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Rückschritt in der Wirtschaft: Weniger Frauen in heimischen Vorständen

Während in Deutschland der Trend nach oben geht, werden die Frauen in den Chefetagen heimischer, börsennotierter Unternehmen weniger statt mehr. Das hat das Beratungsunternehmen EY erhoben.

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Rückschritt in der Wirtschaft: Weniger Frauen in heimischen Vorständen
© iStock/Johnny Greig

Während immer noch über die Sinnhaftigkeit von Frauen-Quoten debattiert wird, liefert die österreichische Privatwirtschaft handfeste Fakten, warum das möglicherweise keine schlechte Idee ist: Der Anteil von Frauen in Vorständen der heimischen, börsennotierten Unternehmen ist nämlich gesunken, statt gestiegen. Von 186 Vorständen sind nur neun Frauen, zwei weniger als im Jahr davor. Und damit ist ihr ohnehin schon niedriger Anteil von 6 Prozent im Vorjahr, auf mickrige 4,8 Prozent gesunken. Der Beratungskonzern EY warnt nun vor negativen Folgen für Österreich.

Immerhin erfreulicher: Der Anteil von Frauen in Aufsichtsräten ist hingegen gestiegen: Von 18,8 auf 23,2 Prozent. Jeder vierte Aufsichtsrat erfüllt aber dennoch die Quote nicht. Dass es bei den Aufsichtsräten um einiges besser ausschaut, könnte auch mit folgendem Umstand zu tun haben: Seit 1. Jänner gilt dort die gesetzliche Frauenquote von 30 Prozent.

Nur 3 Frauen leiten börsennotierte Unternehmen

Zurück zu den Vorständen: Nur in sieben von 58 börsennotierten Unternehmen findet sich überhaupt ein weibliches Vorstandsmitglied. "Best Practice" zeigt hier die "Vienna Insurance Group" (VIG): Dort sitzen drei Frauen in der ChefInnen-Etage - damit ist sie das einzige Unternehmen, wo es überhaupt mehr als eine Frau in dieser Position gibt. Eine von ihnen leitet das Unternehmen auch, Elisabeth Stadler. Damit ist sie in Gesellschaft von zwei weiteren der neun Frauen in den Vorstandsetagen: Herta Stockbauer bei der BKS Bank und Karin Trimmel beim Kräuterlikörhersteller Gurktaler leiten ebenfalls das Unternehmen.

Gegen Trend: Rückschritt in Österreich

In Österreich zeige sich mit dem rückläufigen Frauenanteil eine entgegengesetzte Entwicklung zu Deutschland, wo der Frauenanteil in Vorständen börsennotierter Unternehmen erneut gestiegen sei, nämlich von 7,3 auf 8,6 Prozent, so die Wirtschaftsprüfer anlässlich der Veröffentlichung des aktuellen „EY Mixed Leadership Barometers“. „In Österreich gibt es weiterhin keine Fortschritte auf dem Weg zu einem ausgewogenen Verhältnis von Frauen und Männern in den Chefetagen“, kommentierte Helen Pelzmann, Partnerin und Verantwortliche für die Initiative „Women. Fast Forward“ bei EY Österreich, die Ergebnisse. Die heimischen Unternehmen würden es nicht schnell genug schaffen, talentierte Frauen in die oberste Etage zu bringen. Und das könnte langfrisitg Konsequenzen für den Wirtschaftsstandort haben.