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Wegen einer Netflix Serie wollten Mädchen Suizid begehen

Dass Jugendliche ihren Idolen nacheifern, ist keine Neuigkeit. Leider nahm der Starkult eine falsche Wendung als zwei Schülerinnen aus Oberösterreich den Selbstmord aus einer Netflix Serie nachahmten.

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Wegen einer Netflix Serie wollten Mädchen Suizid begehen
© Netflix Screenshot

Als ihm zwei dreizehnjährige Schülerinnen einen als Entschuldigung getarnten Brief gaben, wunderte sich ihr Klassenvorstand nicht. Erst später fing der Lehrer in einem Realgymnasium in Bad Ischl an, über die Sache zu grübeln und öffnete ihn. In dem Schreiben kündigten die zwei Mädchen ihren Selbstmord am Schulgelände an. Sofort wurde nach den Schülerinnen gesucht, die schließlich in letzter Minute auf der Schultoilette gefunden wurden.

Rettung in letzter Minute am Schulklo

Beide hatten sich geschnitten und eine war schon bewusstlos, als man sie ins Spital brachte. Mittlerweile sind sie außer Lebensgefahr. Was den Fall so brisant macht, ist nicht nur der Fakt, dass es sich um dreizehnjährige Kinder handelt. Die zwei sollen mit ihrer Tat den Selbstmord von Hannah Baker, einer Serienfigur aus dem Netflix-Hit “13 Reasons Why” nachgeahmt haben.

“Tote Mädchen lügen nicht”, wie die Serie auf Deutsch heißt, basiert auf dem gleichnamigen Roman von Jay Asher. Der 2007 erschienene Bestseller handelt von dem Selbstmord der High School Schülerin Hannah Baker, die nach ihrem Tod Kassetten hinterlässt, auf denen sie Vorwürfe gegen ihre Freunde, Klassenkameraden und Familie erhebt. Auf Netflix startete die Serie 2017 und feierte große Erfolge, wobei der Inhalt von Anfang an Kontroversen provozierte.

Vorbild Hannah Baker?

Einzelnen Folgen wurden sogar sogenannte Triggerwarnungen vorangestellt, die vor Auslösereizen wie etwa Gewalt warnen sollen. Doch können Worte wirklich Jugendliche davon abhalten, sich eine Serie anzusehen? Man könnte fast meinen, dass die Neugier durch solche Warnungen noch mehr beflügelt wird, vor allem wenn die Show so bekannt und beliebt ist. Vor allem die Szene, in der Hannah Bakers Selbstmord explizit gezeigt wird, wurde von Psychologen allerorts kritisiert. Man fürchtete, dass die Romantisierung des Suizids psychische Probleme oder sogar den Werther-Effekt hervorrufen würde.

Unter letzterem versteht man die vermehrt auftretenden Selbstmorde nach dem Erscheinen von Johann Wolfgang von Goethes “Die Leiden des jungen Werthers”. Leider fällt der Suizidversuch der Schülerinnen genau in diese Kategorie. Laut Jugendpsychiatern haben sich die Mädchen unverstanden und alleingelassen gefühlt, als sie ihre Entscheidung trafen. Genau wie Goethes Werther: "Ach, was ich weiß, kann jeder wissen – mein Herz habe ich allein."

Man kann nur hoffen, dass im privaten aber auch schulischen die nötigen Maßnahmen ergriffen werden, um Jugendliche zwar nicht gänzlich vom Sehen kontroverser Serien abzuhalten, aber ihnen unterstützend zur Seite zu stehen.

Themen: Kino & TV, Report

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