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Sie trifft es besonders hart: Wie Gastronominnen den 2. Lockdown erleben

Covid-19 macht uns allen zu schaffen. Aber wie geht es sonst eher erfolgsverwöhnten Frauen, die Hotelresorts leiten und Verantwortung für viele Mitarbeitende und nebenbei noch ihre eigene Familie, tragen? Bis vorerst Ende November mussten sie ihre Betriebe erneut schließen. Vorerst. Wir haben uns umgehört, wie Österreichs Gastronominnen über psychische Täler, Strategien gegen negative Gedanken und ihre größten Hoffnungen denken.

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Sie trifft es besonders hart: Wie Gastronominnen den 2. Lockdown erleben
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Andrea Steiner vom Hotel Steiner in Obertauern:

Am 1. November mussten Sie erneut zusperren: Welche Gefühle löst das in Ihnen aus?
Steiner: Ein Gefühl der Hilflosigkeit und Unsicherheit, wir haben gerade wieder beschleunigt mit voller Vorfreude auf die Wintersaison hingearbeitet, ein tolles Mitarbeiterteam zusammengestellt, Hygienekonzepte erstellt, viel in Marketing und Werbung investiert und dann plötzlich wieder eine Vollbremsung auf null. Ein klein wenig Ärger spielt schon auch mit, derzeit wird der Eindruck erweckt, als ob die Hotellerie und Gastronomie dafür verantwortlich wäre, dass wir wieder im Lock down sind... Trotzdem muss der Optimismus überwiegen: sobald wir wieder dürfen, machen wir das, was wir am Besten können: den Menschen ein wenig Auszeit aus dem stressigen und ernüchternden Alltag bereiten.

Wie haben Sie die Corona-Zeit bis jetzt erlebt?
Steiner: Als der Lockdown im März 2020 kann, war es, als würde man bei einem Auto abrupt auf die Bremse steigt…. Von 120 km/h auf 0. Wir waren ausgebucht im Haus, die letzten intensiven fünf Wochen standen vor der Tür. Wir hatten nochmals die volle Power ausgepackt und freuten uns auf die letzten März und April Wochen der Saison. Und dann… Ende…. Es hat einige Tage gedauert, bis ich mich an diese Situation gewöhnt hatte. Das war so noch nie da gewesen.

Mit welchen negativen Auswirkungen hatten Sie am meisten zu kämpfen?
Steiner: Wir hatten uns gleich im April dafür entschieden, im Sommer den Betrieb nicht zu öffnen. Es war eine sehr schwere Entscheidung. Im Nachhinein gesehen, vielleicht wäre es ein positiver Sommer geworden, vielleicht aber auch nicht. Wir haben 50 Mitarbeitern keinen Arbeitsplatz im Sommer bieten können. Das war schon schwer.

Gab es auch positive Aspekte?
Steiner: Positiv war sicherlich die Zeit zu viert – die wir als Familie so intensiv wie noch nie erlebt haben. Denn es gab ja niemanden als uns rund um uns. Auch unsere Jungs – obwohl der Altersunterschied mit 12 und 8 Jahren schon sehr groß ist und die Interessen jetzt auch schon sehr auseinander gehen – hat diese Zeit umso mehr aneinander geschweißt.

Viele sind in den letzten Wochen in ein psychisches Tal gefallen. Die Unsicherheit macht ihnen zu schaffen. Kennen Sie das auch?
Steiner: Selbstverständlich, wir stehen kurz vor der Wintersaison. Das ist für uns in unserer Branche die wichtigste Zeit. Man stellt sich jeden Tag die Frage, wie wird es werden, wird die Saison funktionieren, werden uns die Gäste besuchen können? Das sind schon psychisch extrem belastende Dinge. Es geht ja nicht nur um uns allein. Wir haben 50 Mitarbeiter, werden wir sie alle den ganzen Winter beschäftigen können?

Was tun Sie gegen negative Gedanken?
Steiner: Ein guter Freund hat einmal gesagt:“ Der Tag dauert gleich lang, egal ob du lachst oder weinst,…“ Positiv bleiben und die negativen Gedanken nicht überhand nehmen lassen.

Was sind Ihre stärksten Hoffnungen?
Steiner: Dass sich viele Menschen wieder an die schöne Winterzeit erinnern, an die Bewegung an der frischen Luft und an das Vergnügen das Schifahren bedeutet. Wichtig ist, sagen die Experten, sein Immunsystem zu stärken – glücklich sein, positiv zu denken und sich immer wieder kleine Auszeiten gönnen – könnte nicht genau das in Wahrheit unser Immunsystem viel mehr stärken?

Wie erlebt Ihre Familie/Kinder diese Zeit? Spüren sie die Veränderung?
Steiner: Ich glaube unsere Kinder spüren diese Zeit am intensivsten. Es ist noch schwierig zu sagen, in wie weit sie diese Zeit prägen wird. Traurig finde ich es, dass sie auf so viele Dinge in der Schule verzichten müssen, die das Lernen und den Schulalltag lustig und spannend machen. Gerade mein großer Sohn wird sehr oft damit konfrontiert, dass Schüler als Superspreader dargestellt werden. Das sehe ich schon sehr kritisch, wenn von Lehrern Aussagen kommen wie „Geht auseinander, sprecht ja nicht zu laut miteinander, am Besten sprecht gar nicht miteinander, schränkt eure sozialen Kontakte ein – denn ihr wisst ja Kinder – sonst müssen wir von zu Hause lernen!“ Möchten wir die nächste Generation wirklich dahingehend erziehen?

Wie schwierig war die Umsetzung der Corona-Maßnahmen in Ihrem Betrieb?
Steiner: Gar nicht schwierig. Wir sind ein Familienhotel. Hygienemaßnahmen und -konzepte sind für uns und unser Team nichts Neues. Wir rücken diese Maßnahmen nun einfach mehr ins Rampenlicht. Wir haben eine eigene Hygieneseite auf unserer Homepage eingerichtet, wo der Gast nochmals nachlesen kann, wie wir arbeiten und worauf bei uns geachtet wird. Zu den bisherigen Maßnahmen, kommen nun noch einige neue dazu. Wie zB das Tragen einen Mund-Nasen-Schutzes von allen Mitarbeitern, oder einer persönlichen Handdesinfektion als Willkommensgeschenk für unsere Gäste.

Kommen die Gäste und Mitarbeitenden gut damit klar oder was sind dabei die größten Herausforderungen?
Steiner: Ich denke das wird sogar sehr gut funktionieren. Wir wollen doch alle arbeiten und wieder Gäste willkommen heißen. Das geht nur, wenn man ihnen ein Gefühl von ungezwungener Sicherheit vermitteln kann.

Was erhoffen Sie sich für 2021?
Steiner: Ich bin ein positiver Mensch – natürlich wird es gut verlaufen.

Mehr Informationen auf hotel-steiner.at.

Ursula Karner vom Karnerhof am Faaker See:

Am 1. November mussten Sie erneut zusperren: Welche Gefühle löst das in Ihnen aus?
Karner: Unverständnis. Dafür, dass einzelne Personen und Personengruppen keine Bereitschaft zeigen, sich in Ihrem Privatleben einzuschränken. Die Konsequenz ist, dass Betriebe schließen müssen und Menschen ihre Arbeit verlieren.

Wie haben Sie die Corona-Zeit bis jetzt erlebt?
Karner: Als eine herausfordernde Zeit, in der auf eine Vielzahl unterschiedlicher Einstellungen und Ansichten bei Gästen und Mitarbeitern reagiert und Rücksicht genommen werden muss. Aber auch als eine Zeit, in der uns bestätigt wurde, dass wir mit unserem Gesamtangebot Geborgenheit und Sicherheit vermitteln können.

Mit welchen negativen Auswirkungen hatten Sie am meisten zu kämpfen?
Karner: Mit der Belastung, die im Team durchgehend spürbar war.

Gab es auch positive Aspekte?
Karner: Der Zusammenhalt in unserem großartigen Team, der durch die Krise nur noch stärker geworden ist.

Viele sind in den letzten Wochen in ein psychisches Tal gefallen. Die Unsicherheit macht ihnen zu schaffen. Kennen Sie das auch?
Karner: Nein, die Umstände fordern aktives Handeln und ich versuche, Kraft aus den vielen positiven Aspekten unserer Arbeit zu tanken. Die Rahmenbedingungen, die nicht beeinflusst werden können, versuche ich gedanklich nicht an mich heran zu lassen.

Was tun Sie gegen negative Gedanken?
Karner: Laufen in der Natur.

Was sind Ihre größten Ängste?
Karner: Generell? Zu versagen… Aber die Angst ist nie ein guter Begleiter, weder privat noch beruflich.

Und was Ihre stärksten Hoffnungen?
Karner: Wir setzen mit unserem Hotel Karnerhof auf persönlichen Service, der in unserem Haus so wichtig ist, die ausgezeichnete Kulinarik, die Naturverbundenheit und die einzigartige Lage direkt am Faaker See. Wir hoffen, dass wir auch weiterhin, während und nach der Krise, für unsere Gäste ein Rückzugsort bleiben, an den sie zu jeder Jahreszeit gerne zurückkehren.

Wie erlebt Ihre Familie/Kinder diese Zeit? Spüren sie die Veränderung?
Karner: Unser kleiner Sohn ist zehn Monate, seine Unbetroffenheit und unschuldige Unbekümmertheit gibt Kraft.

Wie schwierig war die Umsetzung der Corona-Maßnahmen in Ihrem Betrieb?
Karner: Die Abläufe und der Informationsfluss mussten in allen Abteilungen angepasst werden. Es gab interne Diskussionen, weil jeder das Beste für unsere Gäste wollte, aber in unserem großartigen Team beflügelt sich jeder gegenseitig.

Kommen die Gäste und Mitarbeitenden gut damit klar oder was sind dabei die größten Herausforderungen?
Karner: Ja, alles in allem sind wir zufrieden und alle sind gut klar gekommen.

Was erhoffen Sie sich für 2021?
Karner: Wir planen für Herbst 2021 viele Veränderungen und sind positiv, dass es ein gutes Jahr wird.

Mehr Informationen auf karnerhof.com.

Eva-Maria Pürmayer vom Genießerhotel Bergergut in Afiesl-Guglwald:

Am 1. November mussten Sie erneut zusperren: Welche Gefühle löst das in Ihnen aus?
Pürmayer: Eine Mischung aus Traurigkeit und Erleichterung. Am Beginn dominierte die zermürbende Stimmung, wir hätten uns auf einen sehr gut gebuchten November in großartigen Mühlviertler Spätherbst gefreut. Gleichzeitig wurde es v.a. in den letzten Tagen auch schon anstrengend den laufenden Betrieb bestmöglich und so sicher wie möglich aufrecht zu halten. V.a. durch die Reisewarnungen, dann auch durch plötzlich ansteigende, kurzfristige Quarantänen seitens Mitarbeiter und auch Gäste. Jetzt befinden wir uns mit unserem Team im Großputz, sind gemeinsam gut gelaunt und freuen uns auf eine Pause, in der wir uns, hoffentlich gesund, stärken und neue Projekte planen und andenken.

Wie haben Sie die Corona-Zeit bis jetzt erlebt?
Pürmayer: Wie fast alles im Leben hat auch die „Corona-Zeit“ zwei Seiten einer Medaille. Ich habe zum Beispiel die Lockdown-Phase nach anfänglichem Schock privat sehr genossen. Für mich erstmalig mit 100%, ganz bewusster Zeit für Kind und Familie. Einige Mitarbeiter sind bei uns geblieben, es war teilweise sehr entspannt und familiär. Der Frühling hat uns mit viel Sonne beschenkt und wir konnten ein paar kleine, feine Umbauten im Hotel verwirklichen, wie das ersehnte Brotback-Haus mit Holzofen für unsere Haubenküche. Aber wirtschaftliche und emotionale Unsicherheiten, die auch bei Gästen und im Team spürbar sind, prägen den aktuellen Alltag. Gleichzeitig hatten wir mit unserer idyllischen Alleinlage und unserem kleinen, feinen Konzept inmitten Natur Pur im Mühlviertel einen sensationellen Sommer. Fast besser denn je. Auch die Winter-Vorschau entwickelt sich aktuell sehr gut…

Mit welchen negativen Auswirkungen hatten Sie am meisten zu kämpfen?
Pürmayer: Ich kämpfe nicht „gegen Windmühlen“, ich fokussiere und vertraue auf die vielfach auch positiven Seiten und möglichen Entwicklungen in dieser Zeit.

Viele sind in den letzten Wochen in ein psychisches Tal gefallen. Die Unsicherheit macht ihnen zu schaffen. Kennen Sie das auch?
Pürmayer: Ich habe das Unternehmen (damals noch drei Unternehmen) vor vier Jahren, nach dem plötzlichen Freitod meines Vaters, in einer sehr schwierigen, vor allem auch wirtschaftlich angeschlagenen, Situation, übernommen. Vor knapp einem Jahr hatten wir einen weiteren tragischen Schicksalsschlag innerhalb unserer (Unternehmer-)Familie. Wir haben uns wirtschaftlich gerade halbwegs erholt, da kam Corona. Aber ich habe gelernt mit Unsicherheiten umzugehen. Und mich auf die wesentlichen Dinge des Alltags zu fokussieren sowie die vielen positiven Möglichkeiten, die auch, wenn man es zulässt, in jeder herausfordernden Phase entstehen können. Wie sagt man so schön im Volksmund: Was dich nicht umbringt, macht dich stärker. Ja, so ist es!

Was tun Sie gegen negative Gedanken?
Pürmayer: Ich laufe in die Natur, am besten mitten in den Wald. Waldidylle ist bei uns erfreulicherweise ja überall, das hilft mir immer sehr!

Was sind Ihre stärksten Hoffnungen?
Pürmayer: Das Corona auch im positiven Sinne nachhaltige Veränderungen bringt und das bis dato gelebte Gesellschafts- und Wirtschafts-Konzept „schneller, höher, weiter, billiger“ ausgedient hat!

Wie erlebt Ihre Familie/Kinder diese Zeit? Spüren sie die Veränderung?
Pürmayer: Unser Leopold hat im September mit der Schule begonnen. Nicht das beste Jahr zum Schuleinstieg. Auch wenn Kinder, wie ich sehe, sehr gut damit umzugehen lernen, finde ich es doch bedenklich, dass wir Erwachsene wichtige Lerneinheiten wie „Musizieren, Singen, Turnen, kreatives gemeinsames Arbeiten, soziale Kompetenzen, gemeinsame Aktivitäten usw.“ so stark beschneiden… Turnen mit Maske? Singen mit Maske? Keine Umarmung unter Freunden mehr erlaubt? … Eine konstruktive, offene Diskussion fehlt mir hier!

Wie schwierig war die Umsetzung der Corona-Maßnahmen in Ihrem Betrieb?
Pürmayer: Unser Konzept ist dankbarer Weise fast maßgeschneidert. Klein, fein, inmitten Natur pur, „nur“ für Paare, viel Privatsphäre, keine Buffets, kleine Saunen, Tische als „Inseln“,… wir mussten nur wenige Dinge anpassen. Unsere Mitarbeiter konnten wir ausnahmslos mit dem Kurzarbeitsmodell halten. Sie erledigen, einmal mehr, tagtäglich einen sensationellen, höchst passionierten Job mit uns!

Kommen die Gäste und Mitarbeitenden gut damit klar oder was sind dabei die größten Herausforderungen?
Pürmayer: Im Grunde läuft es sehr gut. Es sind diese emotionalen Unsicherheiten, bei Gästen und Mitarbeitern, die vielen Gäste-Telefonate, die kurzfristigen Buchungen & Stornierungen, die verschiedenen Gäste-Meinungen (manche Gäste mögen noch mehr Maßnahmen, manche Gäste wollen sich gar nicht dran halten…) die es herausfordernd machen. Aber wir, hier in Afiesl inmitten grüner Wiesen & Wälder, sind fast so ein bisschen wie auf einer „Insel der Seligen“…

Was erhoffen Sie sich für 2021?
Pürmayer: Was auch immer kommt: es wird ein gutes Jahr! Denn: auch diese Krise hat uns wieder gestärkt! Persönlich, betrieblich, als herzbetontes Team.

Mehr Informationen auf romantik.at.

Teresa Pichler, Haller Suites und Restaurant in Brixen:

In Südtirol gilt seit 5. November ein „Lockdown-light“. Bis zum 22.11. dürfen die Hoteliers vorerst keine Gäste aufnehmen. Welche Gefühle löst das in Ihnen aus?
Ungewissheit und Kopfschmerzen. Es bildet sich aber auch neue Kraft all dem weiterhin Stand zu halten. Ich bin zwar gefasster als beim 1. Lockdown, aber keineswegs fällt es mir leicht ein leeres Haus zu bewachen. Abzuwarten und auf bessere Zeiten zu hoffen ist zäh.

Wie haben Sie die Corona-Zeit bis jetzt erlebt?
Pichler: Intensiv, impulsiv und rastlos. Auf positive aber auch auf negative Weise.

Mit welchen negativen Auswirkungen hatten Sie am meisten zu kämpfen?
Pichler: Als neues Unternehmen, waren beziehungsweise sind wir erst im Aufbau und müssen uns am Markt beweisen. Das ist keine Leichtigkeit in dieser Zeit. Die ständig begleitende Unsicherheit erschwert die Planung und Entscheidungen.

Gab es auch positive Aspekte?
Pichler: Neue Wege schafften neue Sichtpunkte, neue Chancen und viel mehr Selbstreflexion eines jeden.

Viele sind in den letzten Wochen in ein psychisches Tal gefallen. Die Unsicherheit macht ihnen zu schaffen. Kennen Sie das auch?
Pichler: Durchaus. Das heurige Jahr ist eine emotionale Zerreißprobe. In der Zeit vom Lockdown hatte ich viele schlaflose Nächte. Die Unsicherheit und Ungewissheit hat mich zum Workaholic gemacht. Ich dachte, wenn ich nicht 24/7 im Büro sitze und mich um die Zukunft meines Betriebes kümmere geht alles den Bach runter. Für die nächsten Wochen habe ich mir fest vorgenommen mehr Zeit in mich selbst zu investieren.

Was tun Sie, wenn negative Gedanken aufkommen?
Pichler: Zum Glück bin ich ein sehr positiver Mensch. Durch meine Zuversicht, Intuition und Gelassenheit, lasse ich Negatives nicht leicht an mich ran und schaffe mir immer wieder neuen Mut. Wenn die Betrübtheit mich dann doch überkommt, fängt mich meine Familie wieder auf. Sie ist mein größter Halt. Hinter unserem Haus wächst Wein, das macht es auch leichter.

Was sind Ihre größten Ängste?
Pichler: Wenn wir unser Familien Unternehmen aufgrund der Krise verlieren.

Und was Ihre stärksten Hoffnungen?
Pichler: Ich weiß, dass wir es schaffen.
Wie erlebt Ihre Familie diese Zeit? Spüren sie die Veränderung?
Pichler: Da wir ein Familienunternehmen sind – und obendrein sehr gefühlsvolle Menschen – spüren ich sehr deutlich wie jeder mit der Situation zu hadern hat. Der Ernst der Dinge ist jedem bewusst, die Angst um Existenz, die Fragezeichen in die Zukunft. Jeder reagiert anders und doch suchen wir gemeinsam Lösungen. Reden, reden, reden – vor allem Klartext – Ist und bleibt in solchen Zeiten wichtig.

Wie schwierig war die Umsetzung der Corona-Maßnahmen in Ihrem Betrieb?
Pichler: Hygiene ist in der Gastronomie sowieso Alltagsbegleiter, immer schon.
Unser Betrieb bietet viel Fläche für eine überschaubare Anzahl von Gästen, es war also einfach die Abstände einzuhalten. Zudem sind hier bei uns die Kreisläufe klein, die Wege kurz und der Freiraum in der Natur groß. Ich denke, wir sind ein sehr zukunftsfähiges Unternehmen in einem nachhaltigen Umfeld. In solchen Zeiten können wir flexibel reagieren und trotzdem mit voller Service Leistung punkten.

Kommen die Gäste und Mitarbeitenden gut damit klar oder was sind dabei die größten Herausforderungen?
Pichler: Sicherheitsmaßnahmen sind sehr respektvoll in den Alltag integriert, sodass sich niemand eingeschränkt fühlen muss. Ob Gast oder Mitarbeiter, in Sachen Rücksichtnahme auf den Nächsten und Eigenverantwortung haben wir alles was dazugelernt. Aufwändig war es, immer up to date mit den neuesten Maßnahmen zu bleiben. Da raucht einem schon mal der Kopf wenn man starre Regeln in einen sehr spontanen Alltag umsetzen muss.

Was erhoffen Sie sich für 2021?
Pichler: 2021 ist weiterhin mit viel Aufbauarbeit verbunden, mit neuen Zielen und einem persönlichen Meilenstein. Deshalb wird es sicherlich fordernd, spannend und hoffentlich voller guter Überraschungen.

Mehr Informationen auf byhaller.com.

Andrea Herbst, Juniorchefin des Genießerhotels „Die Riederalm“ in Leogang



Am 1. November mussten Sie erneut zusperren: Welche Gefühle löst das in Ihnen aus?
Herbst: Aufgrund der Entwicklung und der Situation in den Nachbarländern, konnten wir in den letzten Tagen vor dem Lockdown schon davon ausgehen. Die Situation ist wirklich zermürbend, da wir ja auch nicht wissen, wie schnell sich die Lage wieder erholt. Das beklemmende Gefühl ist bei allen zu spüren. Nichtsdestotrotz bereiten wir uns auf den Winter vor – die Vorfreude auf den Schnee, aufs Skifahren, auf Winterurlaub ist vorhanden! Und wir verbringen die Zeit gemeinsam mit unserer Familie – mit viel Bewegung an der frischen Luft, Spielen, Kochen,…

Wie haben Sie die Corona-Zeit bis jetzt erlebt?
Herbst: Es war bisher eine wirklich herausfordernde Zeit und ich denke bzw. befürchte, dass dies noch ein paar Monate mit Sicherheit anhalten wird. Gerade zu Beginn wurden wir mit dem Lockdown ja fast über Nacht überrollt und während der ersten Zeit habe ich wirklich jeden Bericht im Fernsehen geschaut und jeden Zeitungsartikel gelesen. Wir haben die ersten Wochen nur mit der Familie verbracht, viel gespielt und gekocht. Dann kam die Zeit des Ungewissen – wie geht es weiter. Überrascht war ich von der bisherigen guten Sommersaison, aber jetzt kommt eben die Unsicherheit wieder zurück.

Mit welchen negativen Auswirkungen hatten Sie am meisten zu kämpfen?
Herbst: Am schwierigsten empfand ich die Zeit mit Ende April / Anfang Mai, als wir nicht wussten, wann wir endlich aufsperren können und mit welchen Maßnahmen, und auch wie reagieren die Gäste? Schlimm war auch die Unsicherheit der Mitarbeiter wie alles weitergeht.

Gab es auch positive Aspekte?
Herbst: Ich persönlich habe die intensive Zeit mit meiner Familie sehr genossen, musste aber die negativen Gedanken und die Unsicherheit ausblenden. Gut finde ich auch, dass viele Menschen mehr Wertschätzung für gute Qualität und gemeinsame Zeit/Aktivitäten bekommen haben – das haben wir bei uns im Hotel wirklich gemerkt.

Viele sind in den letzten Wochen in ein psychisches Tal gefallen. Die Unsicherheit macht ihnen zu schaffen.
Kennen Sie das auch?

Herbst: Selbstverständlich, ich denke, dass davon fast alle Menschen irgendwie betroffen sind. Es fehlen einfach die Erfahrungswerte wie man umgeht, wie lange es dauert bis die Normalität zurückkommt bzw. in welcher Form werden wir weiterhin eingeschränkt sein.

Was tun Sie, wenn negative Gedanken aufkommen?
Herbst: Ich versuche mich bestmöglich abzulenken, gehe an die frische Luft oder betreibe Sport – das hilft mir am meisten. Am Abend versuche ich, dass ich vor dem Bett gehen ein gutes Buch lese, also kein Handy und kein Fernsehen mehr!

Was sind Ihre größten Ängste?
Herbst: Eigentlich, dass sich die Lage nochmals verschlimmert bevor sie besser wird. Und auch, dass diese schwierige Zeit noch länger andauert. Besonders schade finde ich, wenn uns allen und besonders den Kindern diverse Erlebnisse vorenthalten werden. Und ich hoffe sehr, dass die Unbeschwertheit zurückkehrt, einfach auf ein Konzert gehen oder Freunde umarmen, ohne, dass man sich Sorgen machen muss.

Und was Ihre stärksten Hoffnungen?
Herbst: Dass einfach ein Umdenken stattfindet und wir gestärkt aus der Krise kommen. Das Gute mitnehmen und das Schlechte hinter uns lassen.

Wie erlebt Ihre Familie/Kinder diese Zeit? Spüren sie die Veränderung?
Herbst: Meine Kinder gehen sehr pragmatisch mit der derzeitigen Situation um, setzen ganz selbstverständlich den MNS-Schutz auf und achten auf die Hygienemaßnahmen. Es macht sie natürlich traurig, wenn gemeinsame Veranstaltungen, Sport-Events und Schulausflüge abgesagt werden. Beim Homeschooling waren die ersten Wochen recht problemlos, aber Woche um Woche wurde es einfach schwieriger, weil meine Tochter die sozialen Kontakte in der Schule vermisste und auch die Abwechslung.

Wie schwierig war die Umsetzung der Corona-Maßnahmen in Ihrem Betrieb?
Herbst: Dadurch, dass wir eine großzügige Anlage haben, war das mit den Abständen nicht sehr problematisch. Wir haben kurzfristig im April noch unsere Liegewiese extrem vergrößert, an diversen Stellen bei Rezeption und im Restaurant Trennwände eingebaut und das Buffet etwas vergrößert.

Kommen die Gäste und Mitarbeitenden gut damit klar oder was sind dabei die größten Herausforderungen?
Herbst: Also unsere Mitarbeiter sind sehr engagiert, wir tragen MNS und lassen uns wöchentlich im Rahmen der „Sicheren Gastfreundschaft“ freiwillig testen. Auch von unseren Gästen vor Ort bekommen wir viel Lob, sie fühlen sich sehr sicher und auch die Gäste tragen den MNS mit Selbstverständlichkeit (in den Gängen und im Aufzug, beim Buffet). Schwieriger ist die Unsicherheit der Gäste vor Anreise bzw. bei Buchung, weil sie sich vieles nicht so vorstellen können, die Maßnahmen von Land zu Land unterschiedlich sind.

Was erhoffen Sie für 2021?
Herbst: Ich denke, dass der Start im Winter sicherlich schwierig sein wird, wir brauchen einfach die Eigenverantwortung aller, damit die Lage im Rahmen bleibt. Aber als Optimistin hoffe ich, dass ein sicheres Medikament/Impfung entwickelt wird, damit wir einfach zur Normalität zurückkehren können und alles wieder unbeschwerter wird.

Mehr Informationen auf riederalm.com.

Thema: Coronavirus

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