Ressort
Du befindest dich hier:

Wasserfälle haben Heilkräfte?

Sie gehören zu den mächtigsten Naturschauspielen. Aber wusstest du, dass Wasserfälle auch enorme Heilkräfte haben? Studien bestätigen extrem positive Auswirkungen auf Lunge, Immunsystem und Psyche. Dürfen wir vorstellen: Unsere 6 gesündesten Kaskaden!

von

Wasserfälle haben Heilkräfte?
© istockphoto.com

Wildes Rauschen, Nebelschwaden in der Luft, kühle, erfrischende Tröpfchen auf der Haut – obwohl so ein Gebirgswasserfall ganz schön viel Lärm macht, hat er gleichzeitig eine extrem beruhigende Wirkung. Stundenlang könnte man davor sitzen und einfach dem Fluss der Wassermassen zusehen, dem Rauschen lauschen. Diese Wirkung besteht nicht nur in unserer Vorstellung, die Wasserkaskaden fördern die Gesundheit tatsächlich, wie Dr. Arnulf Hartl, Leiter des Instituts für Ecomedicine an der Paracelsus Medizinischen Privatuniversität in Salzburg (pmu.ac.at/ecomedicine), in mehreren Studien festgestellt hat. Vor allem Probleme der Atemwege, Stress und Burnoutsymptome sowie das Immunsystem werden signifikant verbessert. Wir haben mit dem Wissenschafter gesprochen und stellen die Wasserfälle mit der höchsten Heilkraft in Österreich und Südtirol vor.

Negative Ionen

Verantwortlich für die gesundheitliche Wirkung ist die besonders hohe Konzentration an negativ geladenen Luftionen. Allgemein gilt: Je mehr davon auf einem Kubikzentimeter sind, desto besser fühlen wir uns. Die Menge steigert sich, je frischer und sauberer die Luft ist. In einem durchschnittlichen Raum findet man etwa 200 Ionen pro Kubikzentimeter, im Wald immerhin schon circa 3.000. Rund um einen Wasserfall steigert sich das auf bis zu 20.000. "Diese Ionen wirken sehr stark auf unsere Lungenepithelzellen. Sie bringen das Immunssystem in eine immunologische Balance, dadurch nehmen Entzündungen im Körper, die ja für eine Vielzahl von gesundheitlichen Problemen verantwortlich sind, deutlich ab", erklärt Hartl. Der weitere Vorteil der Wasserfälle: "Durch die große Fallhöhe, die kinetische Energie, die dadurch entsteht, und den starken Aufprall auf Gestein und Felsen zerstäubt das Wasser zu einem extrem feinen Aerosol. Diese Nanotröpfchen verbinden sich mit den negativen Luftionen und transportieren sie viel tiefer in die Lunge, als das üblicherweise möglich ist." Das säubert zusätzlich die Atemwege und transportiert Feinstaubablagerungen aus uns heraus.

Unterschiedliche Kräfte

Prinzipiell wirken alle Wasserfälle reinigend auf die Lunge und positiv auf die Gesamtgesundheit. Die konkrete Heilkraft variiert aber teilweise stark. Hartl erklärt: "Die physikalischen Eigenschaften der Kaskaden unterscheiden sich oft gravierend voneinander. Lage, Fallhöhe oder Abgeschiedenheit haben da großen Einfluss. Dadurch ist die Chemie der Wassertröpfchen jeweils eine andere, was die immunologische Wirkung ändert." Die Krimmler Wasserfälle im Oberpinzgau etwa haben durch ihre besonders große Fallhöhe ein so feines Aerosol, dass es vor allem Asthma und Allergien verbessert. Die größte stresslindernde Wirkung dagegen hat der Gartl-Wasserfall im Oberkärntner Mölltal. Dieser versprüht keine ganz so kleinen Tröpfchen wie andere Kaskaden, dafür ist die Konzentration an negativen Luftionen besonders hoch. Zusätzlich können diese durch die relativ enge Lage nicht vom Wind weggeweht werden. Die beruhigende Wirkung ist deshalb besonders intensiv. Zwei Studien mit insgesamt 160 stressbelasteten Krankenschwestern haben das bestätigt.

Raus in die Natur

Zu Hause oder in Therapiezentren nachstellen kann man die positive Wirkung der Wasserfälle leider nicht. "Wir haben mit mehreren Physikern sehr viel Zeit darauf verwendet, ein entsprechendes Gerät zu konstruieren. Aber für eine ähnliche Wirkung fehlt einfach die kinetische Energie, die beim Fallen entsteht. Die kleinsten so produzierten Tröpfchen waren immer noch 200 Mal größer als das Aerosol der Krimmler Wasserfälle. Die können einfach nicht so tief eingeatmet werden", enttäuscht Hartl entsprechende Hoffnungen. Höchste Zeit also, auf den Spuren des Wassers zu wandeln. Zur Not geht auch ein verlängertes Wochenende für den Ausflug in die Berge. Die Empfehlung von Hartl für die volle gesundheitliche Wirkung lautet aber: eine Woche lang Kombi-Urlaub aus Wandern und Wasser. "Machen Sie jeden Tag zumindest 500 Höhenmeter, Trainierte dürfen auch mehr, und verbringen Sie eine Stunde direkt beim Wasserfall. Lunge und Herz können sich so wunderbar regenerieren. Und das feine Wassergemisch hat sogar positive kosmetische Auswirkungen auf die Haut." Die Bewegung in mittleren Höhen (1.300 bis 2.000 Höhenmeter) intensiviert den heilsamen Effekt zusätzlich. Denn sie stärkt das Herz-Kreislauf-System und stößt regenerative Prozesse im Körper an. Im Idealfall mache drei Monate später ein kurzes Fresh-up, dann kommst du gesundheitlich gut über den Winter. Schöne Gegend, Stressabbau, sanfter Sport und bessere Gesundheit: Was kann man von ein paar Urlaubstagen mehr erwarten? Wir schnüren schon die Wanderschuhe!