlich das Ärgern, und es wird zu einer unliebsamen Gewohnheit.
(Heide-Marie Smolka & Katharina Turecek: Smolka ist Psychologin & Gefühlsexpertin, Turecek ist Kognitionswissenschafterin. Zusammen haben die
beiden Frauen ein Buch geschrieben: "Zum Glück mit Hirn". smolka-turecek.at)

Emotionale Intelligenz: Kann man das lernen?

Macht beliebt. Dabei geht es um die Fähigkeit, eigene und fremde Gefühle korrekt wahrzunehmen, zu verstehen und zu beeinflussen. Dafür ist es hilfreich, in die eigene Persönlichkeitsentwicklung, Selbsterfahrung und Biografie-Stress-Aufarbeitung zu investieren. So wissen wir mehr über eingeprägte Muster und Glaubenssätze, können diese ausschalten und besser bei uns bleiben. Menschen mit einem hohen EQ sind nicht nur erfolgreicher, sondern auch beliebter, da sie empathischer und charismatischer wahrgenommen werden.
(Katzenschlager)

Kann ich meine Empfindungen steuern?

Innere Haltung. Das geht auf drei Arten: Die Körpersprache ist hier ein sehr mächtiges Instrument. Aber auch das Verhalten - ich kann stundenlang über etwas grübeln oder loslassen und einen Spaziergang machen. Und drittens über das Denken: Das Glas ist halb leer oder voll.
(Smolka & Turecek)

Wann soll ich auf mein Bauchgefühl hören?

Nicht ignorieren. Der Bauch wird nicht zu Unrecht oft als unser zweites Gehirn bezeichnet. Das ist auf die Evolution zurückzuführen. Oft können wir Bauchgefühle nicht wirklich logisch nachvollziehen. Sie tauchen auf, können auch trügerisch sein. Wir sollten sie aber niemals ignorieren.
(Sonia Laszlo: Die Autorin ("Fuck Happiness") und Kommunikationswissenschafterin ist u. a. am Institut für europäische Glücksforschung tätig und arbeitet als Gastvortragende an Unis. sonialaszlo.com)

Warum schlagen sich Impulse in bestimmten Körpergegenden nieder?

Spürbar. Schmetterlinge im Bauch, am Tag vor der Hochzeit kalte Füße bekommen oder an gebrochenem Herzen leiden: Nicht umsonst verknüpfen viele Redewendungen Gefühle mit Körperzonen. Finnische Forscher konnten 2013 einen sensomotorischen Zusammenhang finden. Sie nennen das Embodiment. Viele Grundgefühle sorgen für gesteigerte Empfindungen im Brustbereich: Wut etwa verursacht Beklemmungen.
(Katzenschlager)

Sprechen Frauen wirklich lieber über ihre Gefühle als Männer?

Soziale Themen. Frauen beschäftigten sich im Durchschnitt mehr mit ihren Emotionen als Männer, weil sie evolutionstheoretisch für soziale Themen zuständig waren. Da spielen die Gefühle eine große Rolle.
(Smolka & Turecek)

Warum haben wir manchmal Angst vor unseren Empfindungen?

Chaos im Kopf. Es ist der Kontrollverlust, der Angst macht. Unsere Wahrnehmungen unterstehen nicht immer unserem Willen, sehr oft können wir unsere Gefühle nicht steuern. Das verunsichert viele.
(Laszlo)

Was passiert, wenn ich ständig alles unterdrücke?

Wut darf sein. Das führt zu innerem Stress, der psychosomatische Krankheiten hervorrufen kann. Wenn unser Gefühlszustand gesund ist, gibt es keinen Anlass dafür, unsere Gefühle zu unterdrücken. Grundsätzlich sollten wir sie zulassen, denn sie sind ja nichts Negatives. Ich darf ruhig mal wütend sein, das ist gesund!
(Katzenschlager)

Kann Essen glücklich machen?

Soulfood. Viele sagen, die Ernährung ist die Medizin für unseren Körper. Du bist, was du isst. Je nach persönlicher Konditionierung der Speise kann es zu positiven und negativen Empfindungen kommen. Manche lieben Pizza, weil es sie an ihren letzten Italienurlaub erinnert. Ayurvedische Speisen können ausgleichend wirken und die innere Balance fördern.
(Katzenschlager)

Thema: Psychologie

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