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Was wir von Hillary Clinton für unseren Job lernen können

Du wirst in Sitzungen von Männern unterbrochen, im Job häufig kleingeredet? Welche Techniken wir von Hillary Clinton vs. Bulldozer Donald Trump für unsere Karriere lernen können.

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Was wir von Hillary Clinton für den Job lernen können
© 2016 Getty Images

Wer folgt Barack Obama als Präsident der Vereinigten Staaten? Die Demokratin Hillary Clinton und der Republikaner Donald Trump liegen in den Umfragen dicht beisammen. Nun traten die beiden in einer ersten TV-Debatte gegeneinander an.

Nach Umfragen ging Hillary Clinton als klare Gewinnerin aus dem ersten direkten Wahl-Match hervor. Und das, obwohl sie gegen einen rethorischen Bulldozer ankämpfen musste: Bereits in den ersten 25 Minuten wurde Clinton unglaubliche 26 mal von Trump unterbrochen. Über den gesamten Sendungsverlauf steigerten sich die Trumpschen Unterbrechungen auf 51 mal - im Gegenzug unterbrach Hillary ihren Kontrahenten nur 17 mal.

Moderator Lester Holt unterbrach Clinton weitere 70 mal, Trumps Redefluss jedoch nur 47 mal.

Trump unterbrach Clinton 51 mal

Damit zeigte sich ein Muster, dass Frauen tagtäglich erleben, eindrucksvoll im Fernsehen: Als Frau wird man - das beweisen auch zahlreiche Gender-Studien - weitaus öfter unterbrochen oder belehrt. "Seien Sie doch nicht so emotional" ist ein oft gehörter Satz. Oder "Lächeln Sie mehr, das steht Ihnen viel besser". Wir werden viel vielschichtiger kritisiert - selten jedoch inhaltlich, dafür werden unsere Kleidung, unser Aussehen oder unser Verhalten bewertet.

Eine Methodik, die Frauen in ihrer Karriere behindern kann: Denn Ideen, die von Frauen geäußert werden, werden weitaus öfter ignoriert - bis ein Mann sie wiederholt und dafür gefeiert wird.

Wir fühlen uns frustriert und missachtet. Und hier kommt Hillary Clinton ins Spiel. Denn sie zeigt uns, wie wir mit ähnlichen Situationen umgehen sowie uns behaupten können - und dabei gehört werden.


Welche Techniken gegen Alltags-Sexismus im Job helfen

Kommunikationsexpertin Daniela Zeller von Freiraum Kommunikation analysiert für WOMAN, mit welchen Techniken sich Clinton gegen Trump durchsetzen konnte. Und verrät, wir wir dies in der Arbeitswelt umsetzen können, um uns gegen Diskriminierung und dominante Männer zu behaupten:

WOMAN: Was können Frauen von Hillary Clinton lernen?
Daniela Zeller: Die Schwierigkeit, mit der Frauen in einer derartigen Situation oftmals konfrontiert sind, ist, dass sie als „kalt“ wahrgenommen werden, wenn sie sachlich agieren und als „zu weich und der Sache nicht gewachsen“, wenn sie Emotionen zeigen. Auch Hillary Clinton muss sich oft den Vorwurf anhören, sie wäre zu kühl und kopflastig. Ich finde es dennoch klug, dass sie den sachlichen Weg wählt und auf Argumente setzt.

Sie ist mutig, immer gut vorbereitet und sie scheut die Konfrontation nicht, dabei agiert sie nie unter der Gürtellinie. In der Debatte hat Hillary Clinton nicht bloß reagiert – sie hat Themen vorgegeben und sich sehr offensiv verhalten.
Ich habe den Eindruck, dass sie sich gut abgrenzen kann und im Laufe der Jahre gelernt hat, gewisse Dinge nicht persönlich zu nehmen. Genau das ist oft das Manko bei Frauen: Sie wollen gefallen und es allen recht machen und sie nehmen Dinge persönlich und grübeln viel zu lange nach. Was man noch von ihr lernen kann, ist ihre aufgerichtete Körperhaltung und ihre deutliche, klare Sprechweise. Beides demonstriert Selbstbewusstsein und Stärke. Trotzdem versucht Hillary Clinton nicht als „der bessere Mann“ rüberzukommen – immer noch wirkt sie weiblich. Wie eine starke, kluge Frau eben.

Was wir von Hillary Clinton für den Job lernen können

WOMAN: Was kann ich tun, wenn ich ständig von anderen unterbrochen oder kleingeredet werde?
Daniela Zeller: Sehr deutlich sprechen. In kurzen Sätzen sprechen. Klare Botschaften senden. Der Körper sollte aufgerichtet, der Blick fokussiert, die Körpersprache aktiv sein. Im Falle der Unterbrechung empfehle ich: Kurz innehalten, dem Unterbrecher kurz in die Augen sehen und diesen Zaubersatz sprechen: „Ich bin noch nicht fertig.“ PUNKT.
Wichtig ist an dieser Stelle, mit der Stimme runter zu gehen! Danach weitersprechen. Was gar nicht geht: in einen Jammerton zu verfallen („Immer fallen Sie mir ins Wort…“, „Bitte, wenn Sie mich doch auch einmal ausreden lassen würden...“). Achte darauf, dass du, wenn du dich unsicher fühlst, nicht beginnst, zu viel zu sprechen. Auch das ist eine „Frauenkrankheit“: Sind wir unsicher, werden unsere Sätze länger und länger und wir beginnen, um den heißen Brei herumzureden. Dadurch schwächen wir uns selbst.
Such dir, wenn du nervös wirst, guten Bodenkontakt, entspanne Bauchmuskeln, Schultern und Kiefer und seufze innerlich. So vertieft sich der Atem, was sich sofort positiv auf das Nervensystem auswirkt und du wirkst wieder souveräner und sachlicher.

Was wir von Hillary Clinton für den Job lernen können

WOMAN: Wie gehe ich damit um, wenn mich jemand besserwisserisch belehren will?
Daniela Zeller: In diesem Fall darf ich ruhig einmal nachfragen. Wer fragt, führt! Was auch hilft: Nicht bloß Argumente verwenden, sondern persönliche Erfahrungen, die man in dieser Sache gemacht hat, erzählen. Dies ist oft das beste Argument, denn für persönliche Erfahrungen gibt es kein Gegenargument.
Ganz allgemein gilt: Aufgerichtete, wohlgespannte Körperhaltung. Aktive Gestik. Aktiver Blick. Kiefer und Schultern entspannen. Ruhig atmen. Deutlich sprechen. Mit Punkten und Pausen sprechen. Klare Botschaften senden. Immer gut vorbereitet sein, denn: Klare Sprache beginnt mit einem klaren Gedanken. Und: Den Humor nicht verlieren!

Daniela Zeller
Kommunikationsexpertin Daniela Zeller