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He, unser Körper ist toll!

Wie betrachtest du dich, wenn du dich in Unterwäsche in den Spiegel blickst? Wie dieses Projekt Frauen zu einem besseren Körperbewusstsein ermutigen will.

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He, unser Körper ist toll!

Kritisch, zweifelnd, nicht von sich überzeugt: Frauen vor dem Spiegel

© Neringa Rekasiute

Was siehst du, wenn du dich in Unterwäsche vor den Spiegel schaust? Die Dehnungsstreifen nach der Geburt deines Kindes. Dass die eine Brust tiefer sitzt als die andere. Die Dellen an den Oberschenkel. Die weiche Falte am Bauch...

Dein umwerfendes Lächeln? Die strahlenden Augen? Die süßen Sommersprossen? Die schmale Taille? Der runde Po?

Wenn Frauen ihr Spiegelbild betrachten, dann vor allem prüfend, kritisch, vernichtend in der Meinung über sich selbst.

In Litauen, einem Land, das jedes Jahr neue Topmodels hervorspült, ist der Schönheitswahn besonders groß. "Ja, es gibt in Litauen viele wunderschöne Frauen," sagt die Fotografin Neringa Rekašiūtė. "Hochgewachsen, schlank, mit heller Haut und hohen Wangenknochen." Doch gerade diese wunderschönen Mädchen, die in Mailand oder Paris über die Laufstege laufen, erzeugen einen immensen Druck auf alle anderen Frauen.

"In Litauen", so Neringa, "herrscht ein absolut krankes Körperbewusstsein. Mädchen hungern sich klapperdürr, damit sie den medial vorgelegten Schönheitsidealen entsprechen. Viele greifen zu Appetitzüglern oder konsumieren sogar Drogen, um nicht so viel Appetit und damit eine Chance auf einen Model-Vertrag zu haben."

Um Frauen auf dieses ins Ungleichgewicht geratene Körpergefühl aufmerksam zu machen, initierte Neringa zusammen mit der litauischen Fernsehmoderatorin Beata Tiškevič Hasanova und der Kommunikationsexpertin Modesta Kairyte das Projekt "We.Women". "Wir wollen, dass Frauen lernen, ihren Körper so anzunehmen, wie er ist. Mit Dellen, Falten und Kurven. So sieht es die Natur vor. Uns dafür zu schämen oder sogar zu hassen, ist der falsche Weg."

Gemeinsam riefen die Initiatoren via Facebook zu dem Fotoprojekt auf. Mehrere hundert Mädchen und Frauen meldeten sich, berichteten über ihre Magersucht, ihre Depression, ihre Fettleibigkeit oder auch ihre Brustkrebserkrankung. 12 von ihnen wurden dann ausgesucht, um am Projekt "We.Women" teilzunehmen.

Neringa bat die Frauen, sich in Unterwäsche vor einen Spiegel zu stellen und sich wohlwollend zu betrachten.

Manche Frauen sahen ihr Spiegelbild selbstbewusst an.

Andere begannen bei ihrem Anblick zu weinen.

Mit diesem Fotoprojekt hofft die Künstlerin, Frauen zu helfen, ihren eigenen Körper zu akzeptieren. Ob nun mit Größe 34 oder 44. Ob mit Dellen oder Pölsterchen.

Einige Frauen litten an Krankheiten wie Anorexia. Und doch möchten sie sich nicht verstecken.

Fotografin Neringa: "Es ist unglaublich wie viele Frauen sich in ihrem Körper unwohl fühlen, wie schwer es ihnen gelingt, etwas Positives an sich zu entdecken."

Die Ursache ist für die Fotografin klar: "Jeden Tag - in den Straßen, online, im Fernsehen, in der Presse - sehen wir standardisierte und polierte Schönheit. Es ist eine Art von Massenhysterie."

"Beine werden per Photoshop verlängert, Brüste vergrößert, Nasen verkleinert, Lippen verbreitert. Das Ergebnis wird uns dann als reale Schönheit verkauft. Kein Wunder, dass wir uns selbst nicht mehr ansprechend finden."

Auch die Mitinitiatorin des Projekts, Tiškevič Hasanova, spricht sich gegen das herrschende Schönheitsdiktat aus und fügt hinzu: "Wir sind nicht unser Körper. Der Körper gibt uns nur eine Form, aber keinen Inhalt."

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Leider sind es nicht nur die Medien, die uns sagen, wie wie auszusehen haben. Es sind auch die Menschen auf der Straße, die dich anhand deines Körpers beurteilen.