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Die stillste Zeit des Jahres? Nicht als Mama ...

Der Advent ist ja eigentlich eine ruhige und besinnliche Zeit. Zumindest in der Theorie. Unsere Kolumnistin verrät, warum die Weihnachtszeit als Mama von zwei kleinen Kids manchmal chaotischer aussieht, als ihr lieb ist.

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Die stillste Zeit des Jahres? Nicht als Mama ...
© iStock

Man sagt ja, die Weihnachtszeit sei die stillste Zeit des Jahres. Ich sage: Mit zwei Kindern unter acht ist das Wort "still" generell ein dehnbarer Begriff. In der Adventzeit trifft er bei uns aber sicher noch weniger zu als zu jeder anderen Jahreszeit.

Wahrscheinlich mache ich einfach irgendwas falsch und es wäre in Wahrheit ganz einfach, dass wir alle vier zwischen Jahresabschlussstress und Geschenke-Shopping harmonisch Weihnachtslieder trällernd durch den Schnee hüpfen – aber unsere Vorweihnachtszeit gleicht meistens eher einer besonders ATV-tauglichen Folge von "Instagram vs. Reality".

Im Advent sieht es bei uns nämlich etwa so aus …

Die Weihnachtsstimmung

Meine Vorstellung:

Pünktlich mit dem 1. Dezember verwandelt sich unser Haushalt in einen Hafen der Harmonie und Besinnlichkeit. Ganz im Zeichen der Nächstenliebe wird weder um das letzte Stück Lebkuchen noch über die Form des Frühstückstoasts gestritten und wir verbringen unsere Freizeit gemütlich zuhause im Schein des Adventkranzes damit, als Familie lustige Brettspiele zu spielen.

Die Realität:

Wir verbringen im Schein des Nachtlichts unsere Freizeit damit, abwechselnd am Bett eines kranken Kindes zu wachen und motzen uns gegenseitig an, wer vergessen hat, die aufgebrauchten Taschentücher nachzukaufen.

Da die Kinder zwischen Krampuslauf, Kinderpunsch und Adventfeier wie auf einem einzigen, 24 Tage langen Festival sind, wechseln sie minütlich zwischen himmelhoch jauchzend und zu Tode betrübt. Statt Nächstenliebe zieht der Kleine den Großen an den Haaren, der Große sperrt den Kleinen aus dem Zimmer aus, Mama pflaumt Papa an, weil der den Müll noch nicht hinausgetragen hat und Papa würde sich am liebsten die restlichen 23 Tage im Keller einsperren.

Die Weihnachtsdekoration

Meine Vorstellung:

Festlich geschmückt mit Tannenzweigen, Kerzen und stilvollen Deko-Elementen sieht unser Haus aus wie frisch aus der Weihnachtsedition von "Schöner Wohnen". Durch den Duft des selbst gebundenen Adventkranzes und die Freude über die zuckersüßen, von den Kindern gebastelten Weihnachtsaccessoires stellt sich weiter oben vermisste Weihnachtsstimmung von ganz alleine ein.

Die Realität:

Warum ich mich dieser Vorstellung jedes Jahr aufs Neue hingebe, ist mir selbst ein Rätsel. Jeder, der mich kennt, weiß: Ich bin komplett talentbefreit, wenn es ums Basteln geht. Mehr noch: Ich hasse Basteln – und habe diesen unschönen Charakterzug zumindest teilweise auch an meine Kinder vererbt.

(c) Artist GND Photography

Deswegen ist es auch vollkommen utopisch, dass ich selber einen Adventkranz binde (der wird fünf Minuten vor Ladenschluss bei Billa gekauft) oder das Haus mit etwas anderem als mit einer leicht angedepschten Mandarine und ein paar Erdnüssen in der Obstschale auf Weihnachtsmodus trimme.

Bei meinem einzigen Versuch, gemeinsam mit den Kindern eine Art "Weihnachtsstrauch" zu dekorieren, war ich nach zehn Minuten damit beschäftigt, die Scherben der überteuerten Mini-Weihnachtskugeln mit dem Handstaubsauger aufzusaugen, die den Jungs beim ersten Versuch, sie auf einen krummen Ast zu pfriemeln, aus den Händen gerutscht waren.

Du ahnst es vielleicht bereits: Auch der Adventkalender wird in unserem Haus nicht (mehr) selbst gebastelt. Das Jahr, in dem ich in Weihnachtsidylle verklärt zweimal 24 Säckchen mit liebevoll ausgesuchten Kleinigkeiten (die mich zusammengenommen etwa fünfmal so viel gekostet haben wie zwei gekaufte Adventkalender) befüllt habe, nur um dann zu erleben, wie dem undankbaren Nachwuchs die süße Weihnachtsfigur in Säcken Nummer sieben zu "uncool" war, hat mich zu der Überzeugung geführt, dass ein gekaufter Playmobil-Adventkalender mich wahrscheinlich auch nicht zu einer schlechteren Mutter macht.

Selbst gebastelt ist bei uns wenigstens der Wunchzettel ans Christkind. Teilweise werden schon im August mit Feuereifer Spielzeugkataloge durchforstet und mit Leuchtstift unterstrichen,um dem lieben Christkind ja klar zu machen, dass man sich dieses Jahr eine Lego-Special-Edition um 2.300 Euro wünscht.

»Ach, Weihnachtsgeschenke? Die hab ich alle schon besorgt!«

Dass das bereits im August geschieht, ist insofern praktisch, weil beide Omas spätestens im September voller Panik anrufen und – während du in der Arbeit in einer wichtigen Besprechung sitzt – genau JETZT wissen müssen, was die Kinder sich dieses Jahr zu Weihnachten wünschen. Immerhin haben sie gelesen, dass es dieses Jahr Lieferengpässe bei den Containern aus China gibt!

Den Fehler, die Weihnachtsgeschenke tatsächlich bereits vor dem Dezember zu besorgen, habe ich genau ein Mal gemacht. Zugegeben, die gefühlten zehn Minuten, in denen ich mir wie eine top-organisierte Supermum vorkam und allen sagen konnte "Ach, Weihnachtsgeschenke? Die hab ich alle schon besorgt!" waren ein Triumph. Weniger triumphiert habe ich, als mein Großer mir drei Tage danach eröffnete: "Mama, gute Nachrichten – ich wünsch mir jetzt doch was gaaanz was anderes vom Christkind!"

Kekse backen

Meine Vorstellung:

Mit beschwingter Weihnachtsmusik im Hintergrund und lustigen Mützen am Kopf kneten, formen und bestreuen wir Kekse, die wir beim nächsten harmonischen Familien-Adventfrühstück gemeinsam verzehren werden. Sie sind nicht nur köstlich, gesund und nachhaltig, sondern werden die gesammelte Pinterest-Gemeinde in weihnachtlicher Ehrfurcht erstarren lassen.

(c) Frederik Loewer

Die Realität:

Wer jemals die Vorstellung in die Welt gesetzt hat, dass Keksebacken mit kleinen Kindern romantisch und entspannt sei, den möchte ich herzlich zu einem Backnachmittag mit meinen zwei Jungs einladen – aber bitte bei sich zu Hause!

Seien wir doch mal ehrlich: Backen mit Kindern ist die Hölle. Innerhalb von zehn Minuten haben sich Küche, Vorraum und jeder im Umkreis von 20 Metern anschließende Raum in ein Schlachtfeld aus Mehl, Teigresten und Zuckerperlen verwandelt. Nachdem die blöden Keksausstecher wie jedes Jahr nicht ordentlich funktionieren, motzen die Kinder nach fünf Minuten, dass sie viel lieber verzieren als ausstechen möchten.

»Wer jemals die Vorstellung in die Welt gesetzt hat, Keksebacken mit kleinen Kindern sei entspannt, den möchte ich herzlich zu einem Backnachmittag mit meinen zwei Jungs einladen – aber bitte bei sich zu Hause!«

Während du noch verzweifelt versuchst, mehr Teig auszurollen, stopfen sich deine Kinder die Hälfte davon gleich selbst in den Mund und verteilen währenddessen schon mal bunte Schokostreusel, Perlen und Nüsse gleichmäßig über den Boden und das Ceranfeld.

Die eigentlichen Weihnachtskekse wirst du also allein um 23:00 Uhr backen, wenn die Kinder im Bett sind. Wenn du willst, kannst du dabei aber gerne eine lustige Mütze tragen und beschwingte Weihnachtsmusik hören!

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Und trotzdem

Ich bin mir sicher, dass viele Weihnachtsprofi-Mamas jetzt abfällig den Kopf schütteln werden. Und ganz ehrlich: Ich bewundere euch, dass ihr das alles so auf die Reihe bekommt, wie ich das in meinen kühnsten Adventträumen gerne hätte. Aber es gibt bestimmt auch einige Mamas, die sich grad fluchend den Keksteig aus den Haaren klauben und sich denken: Ich bin nicht allein!

Und das Schöne daran ist ja: Egal, auf welcher Seite von "Instagram vs. Reality" eure Adventzeit mit Kind steht – wenn an Heiligabend der Christbaum strahlt, alle bei "O Tannenbaum" schief mitsingen und die Kinderleins vor Freude auf- und abhüpfen, ist Weihnachten trotzdem immer irgendwie perfekt.

Über die Autorin: Susanne Holzer ist freie Autorin aus Salzburg. Gemeinsam mit Sybille Maier-Ginther schreibt sie im ehrlichen Mama-Blog sowie im gleichnamigen Buch "Hand aufs Herz" darüber, wie das Leben mit Kind wirklich ist. Mehr von den beiden gibt's auf Facebook sowie online unter "Hand aufs Herz Blog".

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