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Wie kleine Buben zu sexistischen Männern werden

Fragst du dich auch manchmal: Wie konnte aus einem so herzigen Buben nur so ein machomäßiger, misogyner Mann werden? Grund dafür ist unter anderem eine Kleinigkeit, die viele von uns sicher schon gehört und manche auch gesagt haben.

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Wie kleine Buben zu sexistischen Männern werden
© Photo by Kelly Sikkema on Unsplash

Im Leben von Kindern gibt es viele Menschen, die deren Heranwachsen und Charakterbildung beeinflussen können. Selbst mit Kleinigkeiten kann schon einiges angerichtet werden, wie der Künstler Damian Alexander in einem überaus emotionalen Comic aus seiner eigenen Kindheit zeigen möchte.

Und diese Kleinigkeit, auf die er sich bezieht, machen die meisten - ohne darüber nachzudenken. Und ohne zu wissen, was sie damit eigentlich auslösen.

Vielleicht unüberlegt dahin gesagt - aber es hat eine große Wirkung auf Kinder

Damian bezieht sich auf die Unterschiede, die schon von Klein auf zwischen Buben und Mädchen gemacht werden. Und zwar auch in deren Vorlieben: beim Spielzeug, bei Büchern und vor allem bei Charakteren aus Filmen, Serien und mehr, mit denen sich Kinder identifizieren:

"Als ich aufwuchs, war meine Lieblingsfigur Matilda aus dem gleichnamigen Buch von Roald Dahl. Sie war so schlau, und ich konnte mich darin wiedererkennen, wie sie sich in ihrer Familie fehl am Platz gefühlt hat. Dann waren da noch "Anne auf Green Gables", Hermine von "Harry Potter", Mary Poppins, Mulan und so viele mehr. Ich denke, das liegt daran, dass Mädchencharaktere dazu neigen, kreative Problemlösungen anstelle von tumber Gewalt einzusetzen, und das fand ich viel ansprechender." verriet der Comiczeichner in einem Interview mit Bored Panda.

Seiner Familie schien dieser Ansatz egal zu sein: Wenn er beispielsweise lieber eine Puppe gehabt hätte zum Spielen, versuchte man ihn zu einer Actionfigur zu überreden.

"Das ist doch nur was für Mädchen! Das willst du nicht!"

Und genau das ist das Problem. Sexismus sowie (unterschwellige) Frauenfeindlichkeit sind deswegen immer noch so stark in unserer Gesellschaft vertreten, weil diese schon kleinen Buben beibringt, dass man zu Frauen nicht bewundernd aufsehen kann. „Viele Männer unterschätzen Frauen und stufen sie als minderwertiger ein. Weil wir diesen teuflischen Kreislauf haben, in dem wir kleinen Jungen sagen, dass sie Frauen nicht bewundern sollen, und sie dann folglich auch als Erwachsene Frauen weniger achten.
Viele Eltern denken außerdem, dass ihr Sohn - nur weil er Mädchencharaktere mag - plötzlich homosexuell wird. Was natürlich nichts mit der Realität zu tun hat."

Um diesem Teufelskreis ein Ende zu setzen, könnten wir Kinder doch einfach das mögen lassen, was sie mögen. Ohne Wertung. Mag ein keiner Junge beispielsweise Elsa aus "Die Eiskönigin", dann sollte das kein großes Thema sein und man muss ihn diesbezüglich auch nicht berichtigen. Und wenn ein Bub lieber mit Puppen spielen will, ebenso nicht. Und den Satz "Das ist doch nur für Mädchen!" sparen wir uns komplett. Denn was dieser bewirken kann, siehst du noch einmal verdeutlicht in den folgenden Bildern:

Übersetzung: Als Kind konnte ich mich mehr mit weiblichen Charakteren identifizieren. Aber wenn du ein Junge bist, denken Menschen, das sei seltsam.
Eines Tages hatten wir eine Aufgabe in der Schule, worin wir über eine Figur schreiben sollten, zu der wir aufsahen. Ich sagte, meine wäre Matilda.

Der Rest der Klasse lachte darüber und die Lehrerin versuchte mich in eine andere Richtung zu lenken: "Wie wäre es mit einem männlichen Charakter wie Superman, Indiana Jones oder Luke Skywalker?" Ich konnte jedoch nicht erkennen, was an meiner Auswahl falsch sein sollte.

Ich erlebte zuvor schon ähnliche Situationen. Wenn ich einen weiblichen Charakter mochte, machte das aus mir einen Witz. Und irgendjemand würde immer versuchen, mich zu berichtigen. Allerdings hatte meine Lehrerin kein Problem damit, dass Mädchen sich männliche Charaktere aussuchten. Mädchen dürfen männliche und weibliche Vorbilder haben. Buben jedoch nur männliche.

Ich verstand nicht, warum es so schlecht sei, wenn ein Junge ein weibliches Vorbild hat.
Männliche Helden waren für alle da. Aber weibliche Heldinnen exklusiv nur für Mädchen. Für Jungen wäre es beschämend Mädchen zu bewundern.

So entsteht dann diese eigenartige Situation, dass Mädchen etwas über "Girl Power" lernen und ihnen starke weibliche Vorbilder präsentiert werden, während Buben gleichzeitig das Gegenteil gelehrt wird. Ihnen wird gezeigt, dass nur männliche Vorbilder es wert sind bewundert zu werden.

Ihnen wird immer wieder gesagt, dass Dinge für Mädchen peinlich und schlechter sind - bis sie schließlich denken, dass Mädchen selbst peinlich und schlechter sind.

Es ist eine ganz einfache psychologische Rechnung. Aber niemand denkt bei diesen Aussagen an die langfristigen Folgen, die diese auf die Meinungsbildung von Buben in Bezug auf Frauen haben.

Jungen glauben, dass Mädchen nur die zweitbesten oder nur Objekte in ihrer eigenen Sichtweise sind. Weil sie von Geschichten ausgeschlossen sind, die Frauen als Hauptdarstellerinnen zeigen. Buben nicht zu erlauben, weibliche Rollen zu bewundern oder so wie diese sein zu wollen, lässt sie glauben, dass Frauen es nicht wert sind, bewundert zu werden. Was gefährliche Folgen haben kann.

Jungs bleiben Jungs?

Die gleichen Eltern, die bei ihren Töchtern besonders beschützerisch handeln, lehren also ihre Söhnen gleichzeitig, Mädchen nicht zu respektieren sondern zu objektifizieren. Sie finden sogar Ausreden, um deren schlechtes Verhalten zu entschuldigen ohne dieses verändern zu wollen. Es wird sogar als Eigenschaft des Geschlechts und nicht als angelerntes Verhalten gerechtfertigt.

Wenn jemand für seine Tochter starke Vorbilder haben will, warum werden dieselben nicht auch den Buben gezeigt. Warum ist es ein Tabu für einen Jungen, dass er wie ein Mädchen sein möchte - sogar, wenn sie eine Heldin ist?

Thema: Sexismus