Ressort
Du befindest dich hier:

Wenn Mütter sterben

"Sie hinterlässt eine 4-jährige Tochter." Dieser Nebensatz zum allzu frühen Tod von Moderatorin Miriam Pielhau verdeutlicht das, wovor so viele junge Eltern Angst haben: dass auch ihre Kinder ohne ihre Liebe aufwachsen müssen.


Wenn Mütter sterben
© iStockphoto.com

Eine Mutter spricht uns aus dem Herzen: Anna Luz de León veröffentlichte auf ihrem Blog berlinmittemom.com einen berührenden Text zum Tod von Miriam Pielhau, woraus wir hier einen kurzen Auszug veröffentlichen dürfen:

"Miriam Pielhau ist tot. Ihre kleine Tochter wird ohne Mama aufwachsen und möglicherweise viel von der konkreten Erinnerung an diese Mama verlieren – denn sie ist erst vier.

Mütter, die sterben, wenn ihre Kinder noch klein sind

Mütter sterben. Damit meine ich nicht einen Fall, wie den meiner eigenen Mutter, die starb, als ihre Kinder schon alle erwachsen waren, obschon das auch furchtbar war. Nein, ich meine Mütter, die sterben, wenn ihre Kinder noch klein sind.

So klein, dass sie sie für a l l e s brauchen in ihrem kleinen Leben. So klein, dass die Mütter a l l e s sind für die Kinder. So klein, dass der Verlust die ganze Biographie der Kinder unwiderruflich und brutal beeinflusst. So klein, dass die Kinder viel Konkretes vergessen werden, nicht aber das, was sie den Rest ihres Lebens vermissen werden: die Liebe ihrer Mütter.

Wie lange habe ich Zeit, für meine Kinder da zu sein? Wie viel Zeit bekomme ich mit diesen Kindern?

Wie lange habe ich Zeit, für meine Kinder da zu sein? Genug, damit sie sich erinnern? Genug, damit ich die wichtigen Anker werfen kann, an denen sie sich orientieren und festhalten können, wenn ich mal nicht mehr da bin? Genug, damit sie niemals die Liebe vergessen, die ich für sie empfinde? Genug, damit sie sich lachend erinnern werden an schöne Dinge, die wir erleben?

Ich redete mit einer anderen Mutter darüber: Wie wir ans Sterben denken, wenn wir die Kinder ins Bett bringen, ihnen Pausenbrote machen, sie am Strand in ein Handtuch hüllen. All die kleinen Gesten, gemacht für die Ewigkeit. Wie wir die besonderen Tage noch schöner gestalten, damit sie sich wirklich ins Gedächtnis eingraben. Welche Erinnerungen sind wichtig? An was aus der eigenen Kindheit hält man besonders fest? Wie alt war die eigene Mutter, als sie krank wurde? Wie alt war man als Kind, als Krankheit und Todesnähe Einzug hielten ins bis dahin weitgehend unschuldige Leben?

Ich weiß, dass ich nicht ewig da sein werde. Meine Tage sind gezählt, so wie unser alle Tage gezählt sind. Wir denken nur nie daran.

Jedenfalls nicht, wenn wir Einkaufszettel schreiben, Deadlines verschieben, Wäsche waschen, Kinder kämmen, Geschichten lesen, Eis essen, arbeiten, Kopfschmerzen haben, Sex haben, verreisen, unsere Geliebten küssen, Essen kochen, die Fenster weit aufreißen, Wäsche zusammenlegen… bis plötzlich jemand krank wird. Oder stirbt. Dann wird es uns wieder klar: auch Mütter sterben.

Wir sind nicht unsterblich. Wir sind nur jetzt da!

Wir sind nicht unsterblich. Wir sind nur jetzt da, wir können jetzt für unsere Kinder, unsere Familien, Freunde und Freundinnen da sein, wir können nur jetzt für uns selbst das Beste aus diesen gezählten Tagen machen, die wir unser Leben nennen.

JETZT ist der Moment mit unseren Kindern

Jetzt ist der Moment mit unseren Kindern, der Moment, in dem wir Erinnerungen schaffen, in dem wir Anker werfen, in dem wir uns eingraben in die Lebenslinien unserer Kinder, damit wir nicht vergessen sind, wenn die gezählten Tage ablaufen."

Den kompletten Text von Anna Luz de León findest du auf ihrem Blog berlinmittemom.com.

Anna Luz de León
Anna Luz de León
Themen: Report, Eltern