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Was ein Verbot von Abtreibungen wirklich bewirkt

Ein Rückschritt für Frauenrechte in Polen: Ein totales Verbot von Abtreibungen soll im Parlament beschlossen werden. Dabei zeigen Studien, dass Verbotsgesetze leider nur etwas ganz anderes nach sich ziehen...

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Czarny-Proteste in Polen gegen totales Abtreibungs-Verbot

Tausende Menschen protestierten in Polen gegen das neue Abtreibungsgesetz.

© Reuters

Inmitten von Europa kommt es zu massiven Einschränkungen in mühsam erkämpften Rechten für Frauen: Polen plant ein komplettes Verbot der Abtreibung - sogar wenn die Schwangerschaft aufgrund einer Vergewaltigung entstanden ist.

Zwar hat Polen ohnehin schon eines der strengsten Abtreibungsgesetze Europas, dieses soll nun aber komplett verschärft werden. So durfte bisher legal in den ersten drei Monate eine Schwangerschaft abgebrochen werden, wenn diese durch eine Vergewaltigung ausgelöst wurde, das Baby keine Überlebenschance hätte oder die Geburt die Gesundheit der Mutter gefährdet. Mit dem neuen Gesetzesentwurf soll nur mehr die letzte Option straffrei sein - mit Gefängnisstrafen von bis zu fünf Jahren für die Frau als auch durchführende Ärztin oder Arzt.

Und als weiteres Gesetzesprojekt will die seit Oktober letzten Jahres regierende, nationalpopulistische Partei Recht und Gerechtigkeit (PiS) die "Pille danach" verbieten.

Tausende gingen daher europaweit in schwarzer Trauerkleidung auf die Straße, streikten landesweit in Polen und protestieren unter dem Hashtag #CzarnyProtest (czarny ist polnisch für Schwarz) ebenso in sozialen Netzwerken für die Selbstbestimmung der Frau.

Verbote verhindern keine Abtreibungen

Dabei ist es sogar mehr als fraglich, ob das Gesetz überhaupt die erwünschte Wirkung hätte: Denn Verbote verhindern keine Abtreibungen. Sie sorgen einzig dafür, dass Frauen diese unter oft fragwürdigen sowie unhygienischen Maßnahmen im Geheimen durchführen und somit ihr eigenes Leben aufs Spiel setzen. Das beweist eine Analyse der Daten von Abtreibungen weltweit in den Jahren 1990 bis 2014 durch das Guttmacher-Institut.

Diese zeigt auf, dass in Ländern, wo eine Abtreibung komplett verboten ist, durchschnittlich 37 von 1000 Frauen im Alter zwischen 15 und 44 Jahren abgetrieben haben. In Ländern, wo eine Abtreibung jedoch erlaubt ist, ist diese Zahl sogar geringer: Nämlich durchschnittlich nur 34 Frauen von 1000 haben hier eine Schwangerschaft abgebrochen.

Jährlich sterben 68.000 Frauen

Laut der Weltgesundheitsorganisation WHO sterben jährlich über 68.000 Frauen weltweit, weil ihre Abtreibungen von Personen durchgeführt wurden, die keinerlei medizinische Ausbildung oder Ausstattung haben, und Millionen Frauen leiden danach an Komplikationen oder sogar lebenslangen gesundheitlichen Problemen.

Restrictive laws do not stop women from having abortions


Bezeichnend ist dabei auch, von wem und wie ein Verbot, das einzig Frauen betrifft, in der polnischen Öffentlichkeit diskutiert wird:

Nachtrag: Aktuell distanzierte sich die polnische Ministerpräsidentin Beata Szydło vom umstrittenen Gesetzesentwurf und betonte an, dass nicht an einer Änderung der derzeitigen Gesetzeslage für Schwangerschaftsabbrüche gearbeitet wird. Es handle sich um einen Gesetzesentwurf einer Bürgerinitiative. Vor einigen Monaten jedoch gab sie noch an, die Initiative zu unterstützen.
Mittlerweile wurde der neue Gesetzesentwurf vom polnischen Parlament abgelehnt.

Czarny-Proteste in Polen gegen totales Abtreibungs-Verbot
Tausende Menschen protestierten in Polen gegen das totale Abtreibungsverbot.