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Was ein Verbot von Abtreibungen wirklich bewirkt

Ein Rückschritt für Frauenrechte in Polen: Ein Abtreibung soll nicht einmal mehr möglich sein, wenn der Fötus schwere Fehlbildungen aufzeigt und nicht überlebensfähig ist. Dabei beweisen Studien, dass Verbotsgesetze nur etwas ganz anderes nach sich ziehen...

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Was ein Verbot von Abtreibungen wirklich bewirkt

Tausende Menschen protestierten in Polen gegen die neue Abtreibungsregelung.

© 2020 Getty Images

Inmitten von Europa kommt es zu massiven Einschränkungen bei mühsam erkämpften Rechten für Frauen: In Polen hat das Verfassungsgericht nun entschieden, dass eine Abtreibung aufgrund schwerer Fehlbildungen des Fötus verfassungswidrig sei.

Zwar hat Polen ohnehin schon eines der strengsten Abtreibungsgesetze Europas, dieses soll nun aber erneut verschärft werden. So durfte bisher legal in den ersten drei Monate eine Schwangerschaft abgebrochen werden, wenn diese durch eine Vergewaltigung ausgelöst wurde, die Geburt die Gesundheit der Mutter gefährdet oder das Baby keine Überlebenschance hätte. Die letzte Ausnahme würde damit wegfallen - und damit der Grund für 97 Prozent aller in Polen durchgeführten Abtreibungen.

„Es ist grausam und verstößt gegen Menschenrechte, wenn Frauen gezwungen werden, eine Schwangerschaft zu Ende zu führen, obwohl der Fötus schwer geschädigt ist.“ äußerte sich Krystyna Kacpura von der Organisation für Frauenrechte und Familienplanung dazu und bezeichnete das Vorgehen als „institutionalisierte Gewalt des Staates gegen Frauen“.

Tausende gingen daher auf die Straße, streikten landesweit in Polen und protestieren in sozialen Netzwerken für die Selbstbestimmung der Frau.

Das ist jedoch nicht das erste Mal, dass die nationalkonservative Partei "Recht und Gerechtigkeit" ein komplettes Abtreibungsverbot vorantreibt. Auf parlamentarischem Weg ist dies in den letzten Jahren nicht gelungen, also sollte nun die Verschärfung über das Verfassungsgericht durchgesetzt werden - welches in den letzten Jahren konservativ politisch besetzt wurde. Eine Taktik, die aktuell ebenso in den USA eingesetzt wird, wo Präsident Donald Trump im Eilverfahren eine neue Höchstrichterin eine Woche vor der Wahl durchpeitschte.

Laut dem polnischen Höchstgericht verstoße die bisherige Abtreibungsregelung gegen das in der Verfassung garantierte Recht auf Leben. Abtreibungen sollen nur mehr nach Vergewaltigungen und bei Gefahr für Leib und Leben der Mutter legal möglich sein.

Verbote verhindern keine Abtreibungen

Dabei ist es mehr als fraglich, ob verschärfte Gesetze überhaupt die erwünschte Wirkung hätten: Denn Verbote verhindern keine Abtreibungen. Sie sorgen einzig dafür, dass Frauen diese unter fragwürdigen sowie unhygienischen Maßnahmen im Geheimen durchführen und somit ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen. Das beweist eine Analyse der Daten von Abtreibungen weltweit in den Jahren 1990 bis 2014 durch das Guttmacher-Institut.

Illegale Abtreibungen mit gefährlichen Methoden werden damit steigen

Diese zeigt auf, dass in Ländern, wo eine Abtreibung komplett verboten ist, durchschnittlich 37 von 1000 Frauen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren abgetrieben haben. In Ländern, wo eine Abtreibung jedoch erlaubt ist, ist diese Zahl sogar geringer: Nämlich durchschnittlich nur 34 Frauen von 1000 haben hier eine Schwangerschaft abgebrochen.

Jährlich sterben 68.000 Frauen

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jährlich über 68.000 Frauen weltweit, weil ihre Abtreibungen von Personen durchgeführt wurden, die keinerlei medizinische Ausbildung oder Ausstattung haben, und Millionen Frauen leiden danach an Komplikationen oder sogar lebenslangen gesundheitlichen Problemen.

Restrictive laws do not stop women from having abortions