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Gebärmutterhalskrebs: Wie gefährlich ist HPV?

Das Virus kennen viele aus eigener leidvoller Erfahrung. Denn hat man es, besteht die Gefahr von Gebärmutterhalskrebs, Feigwarzen oder anderen Tumorerkrankungen. Neue Therapien sind schonender geworden. Und eine Impfung kann vorbeugend vor HPV schützen. Gebärmutterhalskrebs gehört überhaupt zu den wenigen Krebserkrankungen, die durch geeignete Vorsorgemaßnahmen, wie der HPV-Impfung und der HPV-Testung, weitgehend verhindert werden kann. Unsere beiden Experten haben alle Fakten zu dem humanen Papillomavirus.

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Gebärmutterhalskrebs: Wie gefährlich ist HPV?

HPV - für viele Betroffene erst mal ein großer Schock...

© istockphoto.com

Die jährliche Kontrolle beim Frauenarzt steht an, standardmäßig gehört der Krebsabstrich dazu. Alles ist erledigt, das Thema geistig abgehakt, doch ein paar Tage später kommt die Hiobsbotschaft: Beim Abstrich wurde verändertes Zellmaterial festgestellt...

Der erste Gedanke: Furchtbar, ich habe Krebs. Immerhin gibt es in Österreich jährlich rund 400 Fälle von Gebärmutterhalskrebs. Doch erst mal heißt es Ruhe bewahren. "Ein auffälliger PAP-Befund ist noch kein Anlass zur Sorge", betont Gynäkologin Eva Lehner-Rothe (evarothe-gyn.at). "Es kommt auf die Stufe an." Erst ab "PAP V" handelt es sich definitiv um einen Tumor. Stufe 3 und 4 sind Zellveränderungen, die man beobachten muss. Wir haben die Ärztin gefragt, was das alles mit HPV zu tun hat und wie sinnvoll die Impfung dagegen ist. Gynäkologe Paul Speiser (hpv-therapie.at) klärt über neue Therapiemöglichkeiten auf.

Bitte mit Kondom!


Humane Papillomviren: Was ist HPV?

Übertragung: wie kann man sich mit HPV anstecken?

"So eine Zellveränderung wird in den allermeisten Fällen durch eine Infektion mit dem Humanen Papillomavirus, ausgelöst. Davon sind rund 80 Prozent aller Menschen zumindest ein Mal im Leben betroffen", sagt Lehner-Rothe. Übertragen wird HPV durch sexuellen Kontakt. Ein Kondom hilft, ist aber leider kein sicherer Schutz. Auch Ansteckung über ein gemeinsam benutztes Badetuch ist möglich. Das Tückische: Meist merkt man nichts von der Infektion, weil keine Symptome auftreten.

HPV: Wie viele verschiedene Viren gibt es?

Im Falle einer Infektion schaltet sich normalerweise das Immunsystem ein und bekämpft sie. Erst wenn sie chronisch wird, können Zellveränderungen entstehen. Rund 120 Unterarten des Virus gibt es, viele sind harmlos. Die aggressiven Varianten können jedoch Feigwarzen beziehungsweise langfristig Gebärmutterhalskrebs , aber auch Scheiden-, Schamlippen-, Anal- oder Kehlkopfkrebs auslösen. "Deshalb wird ein PAP III- oder PAP IIID-Befund beobachtet. Bildet sich die Zellveränderung nicht zurück, muss man weitere Maßnahmen treffen", betont Lehner-Rothe.


Gebärmutterhalskrebs in Österreich

Seit der Einführung des Pap-Abstrichs – auch als Krebsabstrich bekannt – konnte die Erkrankungs- und auch Sterblichkeitsrate dabei um zwei Drittel gesenkt werden. Es ist damit eine der erfolgreichsten Vorsorge-Methoden in der Onkologie, dennoch stagnieren die Erkrankungs- und Sterblichkeitsraten. Während der Pap-Abstrich veränderte Zellen erkennt, setzt die HPV-Testung bereits einen Schritt früher an, denn sie erkennt bereits die Ursache für Gebärmutterhalskrebs: eine HPV-Infektion.

Wie funktioniert einen HPV-Test?

Um einen HPV-Test durchzuführen, wird – wie beim Pap-Abstrich – mit Hilfe einer kleinen Bürste Zellmaterial vom Gebärmutterhals entnommen. Untersuchungen der letzten Jahre haben gezeigt, dass Tests auf HPV-Infektionen die Sicherheit der Krebsvorsorge-Untersuchung deutlich verbessern können.

Gebärmutterkrebs - Unterleibskrebs - Sabine Oberhauser


Wer sollte einen HPV-Test machen?

Im Sommer 2018 gab die Österreichische Gesellschaft für Gynäkologie und Geburtshilfe (OEGGG) neue Leitlinien zur Prävention von Gebärmutterhalskrebs heraus. Darin heißt es: „Im Rahmen des derzeit bestehenden opportunistischen Zervixkarzinom-Vorsorgeprogramms (sprich: Gebärmutterhalskrebs) soll Frauen ab dem 30. Lebensjahr zumindest alle 3 Jahre ein validierter HPV-Test empfohlen werden.“

Neue Behandlungsansätze

Eine relativ neue Möglichkeit, die vielen Frauen Hoffnung gibt, ist das DeflaGyn Vaginalgel. Das rezeptfreie Medizinprodukt (Monatspackung um € 49,90 in der Apotheke) wurde vom österreichischen Unternehmen Gynial entwickelt. Es fördert eine Spontanremission bei PAP III- und PAP IIID-Abstrichen in über 70 Prozent der Fälle.

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Was bedeutet ein PAP IV-Befund?

Bleibt die Zellveränderung bestehen beziehungsweise handelt es sich um einen PAP IV-Befund, wird eine weitere Behandlung nötig. In den meisten Fällen ist das eine Konisation , ein operativer Eingriff, bei dem die betroffenen Zellen am Muttermund unter Narkose herausgeschnitten werden.

HPV - es muss nicht immer gleich eine Operation sein...

Doch es gibt auch andere Methoden, die etwa Paul Speiser anwendet: "Nichtoperative Verfahren wie Laser oder Kryotherapie, also eine Kältetherapie mit Flüssigstickstoff, sind in den USA bereits anerkannt. Eine weitere Methode ist die Behandlung mit dem Wirkstoff Trichloressigsäure. Trägt man diese Säure auf, gehen die oberflächlichen Zellen zugrunde und schälen sich ab. In der Kosmetik wird das seit Langem angewendet. "In den österreichischen Behandlungsleitlinien sind diese Verfahren noch nicht niedergeschrieben, was Speiser bedauert: "Das amerikanische Pendant beinhaltet alle diese Methoden, bewertet die operativen & nicht operativen Maßnahmen gleichwertig." Gerade bei jüngeren Frauen mit Kinderwunsch ist Speiser mit einer OP zurückhaltend, da so ein Eingriff bei späterer Schwangerschaft ein Komplikationsrisiko sein kann. Die Säure- Behandlung ist, wie Studien zeigten, schon bei erstmaliger Anwendung bei 83 Prozent aller Betroffenen erfolgreich. Bei zwei Behandlungen sind es 92 Prozent.


HPV-Impfung: Schutz durch Impfung?

Eine vorbeugende Maßnahme gegen HPV ist die Impfung. Die ist seit 2014 als Teil des Schulimpfprogramms in der vierten Schulstufe kostenlos . Also vor dem ersten sexuellen Kontakt. Immunisiert werden Mädchen und Buben. Analysen der weltweiten HPV-Impfprogramme zeigen, dass Genitalwarzen und Krebsvorstufen dadurch deutlich zurückgehen, die Injektion gilt als gut verträglich. Beim Todesfall eines jungen Mädchens, der vor einigen Jahren mit einer HPV-Impfung in Verbindung gebracht wurde, zeigten sich nach genauer Untersuchung keine Hinweise auf einen ursächlichen Zusammenhang.

Was kostet die HPV-Impfung

Empfohlen wird der Impfschutz von vielen Ärzten übrigens auch für erwachsene Frauen bis 45. Denn, erklärt Lehner-Rothe: "Man unterstützt den Körper damit in seiner Abwehr." Aktuell wird eine 9fach-Impfung gegen die aggressivsten Stämme in drei Tranchen verabreicht. Kostenpunkt: € 600,-.

Kommentare

Sarah Wolfgruber

Bitte nicht pauschalisieren dass die HPV Impfung in der 4. Schulstufe kostenlos ist. Von Bundesland zu Bundesland ist es möglich dass die Impfgrenzen abweichen. In der Stmk ist es bislang so, gratis vom 9. bis zum 12. Geburtstag, ab dem 12. Geburtsatg bis zum 15. Geburstag ist die Impfung zum Selbstkostenpreis über die öffentlichen Impfstellen erhältlich. Ca. 50-55€ pro Impfung, 2 sind notwendig.

WOMAN

Liebe Sarah! Vielen lieben Dank für deine Rückmeldung - und dein Lob! Das werden wir gleich in den Artikel einarbeiten!