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Weder It-Girl noch Fashion-Ikone: Keira Knightley ganz natürlich im WOMAN-Talk

Keira Knightley: Im Blockbuster „Die Herzogin“ überzeugt die zarte Schönheit als Frau, die alle Macht über die Society hatte – und keine über ihren Mann.


Weder It-Girl noch Fashion-Ikone: Keira Knightley ganz natürlich im WOMAN-Talk
© Kinowelt Filmverleih

Sie hatte früher einen Schuhtick, und ein Mann, der ihr gefallen will, muss gute Schuhe tragen. Damit hört die Ähnlichkeit zwischen Keira Knightley und Georgiana von Devonshire, die sie in Saul Dibbs Kostümfi lm „Die Herzogin“ darstellt, auch schon auf. Denn während die Fashionista aus dem 18. Jahrhundert mit gewagten Kleiderentwürfen die Mode diktierte, trauert der Hollywoodstar maximal dem in die Jahre gekommenen Bauchfrei-Look nach. Dafür ist Knightley schon seit drei Jahren mit Schauspielkollege Rupert Friend glücklich, während die Herzogin aus Liebesmangel süchtig nach Aufmerksamkeit und so letztendlich zum gefeierten It-Girl ihrer Zeit wurde.

Frauenschicksal.

Nach dem Bestseller von Amanda Foreman erzählt „Die Herzogin“ (ab 24. 4. im Kino) die Geschichte von Lady Georgiana Spencer, einer Vorfahrin von Lady Diana. 1774 heiratet die bildhübsche 17-Jährige den Herzog von Devonshire. Der 24-Jährige ist kaltherzig und polygam (herrlich: Ralph Fiennes), aber die beste Partie des Landes. Trotz Georgianas Versuchen, ihn für sich zu gewinnen, spricht er kaum mit ihr, will nur den erwünschten Erben und macht ihre beste Freundin zu seiner Geliebten. Die Herzogin kompensiert die Demütigungen, indem sie mit Charme und Stil zum Star der Londoner Gesellschaft wird. Ihr Interesse für Politik führt sie in die Arme des späteren Premierministers Charles Grey, doch der Herzog zwingt sie, ihre große Liebe aufzugeben. Wir baten Keira Knightley zum Interview.

„Konnte kaum atmen“
Woman: Was hat Sie an der Rolle der Georgiana fasziniert?

Knightley: Dieser Widerspruch – als Frau so einsam, dass es weh tut, als gefeierte Fashion-Ikone und wegen ihres gewaltigen politischen Einflusses bewundert. Und sie braucht das auch, ist süchtig nach Bewunderung, will jedem gefallen.

Woman: Das erinnert irgendwie an die heutige Celebrity-Szene …

Knightley: Georgianas Selfmarketing muss den Vergleich mit heute jedenfalls nicht scheuen. Sie hat ihr Image perfekt manipuliert. Obwohl damals Frauen ja praktisch das Eigentum ihrer Väter und Ehemänner waren.

Woman: Wollte sie gefallen, weil ihr Mann sie nicht geliebt hat?

Knightley: Ihr Trauma reicht noch weiter zurück. Das Thema wird im Film nicht behandelt, aber ich habe in Georgianas Biografie gelesen, dass ihre Eltern nach dem Tod eines Geschwisterchens ein Jahr lang auf Reisen gingen, als sie erst sechs Jahre alt war. Ich persönlich glaube gar nicht, dass der Herzog so ein Untier war, die beiden waren nur wie zwei Magnete, die einander abstoßen, unfähig, einander zu
verstehen.

Woman: Was muss für Sie in einer guten Beziehung stimmen?

Knightley: Der Sex natürlich, Fantasie, gegenseitiges Verständnis, und ein wenig Intellekt kann auch nicht schaden.

Woman: Das alles hat Georgina bei ihrem Jugendfreund dann ja gefunden. Hätte sie ihren Mann nicht verlassen können?

Knightley: Die Frage, ob der Film nun eigentlich ein gutes oder ein schlechtes Ende hat, hat mich auch bewegt. Ja, sie hätte mutiger sein können, ihrer Liebe folgen, als Außenseiterin der Gesellschaft leben. Vielleicht wäre das ein Happy End. Aber sie hätte ihre Kinder nie mehr gesehen, hätte diese in der Obhut eines emotionell verkrüppelten Mannes zurücklassen müssen. Mit der Schuld hätte sie nicht leben können.

Woman: Könnten Sie alles aufgeben für die Liebe?

Knightley: Ich glaube nicht.

Woman: Es heißt, das Skript zeigt Parallelen zum Leben von Prinzessin Diana. Hat Sie das gestört?

Knightley: Bis jetzt nicht (lacht). Ich kenne Lady Dis Geschichte kaum. Als sie starb, war ich elf. Aber wenn die Leute es so sehen wollen …

Woman: Sie sind Britin. Waren Sie als Teenie denn nie ein bisschen in Prinz William oder Prinz Harry verliebt?

Knightley (lacht): Nein! Igitt!

Woman: Welcher Typ Mann gefällt Ihnen denn?

Knightley: Ein bisschen grüblerisch … kein allzu offenes Buch für mich. Wenn ich mit ihm gut reden und auch gut mit ihm streiten kann. Und gute Schuhe muss er anhaben!

Woman: Georgiana war ein It-Girl, das Modetrends setzte. Wie fanden Sie die Kostüme?

Knightley: Umwerfend. Und eng. Ich wurde jeden Tag drei Stunden lang hineingenäht. Hab mir damals ziemlich viele Videos angeschaut (lacht).

Woman: Die Kleider sehen dafür sehr sexy aus!

Knightley: Finden Sie? Ich konnte kaum atmen. Sexy fand ich sie erst in den Szenen, in denen sie mir vom Leib gerissen wurden. Obwohl es natürlich sehr leidenschaftlich aussieht, wenn die Emotionen hochschlagen und man effektiv nicht genug Luft bekommt, um sich wieder
zu beruhigen …

Woman: Sie werden selbst auch als Mode-Ikone gefeiert. Freut Sie das eigentlich?

Knightley: Ich? Mode-Ikone? Ich zieh mir einfach Sachen an!

Woman: Haben Sie gar keine Stylistin wie andere Stars?

Knightley: Nur für öffentliche Auftritte. Aber sonst … ich steh auf und zieh was an.

Woman: Hatten Sie nicht früher einen Schuhtick?

Knightley: Lange her! Ich war 18, hab plötzlich Geld verdient und war einfach hingerissen, dass ich mir Schuhe kaufen konnte! Das hab ich jetzt schon länger nicht mehr getan. Ich borg sie mir einfach für einen Tag aus und bring sie am Abend zurück. Ist auch gescheiter so, weil ich in High Heels ohnehin nicht gehen kann.

Woman: Stört es Sie, wenn man Sie Mode-Ikone nennt? Sie spielen das so runter …

Knightley: Aber nein! Natürlich ist es nett, wenn man in Kleidern gut aussieht, und ich will auch gar nichts gegen Mode-Ikonen sagen. Aber ich bin kein It-Girl wie Georgiana damals oder wie Sienna Miller heute. Bauchfrei hat mir gefallen, weil mir mein Bauch gefällt, im Unterschied zu meinem Hintern und meinen Beinen. Aber leider sagen die Modemagazine, dass man jetzt nicht mehr bauchfrei gehen darf, das sei jetzt vulgär.

Woman: Wie waren eigentlich die Liebesszenen mit Dominic Cooper? Er plauderte aus, dass Sie gemeinsam Wodka getrunken haben …

Knightley: Ja! Er war stockbesoffen, der Bastard (lacht)! Ich nicht! Ich hab kein Problem damit, mich auszuziehen, das ist Teil des Jobs. Mein Körper gehört zu meinem Werkzeug. Trotzdem war die Sache nicht einfach, denn Dominic ist erstens ein guter Kumpel und trug zweitens eine dieser fleischfarbenen Unterhosen, die wie Windeln aussehen. Immer wenn er anfangen wollte und in seiner Windel vor mir stand, hab ich mich fast angemacht vor Lachen. Der Arme, er wird für den Rest seines Lebens einen Komplex haben.

Woman: Finden Sie Sexszenen immer lustig?

Knightley: Nicht immer. Ich muss ehrlich zugeben, dass mir James McAvoy, mein Partner in „Abbitte“, in der Bibliothekszene den erotischsten Kuss gab, den ich je bekommen habe …

Woman: Und was sagt denn Ihr Freund Rupert Friend zu so etwas?

Knightley: Er ist selbst Schauspieler und kann damit umgehen
(lacht). Was bleibt ihm auch anderes übrig?

Redaktion: Sandra Flowers & Barbara Poche