Ressort
Du befindest dich hier:

Was kostet deine Welt? Eine Modedesignerin über ihren Kontostand

Eine Welt zwischen Nähmaschine, Fashionshows und Social Media: Was verdient man als junge Modedesignerin neben Mode-Giganten wie H&M, Zara & Co? Wir haben bei Andrea Kerber von VIS A VIS nachgefragt.

von

Was kostet deine Welt? Eine Modedesignerin über ihren Kontostand
© Bianca Fellinger

"Über Geld spricht man nicht" - das gilt besonders in Österreich. Das eigene Gehalt halten die meisten von uns geheim. Dabei sind wir tagtäglich mit unseren Finanzen konfrontiert. Wo ist der 100er im Geldbörsl schon wieder geblieben? Wie soll ich die Reparatur des Autos bloß bezahlen? Wie schaffen es andere Leute, etwas auf die Seite zu legen? Und wie viel verdienen eigentlich die KollegInnen, die mit mir im Büro sitzen? Nicht zuletzt diese unnötige Verschwiegenheit ins Sachen Einkommen trägt dazu bei, dass Frauen immer noch nicht gleich viel verdienen wie ihre männlichen Kollegen. Wir sagen: Schluss damit, über Geld spricht man! Deshalb fragen wir im Rahmen dieser Serie Frauen mit den unterschiedlichsten Berufen: Was kostet deine Welt? Wie viel verdienst du? Was bleibt am Monatsende übrig? Im 21. Teil unserer Serie haben wir mit einer Modedesignerin über Einkommen und Auskommen gesprochen.

Ist das Leben als Modedesignerin tatsächlich so schillernd, wie es uns in Filmen oder den sozialen Netzwerken vermittelt wird? Verdient man damit Unmengen an Geld und lebt The Sunny Side of Life? Die Realität sieht ein bisserl anders aus: Sich als kleines Label gegen die großen Modeketten dieser Welt durchzusetzen, bedarf harter Arbeit. Arbeit, die Können, Selbstvertrauen, Durchhaltevermögen und eine ordentliche Portion Leidenschaft voraussetzt.

Im April 2016 gründete Andrea Kerber (25) ihr eigenes Modelabel VIS A VIS. Seitdem verzaubert sie die Wiener Modewelt mit ihren urbanen und gleichzeitig femininen Kreationen. Sie nützt die Vielfältigkeit Wiens als Inspirationsquelle für ihr kreatives Schaffen. Ein paar Fakten zu Andreas beruflichem Background: Sie hat die Höhere Technische Lehranstalt für Mode und Bekleidungstechnik an der Modeferrari Innsbruck besucht und dort die 5-jährige Ausbildung für Design und Schneiderei absolviert. Danach zog sie nach Wien, wo sie an der Herbststraße die Meisterklasse besuchte und auch abschloss. Jetzt, als selbstständige Modedesignerin mit eigenem Shop in der Kirchengasse im 7.Bezirk, arbeitet sie täglich im Schnitt zwischen 8 und 12 Stunden - je nach Auftragslage.

Designerin Andrea Kerber während sie näht
©Bianca Fellinger

WOMAN: Wie viel verdienst du monatlich?
Andrea:
Nachdem meine Einkünfte monatlich je nach Auftragslage variieren, habe ich kein wirklich stabiles Einkommen. Mein durchschnittlicher Umsatz liegt zwischen 4.000 und 6.000 Euro Brutto. Die Monate Jänner und August sind erfahrungsgemäß sehr schwache Verkaufsmonate, wo ich eben weniger Umsatz mache. Die restlichen Monate sind aber gut - vor allem der September, wo ich meine Kollektionen regelmäßig auf der Fashion Week Vienna präsentiere.

WOMAN: Wie hoch sind deine Fixkosten?
Andrea:
Meine Fixkosten belaufen sich monatlich in etwa auf 2000 Euro.

WOMAN: Hast du eine private Pensionsvorsorge?
Andrea:
Ich habe keine private Pensionsvorsorge, allerdings eine Pensionsversicherung bei der SVA Wien. Der Beitrag kommt im Quartal auf etwa 520 Euro.

WOMAN: Sparst du Geld? Wenn ja, wie viel? Legst du es in irgendeiner Form an, wie beispielsweise Bausparer oder ähnliches?
Andrea:
Ja, ich spare. Habe aber keinen fixen Betrag. Alles, was am Ende des Monats übrig bleibt, lege ich auf ein Sparkonto.

WOMAN: Wie viel bleibt am Monatsende übrig?
Andrea:
Das ist eben immer unterschiedlich - je nachdem, wie viel ich verkaufe.

WOMAN: Bist du zufrieden mit dem, was du verdienst?
Andrea:
In manchen Monaten bin ich sehr zufrieden, in manchen nicht - das ist bei mir alles eine Sache der Einteilung.

WOMAN: Weißt du, was deine Kolleginnen verdienen?
Andrea:
Was meine Kolleginnen verdienen, weiß ich nicht... Ich habe, bevor ich mich selbstständig gemacht, ein Jahr als Schneiderin gearbeitet und da habe ich circa 1200 Euro netto verdient.

WOMAN: Im Vergleich zu großen Modeketten - wo siehst du da die größten Hürden als selbstständige Modedesignerin in Bezug auf deine Einnahmen?
Andrea:
Naja, die großen Ketten reagieren immer schneller auf Trends und bringen jede Woche etwas neues raus - zu Preisen, wo ich als Designerin nicht mithalten kann und auch nicht will. Meine Kundinnen kaufen bewusst bei mir ein und schätzen die lokale Produktion. Darum nehmen sie es auch in Kauf, für nachhaltige Mode eben auch mehr Geld in die Hand zu nehmen.

WOMAN: Wofür gibst du gerne Geld aus?
Andrea:
Freizeitgestaltung und gutes Essen.

WOMAN: Wofür würdest du gerne mehr Geld ausgeben?
Andrea:
Reisen!

WOMAN: Redest du mit deinem Freundeskreis über das Thema Geld?
Andrea:
Ja, in meinem Freundeskreis reden wir offen über Geld und Gehälter.

WOMAN: Gibt es sonstige Einnahmen, beispielsweise über deinen Partner? Wie teilt ihr die Ausgaben?
Andrea:
Ich lebe in einem gemeinsamen Haushalt mit meinem Freund, der auch ein Einkommen hat - da teilen wir schon gewisse Ausgaben.

WOMAN: Was ist dein größter Luxus?
Andrea:
Mein größter Luxus ist, wenn ich meine Freizeit mit meinem Freund oder meinen Freundinnen verbringen kann.

WOMAN: Würdest du von dir selbst behaupten, dass du gut mit Geld umgehen kannst?
Andrea:
Ja, ich denke, ich kann gut mit Geld umgehen. Durch mein unregelmäßiges Einkommen muss ich mir mein Geld gut einteilen.

WOMAN: Kannst du dir die Dinge leisten, die du gerne haben möchtest oder musst du oft auf etwas verzichten?
Andrea:
Ich kann mir eigentlich alles leisten, was ich gern hätte. Und wenn nicht, dann spare ich darauf hin.

WOMAN: Würdest du lieber mehr verdienen oder eher weniger arbeiten und dafür halt auch weniger haben?
Andrea:
Ich habe für mich eine gute Balance gefunden und bin sehr zufrieden mit meinen Arbeitszeiten. Wenn ich mehr verdienen würde, hätte ich natürlich auch nichts dagegen.

WOMAN: Und wie wichtig ist dir Arbeit generell? Welchen Stellenwert nimmt sie in deinem Leben ein?
Andrea:
Ich habe mein Hobby zum Beruf gemacht und deswegen liebe ich meine Arbeit. Für mich ist meine Arbeit (besonders das Nähen) meist sehr entspannend.

andrea Kerber in eigenem Blazer-Design
©Bianca Fellinger

WOMAN Community

Deine Meinung ist wichtig! Registriere dich jetzt und beteilige dich an Diskussionen.

Jetzt registrieren!

Schon dabei? .