Ressort
Du befindest dich hier:

ACHTUNG! Dieser Vibrator sammelt heimlich eure Daten!

Was dein Vibrator über dich weiß? Äh ... einiges. Aber was du nicht willst: Dass auch der Hersteller deines Sex-Toys die Details deines Liebeslebens kennt.

von

ACHTUNG! Dieser Vibrator sammelt heimlich eure Daten!
© Eis.de

Deine Supermarkt-Kundenkarte, dein Fitness-Tracker, die Fashion-App: Überall hinterlässt du Daten, die von cleveren Marketern für gezielte Werbeausspielungen genutzt werden. Oft erscheint einem das gar nicht so schlimm. Was spricht schon groß dagegen, wenn man über Rabatt-Aktionen für eben genau jenes Shampoo informiert wird, das man häufig kauft?

Wenn uns unser Einkaufsverhalten tendenziell eher wenig datensensibel erscheint, so gibt es doch auch Informationen, die privater als privat sind. Etwa unser Sexleben. Wie oft wie Sex haben, mit welcher Intensität, in welcher Länge und welche speziellen Vorlieben ... Das sind dann schon Infos, die wir nicht unbedingt gerne rauslassen.

We Vibe: Sex-Toy-Hersteller sammelt die Daten seiner Nutzer – heimlich!

Und so ist die Klage gegen den kanadischen Sex-Toy-Hersteller "We-Vibe" beziehungsweise dessen Mutter-Firma "Standard Innovation" durchaus nachvollziehbar. Der gerne als "Sex-Revolution" bezeichnete "We Vibe"-Vibrator ist mit einer App verbunden, die (so der Nutzen für die User) Paaren die Steuerung der Intensität und der Vibrationsmuster des Sex-Toys erlauben soll.

Allerdings wurden die dabei gesammelten intimen Infos über Dauer, Häufigkeit und Muster der Nutzer via App heimlich an den Server des Unternehmens gesandt – wo sie dann ohne das Wissen der User ausgewertet wurden. Doch mehr noch. Über die App können Paare nicht nur aus der Distanz den Vibrator fernsteuern, sondern auch miteinander chatten. Auch diese Protokolle liefen laut einem Bericht des britischen Guardian über den Server von "We Vibe" und konnten dort mit den E-Mail-Adressen der Nutzer in Verbindung gebracht werden.

Damit können Sex-Vorlieben und mehr individuell zugeordnet werden. Weshalb eine Sammelklage gegen den Sextoy-Hersteller eingereicht wurde. Die Klage wurde jetzt beigelegt – nachdem das Unternehmen sich bereit erklärt, fünf Millionen kanadische Dollar, umgerechnet 3,5 Millionen Euro Schadenersatz an die Kläger der Sammelklage zu zahlen.

"We Vibe" selbst bestritt die Erfassung der Daten nicht, stellte aber vor Beginn des Verfahrens fest, dass diese nicht personenbezogen und auch sicher vor Fremdzugriff gespeichert würden.

Du besitzt einen "We Vibe"? Was du nun tun kannst:

Da die Sammelklage beigelegt wurde, stehen betroffenen Kunden zwei Optionen der Entschädigung zur Auswahl: Wer die App benutzt hat und dabei Name, Mail-Adresse angegeben hat, hat Anspruch auf bis zu 10.000 Dollar. Eine genaue Summe steht erst fest, wenn sich alle betroffenen Kunden dazu geäußert haben. Wer lediglich das Gerät gekauft hat, dem stehen knapp 200 Dollar zu.