Ressort
Du befindest dich hier:

Was kostet deine Welt? Eine Optikerin über ihren Kontostand

Arbeiten, zahlen, leben: Wie viel verdient eine Optikerin? Und wie viel bleibt am Ende des Monats übrig? Wir haben im Rahmen unserer Serie nachgefragt.

von

Was kostet deine Welt? Eine Optikerin über ihren Kontostand

Und was verdienst du so?

© privat

"Über Geld spricht man nicht" - das gilt besonders in Österreich. Das eigene Gehalt halten die meisten von uns geheim. Dabei sind wir tagtäglich mit unseren Finanzen konfrontiert. Wo ist der 100er im Geldbörsl schon wieder geblieben? Wie soll ich die Reparatur des Autos bloß bezahlen? Wie schaffen es andere Leute, etwas auf die Seite zu legen? Und wie viel verdienen eigentlich die KollegInnen, die mit mir im Büro sitzen? Nicht zuletzt diese unnötige Verschwiegenheit ins Sachen Einkommen trägt dazu bei, dass Frauen immer noch nicht gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wir sagen: Schluss damit, über Geld spricht man! Deshalb fragen wir im Rahmen dieser Serie Frauen mit den unterschiedlichsten Berufen: Was kostet deine Welt? Wie viel verdienst du? Was bleibt am Monatsende übrig? Im 24. Teil der Serie haben wir eine Optikerin zum Interview gebeten.

Marlene Pertl ist 34 und lebt mit ihrem Mann und ihrer vierjährigen Tochter in einer Mietwohnung in Salzburg. Sie hat zwei Lehrberufe abgeschlossen. Mit 18 war sie ausgebildete Einzelhandelskauffrau im Textilbereich, mit 25 startete sie ihre zweite Lehre als Augenoptikerin, die sie dann 2012 beendete.

Warum hast du dich dazu entschieden, noch eine zweite Lehre zu machen?
Marlene: Bei einem Optiker arbeite ich schon seit ich ungefähr 20 war. Die Lehre wollte ich noch nachholen um mein Gehalt zu verbessern und meine Aufstiegschancen zu erhöhen. Als angelernte Fachkraft hatte ich alles erreicht, was es zu erreichen gab damals. Ich durfte quasi alles machen was meine OptikerkollegInnen durften. Nur blieb mir der Weg nach oben versperrt ohne die richtige Ausbildung. Zudem hat mich der Beruf interessiert. Also arbeite ich jetzt mittlerweile seit 14 Jahren in der Branche. 7 Jahre davon als Augenoptikerin. Als meine Tochter 2,5 Jahre alt wurde, fing ich wieder an 20 Stunden zu arbeiten. Das tue ich immer noch. Diese 20 Stunden arbeite ich in zwei Tagen ab, weil ich in einem Einkaufszentrum arbeite und die Öffnungszeiten so lange sind, dass sich das ausgeht. Darüber bin ich wirklich froh.

Wie viel verdienst du monatlich?
Marlene: Für die 20 Stunden verdiene ich um die 1.200 Euro brutto. Um die 1090 Euro kommen dabei netto dann raus. Ich zahle gerade so noch keine Lohnsteuer.

Wie kann man sich den Aufgabenbereich als Optikerin vorstellen?
Marlene: Mein Aufgabengebiet in meiner Arbeit umfasst eigentlich sehr viel.
Ich berate Kunden modisch, finde für sie das beste Glas, mache Sehstärkenüberprüfungen, passe Kontaktlinsen an, mache Kontaktlinsenkontrollen, gebe Kontaktlinseneinschulungen, muss mich mit den gängigen Augenkrankheiten auskennen und deren Tücken kennen, höre zu, berate, bin oft Kummerkasten bei Leuten die wirklich schlecht sehen, helfe weinenden Kindern und ihren verzweifelten Eltern die richtige erste Brille zu finden, rechne Verordnungen bei den verschiedenen Krankenkassen ab, bestelle Gläser, Fassungen, Kontaktlinsen, Pflegemittel, und so weiter. Ich bearbeite Reklamationen, verhelfe den Menschen zu einer besseren Sicht, überzeuge so manche/n wieder einmal zum Augenarzt zu gehen, weil es wirklich an der Zeit ist. Ich rechne die Kassa ab, mache Inventur, tausche die Deko aus, schreibe Emails, ärgere mich über den Vertrieb, telefoniere mit Kunden, beruhige aufgebrachte Kunden und nebenbei schaue ich auch noch, dass die Verkaufszahlen stimmen.

Wie hoch sind deine Fixausgaben?
Marlene: Die Fixkosten von meinem Mann und mir belaufen sich auf zirka 3200 Euro - 1000 Euro für die Miete, ein Kredit von 250 Euro der abbezahlt werden muss, 150 Euro für die Kinderbetreuung und noch einmal 100 Euro für den Strom. Weiters fallen an:

  • Handys: 50,-
  • Auto inklusive Tanken: 300,-
  • Kind: 100,-
  • Fernsehen und Internet: 50,-
  • Versicherungen: 300,-
  • Lebensmittel: 400,-
  • Kleidung: 50,-
  • Fitnessstudio: 50,-
  • Therapien: derzeit 210,-
  • Freizeit: 150 bis 200,-

Wie teilen du und dein Mann diese Ausgaben auf?
Marlene: Miteinander haben wir so um die 3500 bis 3600 Euro netto plus die 180 Euro Familienbheihilfe. Das Gehalt, das wir jeweils verdienen, gehört uns beiden. Da wird nichts getrennt oder aufgeteilt. Größere Ausgaben besprechen wir aber.

Hast du eine private Pensionsvorsorge?
Marlene: Ich habe keine, nein. Mein Mann allerdings schon. In die zahlt er schon ein, seitdem wir uns kennen.

Sparst du Geld? Und wie legst du es an?
Marlene: Wir zahlen in einen Bausparer ein. Ansonsten haben wir ein Sparkonto auf das wir etwas vom Urlaubs und Weihnachtsgeld abzweigen, wenn es sich ausgeht. Das ist allerdings im Moment leer...

Wie viel bleibt am Monatsende übrig?
Marlene: Meistens nichts. Ich habe jetzt über einen längeren Zeitraum eine Physiotherapie gebraucht, die allerdings privat zu zahlen war. Das ist eigentlich nicht wirklich drinnen, musste aber eben sein. Wenn dann mal was übrig bleibt, wird es auf das Sparkonto gelegt für Notfälle, wie zum Beispiel eine kaputte Waschmaschine.

Bist du zufrieden mit deinem Gehalt?
Marlene: Definitv nicht. Ich finde uns steht wirklich mehr zu. Besonders bei den Umsätzen, die wir generieren. Außerdem weiß ich, dass man bei anderen Arbeitgebern in der gleichen Branche mehr verdient.

Weißt du, was deine KollegInnen verdienen?
Marlene: Teilweise weiß ich das, ja. Ob Männer bei uns anders verdienen als Frauen, weiß ich allerdings nicht.
Mir ist es aber auch ziemlich egal, was andere verdienen.

Wofür gibst du gern Geld aus?
Marlene: Für meine Tochter, für gutes Essen und für Zeit mit Menschen, die mir wichtig sind. Ich gebe generell gerne Geld aus. Gerne auch für Andere. Ich bin eher das Gegenteil von geizig. Aber mittlerweile nicht über das Kontolimit hinaus. Das musste ich allerdings erst lernen.

Ein Osternesterl gibt es von den Großeltern auch noch mit 34

Wofür würdest du gern mehr Geld haben?
Marlene: Ich würde mir wirklich gerne etwas Eigenes kaufen. Die Mieten in Salzburg sind der Wahnsinn und unsere Wohnung ist in der Lage und gemessen an ihrer Größe sogar noch günstig. Ich finde es aber trotzdem pure Verschwendung 1000 Euro einfach so hinzublättern und auf Dauer nichts davon zu haben.

Hast du noch sonstige Einnahmen?
Marlene: Zusätzlich habe ich mich jetzt noch selbstständig gemacht vor einem dreiviertel Jahr mit einem Kleingewerbe. Ich nähe Baby- und Kinderbekleidung und habe dafür auch noch eine Ausbildung gemacht. Da habe ich aber noch nicht wirklich einen Gewinn, sondern decke eher meine Ausgaben.

Sprecht ihr in deinem Freundeskreis über Geld?
Marlene: Mit meinen guten Freunden auf alle Fälle. Ich mag es nicht, wenn da so hinter vorgehaltener Hand darüber geredet wird.

Was ist dein größter Luxus?
Marlene: Hm. Wahrscheinlich die Tätowierungen. Weil sie wirklich nicht sein müssten. Aber dafür gehe ich kaum zum Friseur, nie zum Nägel machen und besitze auch keine 50 Paar Schuhe.

Würdest du von dir selbst behaupten, dass du gut mit Geld umgehen kannst?
Marlene: Nein, das kann ich definitiv nicht. Ich hätte in meinem Leben schon Einiges sparen können, bin aber auf Null.

Kannst du dir die Dinge leisten, die du gerne haben möchtest oder musst oft auf etwas verzichten?
Marlene:
Das Problem liegt wohl genau da. Ich leiste mir ALLES, was ich haben möchte. Natürlich haben wir jetzt keine zwei Autos und ich kaufe mir auch nicht das mega Küchengerät, das ich mir schon lange wünsche, weil es einfach unsere Möglichkeiten sprengt. Aber wenn ich beispielsweise essen gehen möchte mit meinen Freundinnen, oder in ein Musical gehen will (natürlich in einer guten Kategorie), dann mache ich das auch.

Würdest du lieber mehr verdienen oder eher weniger arbeiten und dafür halt auch weniger haben?
Marlene:
Ich arbeite 20 Stunden. Das reicht mir völlig. Ich bin absolut zufrieden mit der Wochenarbeitszeit. Ich nähe ja auch noch nebenbei.

Wie wichtig ist dir Arbeit generell? Welchen Stellenwert nimmt sie in deinem Leben ein?
Marlene: Die Arbeit ist bei mir Broterwerb - bestimmt nicht der Schlechteste und ich mache meine Arbeit so gut wie es mir möglich ist; aber für mein Selbstbewusstsein oder meinen Stellenwert oder für meinen Platz in der Gesellschaft brauche ich ihn nicht.

Du sprichst auch gerne über Geld? Melde dich einfach per Mail bei uns unter online@woman.at