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"Wendepunkt" in Sachen Plastikmüll? Recycelbare Laufschuhe von Adidas

"Das Ende kann zum Anfang gemacht werden": Gemeint sind recycelbare Laufschuhe aus Ozeanplastik. Adidas launcht FUTURECRAFT.LOOP und setzt ein Zeichen für Nachhaltigkeit!

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Plastikmüll Strand
© iStock/apomares

Konzerne werden bei der Herstellung ihrer Produkte mehr und mehr am sorgsamen Umgang mit Ressourcen gemessen. Die weltweite Belastung durch Plastikmüll spielt dabei eine zentrale Rolle. Adidas will nun mit dem Projekt FUTURECRAFT.LOOP ein Zeichen setzen und mit der Produktion nachhaltiger (Sport)Schuhe etwas zum Umweltschutz beitragen.

Denn dass Plastik eine unserer größten Umweltsünden ist, dürfte inzwischen wirklich niemandem mehr entgangen sein. Beschlüsse wie das Verbot von Plastiksackerln sind da zwar ein Anfang, wirklich lösen wird diese Maßnahmen das Plastikmüllproblem aber dennoch nicht. Dazu müssen nicht zuletzt auch große, produzierende Konzerne, ihren Teil beitragen.

"Der Wendepunkt in Sachen Plastikmüll"

Der Sportartikelhersteller Adidas stellt nun eine Konzept vor, das gar als "Wendepunkt in Sachen Plastikmüll" ausgegeben wird. "Statt eines einmaligen Prozesses wollen wir Recycling zum Kreislauf machen. Das Prinzip: Weniger Abfall durch mehrfach recycelbare Materialien. So kann aus einem Gegenstand ein neuer entstehen. Das Ende kann zum Anfang gemacht werden", heißt es bei Adidas.

Wer sich jetzt, berechtigter Weise, fragt, ob jeder beliebige Adidas-Schuh an Adidas selbst retourniert werden kann, um daraus wiederum einen neuen Schuh entstehen zu lassen - leider nein. Lediglich das Modell Futurecraft Loop ist aufgrund seiner Beschaffenheit geeignet, um Teil dieses Prozesses zu sein.

Laut Adidas sieht das Prozedere folgendermaßen aus: Ein Schuh wird gekauft, getragen und danach zurück ins Geschäft gebracht. Dort wird er dann gereinigt, zermahlen, geschmolzen, neu zusammengesetzt und neuerlich verkauft. Dabei handelt es sich laut Hersteller um den ersten Schuh weltweit, bei dem genau das möglich ist.

Tanyaradzwa Sahanga, Managerin Technology Innovation bei Adidas: "Wir hatten uns vorgenommen, eine neue Art von Produkt zu entwickeln, das man bei uns zurückgeben kann, und das wir aufbereiten, um ein neues Adidas-Produkt daraus zu machen. Von Zeit zu Zeit sah es so aus, als würden wir an der einen oder anderen technischen Hürde scheitern - jetzt, wo uns der erste Sprung ins Neue gelungen ist, sieht das Spielfeld schon anders aus. Alleine werden wir es nicht schaffen, in Zukunft eine abfallfreie Kreislaufwirtschaft zu kreieren, wir werden uns gegenseitig brauchen."

ADIDAS x PARLEY

Insgesamt 11 Millionen neue Schuhe sollen aus weggeworfenem Kunststoff hergestellt werden. Die Beschaffenheit des Obermaterials stammt gänzlich aus Garnen und Filamenten, die aus Plastikmüll und Tiefsee-Stellnetzen aus dem Meer zurückgewonnen und re-used werden können. Wie kommt nun Adidas an diese Abfälle? Gemeinsam mit Parley, einer Organisation, die Kunststoffmüll an Stränden sammelt. "We believe Plastic is a design failure, one that can only be solved by reinventing the material itself" - so lautet der Grundgedanke auf der Website von Parley.

Und genau dieser wurde mit dem gemeinsamen Projekt FUTURECRAFT.LOOP realisiert. Schuhe sollen wiederverwendbar gemacht werden. Dadurch soll der Abfall minimiert und Ressourcen geschont werden. "Plastikmüll aus dem System zu entfernen ist der erste Schritt, aber wir können da nicht haltmachen", gibt sich Eric Liedtke, Executive Board Member bei Adidas.

Schuh zu Besuch bei der UNO

Der erste Prototyp des zukunftsträchtigen Schuhwerks wurde den Vereinten Nationen bereits im Juni 2015 vorgestellt. Die Markteinführung selbst ist für 2021 geplant. Und es wird auch höchste Zeit, denn wenn man sich die Statistiken zum Thema Plastikproduktion und Verbrauch ansieht, dann bekommt man es mit der Angst zu tun. Laut statista.com dauert es nämlich 10 bis 20 Jahre, bis sich EIN EINZIGES Plasticksackerl im Meer vollständig zersetzt hat. Eine PET-Flasche - und jetzt bitte kurz anschnallen - benötigt dafür in etwa 450 Jahre!

Alleine die weltweite Hochrechnung der Plastikproduktion seit den frühen 1950er Jahren bis heute ergibt einen unglaublichen Wert von über 8,3 Milliarden Tonnen. Um das zu veranschaulichen: Das entspricht in etwa 822.000 Eiffeltürmen!! All das ergaben die Forschungen der Seite Science Advances, Stand 2017.

TPU als Mittel zum Erfolg

Thermoplastisches Polyurethan, kurz TPU, stellt für Adidas die Zukunft recycelbarer Schuhe dar. Eigenschaften wie Elastizität, Transparenz sowie Beständigkeit machen dieses Material vor allem im Zusammenhang mit der Herstellung von Schuhen so interessant. Durch die Zufuhr von Hitze wird es formbar. Der Produktionsprozess von Adidas sieht vor, genau diese Eigenschaft zu nützen, um alte Schuhe somit umzuschmelzen. Und genau damit revolutioniert das Unternehmen den kompletten Herstellungsprozess, denn bisher setzte sich sporttaugliches Schuhwerk vorrangig aus komplexen Materialmischungen zusammen, die eben diesen Prozess nicht zuließen.

Das ganze Projekt ist wie ein Kreislauf anzusehen. Wichtig ist, dass am Ende auch die KundInnen dazu bereit sein, gemeinsam etwas zu verändern. Denn nur wenn sie ihr altes Schuhwerk retournieren, kann der Plastikverschmutzung der Kampf angesagt werden!

Thema: Trends