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Wie reagiere ich, wenn mein Kind mich anlügt?

Kleine Kinder schwindeln manchmal. Aber wie reagiert man als Elternteil, wenn man angelogen wurde oder der Zwerg eine Geschichte erzählt? 5 Tipps:

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Wie reagiere ich, wenn mein Kind mich anlügt?
© Photo by Ilya Yakover on Unsplash

Kleine Kinder erzählen manchmal Geschichten, sie schwindeln. Sie bestreiten, dass sie ihre kleinere Schwester geschubst haben, obwohl du einen Meter daneben gestanden bist und Augenzeugin warst. Sie bestehen darauf, dass sie keine Schokolade gegessen haben, obwohl die braunen Schlieren um Mund und auf den Händchen Bände sprechen. Sie behaupten, die Lese-Hausübung gemacht zu haben. Sie müssen sicher sicher nicht aufs Klo, während sich ihre lavendelfarbenen Leggins langsam in tiefes Purpur färben...

Kleine Schwindeleien sind teilweise liebenswert, manche treiben Eltern aber auch in den Wahnsinn. Vor allem meldet sich das pädagogische Gewissen: Wenn ich die vergleichsweise harmlosen Geschichten so einfach durchgehen lasse – erwarten mich dann bald mal wirklich große Lügen? Wie bringe ich meinem Kind bei, dass die Wahrheit der Lüge vorzuziehen ist?

Wie reagieren, wenn das Kind lügt oder Geschichten erzählt?

1. Stolz sein

Äh, wie bitte? Deine Frage ist berechtigt. Natürlich will man nicht, wenn das Kind lügt, schon gar nicht kann man stolz darauf sein. Kann man doch. Es hilft zunächst mal zu wissen, dass alle Kinder lügen – und zwar bereits ab dem Alter von etwa zwei Jahren. Der durchschnittliche 6-Jährige schwindelt laut Studien sogar einmal pro Stunde. Doch die Dehnung der Wahrheit ist nichts rein Negatives, sondern auch ein Zeichen von Kreativität und Intelligenz. Wenn du also dein Kind bittest, aufzuräumen und es behauptet, es hätte das Durcheinander gar nicht gemacht, dann geh nicht die Hände hoch sondern denke an diesen Artikel der renommierten "New York Times": "Warum fangen manche Kinder früher an zu lügen als andere? Was unterscheidet sie von ihren ehrlicheren Kollegen? Die kurze Antwort: Sie sind schlauer. Junge Schwindler sind sozial versierter und passen sich besser in Gruppen an, das zeigen jüngste Untersuchungen."

2. Versuch', die Motivation hinter der Lüge zu erkennen

Kleinen Kindern fällt es oft noch schwer, zwischen Realität und Fantasie eine klare Linie zu ziehen. "Magisches Denken" ist absolut altersentsprechend. Manche Kinder schwindeln alleine deshalb, weil sie sich damit auf die Bewältigung einer für sie herausfordernden Aufgabe vorbereiten. Wenn dein Kind also behauptet, es war schon einmal ganz oben auf dem Klettergerüst, obwohl du genau weißt, dass es sich im Moment maximal bis zur zweiten Sprosse wagt, dann widersteh' dem Drang, es zu korrigieren. Sehr wahrscheinlich will es damit künftige Erfolge visualisieren und sogar "herbeireden" – eine positive Selbst-Programmierung, die wir als Erwachsene erst wieder mühsam erlernen müssen.

3. Bestärke es positiv

In bestimmten Situationen ist es wichtig, die Wahrheit zu erkennen. Hat dein Kind wirklich ein Lego-Stück geschluckt – oder tut es nur so? Anstatt Kinder für die Lüge zu bestrafen, sag ihnen besser: "Ich werde nicht böse sein, wenn du mich vorhin angeschwindelt hast. Ich will nur die Wahrheit verstehen. Ich bin extrem stolz auf dich, wenn du mir erzählst, was wirklich passiert ist. "

4. Verstärke die Empathie

Wenn du merkst, dass dein Kind lügt, weil es unsere Reaktion fürchtet, dann solltest du genau diese Befürchtung abwenden. Eine nicht verurteilende Reaktion etwa wäre: "Ich höre, dass du sagst, du hättest deinen Bruder nicht geschlagen. Es scheint, dass er getroffen wurde. Bitte lass' mich immer vorher wissen, wenn du so wütend auf ihn bist, dass du ihn am liebsten schlagen würdest. Dann kann ich da sein und dir helfen, nicht zu hauen."

5. Bleib' ruhig

Manchmal flunkern kleine Kinder auch, um uns zu testen, zu sehen, wie weit sie gehen können und wo unsere Grenzen liegen. Schnappe den Köder nicht! Reagiere stattdessen mit Ruhe und Humor, der den Kleinen klarmacht, dass ihre Schwindelei ertappt wurde."Hmmmm, du hast also den Hund nicht raus gelassen. Trotzdem ist er im Garten ... Das ist ja wirklich seeeeeeeeeeeehr mysteriös." Anstatt im anklagenden Tonfall zu sagen: "Hast du deine Zähne geputzt?" (du kennst ja die Wahrheit!), kannst du es so versuchen: "Du warst so kurz im Bad, ich glaube nicht, dass du gründlich geputzt hast. Lass uns nochmal gehen und es gründlicher machen." Merke: Wenn du dich anhörst, als würdest du gerade ein Verhör mit drohenden Konsequenzen führen, dann verängstigt das die Kinder und es fällt ihnen das nächste Mal schwerer, bei der Wahrheit zu bleiben....

Themen: Kinder, Erziehung

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