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Was steckt in Light Produkten?

"Leichte“ Lebensmittel unter die Lupe: Sind sie gesünder? Helfen sie beim Abnehmen? Wie verhält es sich mit Zusatzstoffen? Die Antworten überraschen.

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Was steckt in Light Produkten?

Käse: In Light Produkten stecken zahlreiche Zusatzstoffe

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Kalorienreduzierte Produkte boomen: Wurstwaren, Milch, Käse, Müsliriegel, Softdrinks, Knabbergebäck - von all diesen Nahrungsmitteln und noch vielen mehr gibt es leichte Varianten. Beeindruckende 90 Millionen Euro macht der Markt für Light-Produkte in Österreich jährlich aus - Tendenz steigend. Als Käufer erhoffen wir uns dadurch gesündere Ernährung und erwarten Hilfe beim Abnehmen. Begriffe wie "light“, "fettarm“ oder "Wellness“ suggerieren schließlich Gesundheit und Wohlbefinden. Aber halten die "Leichtgewichte“ tatsächlich, was sie versprechen? WOMAN hat nachgefragt.

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Was bedeutet "Light"? Wo "light“ draufsteht, ist weniger drin. Weniger Fett, weniger bis gar kein Zucker. Nicht zu verwechseln mit "Diät“-Produkten, die als Spezialnahrung, etwa für Diabetiker, produziert werden. Sie sollen Betroffenen die Ernährung erleichtern und sind nicht zum Abnehmen gedacht. Anders die Light-Produkte: "Sie müssen mindestens 30 Prozent weniger Kalorien haben als herkömmliche Varianten“, erklärt Ernährungsexpertin und Sportwissenschafterin Cathrin Drescher (cathrindrescher.at). "Als "fettarm“ werden Nahrungsmittel bezeichnet, bei denen der Fettgehalt unter drei Gramm pro 10 Deka - etwa bei Wurst - bzw. bei unter 1,5 Gramm auf 100 Milliliter, z.B. Milch, liegt.“

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Welche Auswirkungen hat "light" auf den Geschmack? Fett ist ein wichtiger Geschmacksträger. Viele Aromen entfalten sich erst in Verbindung damit. Um den fehlenden Geschmack in fettarmen Produkten auszugleichen, wird deshalb mit Glutamat, Glycin, Chloriden, Lactaten, Hefeextrakt oder Aromen nachgeholfen. Viele dieser Stoffe können, je nachdem wie gut man sie verträgt, Kopfschmerzen, Durchfall, vermehrte Produktion von Harnsäure oder allergische Reaktionen zur Folge haben. Deshalb: Angaben auf der Verpackung vorher lesen!

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Wie viel Zucker darf in "Light-Produkte"? Um den fehlenden Geschmack auszugleichen, wird Light-Produkten oft mehr Zucker zugefügt. Dann hat das leichte Joghurt oder die leichte Topfencreme im Endeffekt gar nicht weniger Kalorien. Aus diesem Grund weichen Hersteller gerne auf Süßstoff aus. Besonders beliebt sind Aspartam, Cyclamat, Saccharin und, seit einiger Zeit, Steviosid, das aus der Stevia-Pflanze gewonnen wird. Dass Süßstoffe nicht gerade gesund sind (von abführender bis zu krebserregender Wirkung) weiß man aus vielen Studien. "In größeren Mengen machen Süßstoffe sogar hungrig. Ein Grund, warum sie auch in der Mast verwendet werden: Die Tiere fressen dann mehr“, erklärt Drescher. Im Tierversuch mit Ratten fanden US-Wissenschaftler heraus, dass die Kombination von Süße und fehlenden Kalorien unseren Stoffwechsel so verwirrt, dass wir weniger schnell satt werden und Nährstoffe schlechter verwerten. Besonders gefährlich sind Süßstoffe in Erfrischungsgetränken. Zahlen aus den USA bestätigen: Seit Einführung von Softdrinks light ist die Zahl der Fettleibigen sogar deutlich gestiegen. Ernährungsprofi Drescher empfiehlt: "Wenn es Saft sein muss, dann wähle gespritzten Apfelsaft oder andere Fruchtsäfte. Softdrinks gibt es nur in Ausnahmefällen. Und wenn du bei Speisen wirklich nicht auf zusätzliche Süße verzichten kannst, nimm' lieber wenig Zucker anstatt künstlichen Süßstoff. Dadurch lernt der Körper, Süße wieder richtig einzuschätzen und braucht nach einer Weile gar nicht mehr so viel davon.“

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Wie sieht es mit der Konsistenz der leichten Nahrungsmittel aus? Der Mensch ist ein Gewohnheitstier. So leicht kann man seinen Gaumen nicht täuschen. Gleicht ein Produkt in Geschmack und Konsistenz nicht dem, was wir bereits kennen und erwarten, mundet es uns nicht wirklich. Wird aber Fett reduziert, ändert sich auch die Konsistenz. Zum Ausgleich werden deshalb Verdickungsmittel wie Johannisbrotkern- und Guarkernmehl eingesetzt. Da diese natürlichen Ursprungs sind, dürfen sie ohne Höchstmengenbeschränkung verwendet werden. Künstliche Verdickungsmittel wie Sorbit oder Alginsäure können zu Kopfschmerzen oder Durchfall führen.

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Welcher Fettersatz wird verwendet? Weiters wichtig für die Konsistenz von Light-Produkten sind Fettersatzstoffe. Diese täuschen die sensorischen Eigenschaften eines Fettes vor und sorgen für das richtige Mundgefühl. Hergestellt werden sie aus Hühner- und Milcheiweiß oder aus Mais- und Kartoffelstärke und so werden sie auch in der Zutatenliste deklariert. Der Vorteil: Damit lässt sich die Kalorienmenge wirklich reduzieren. Sie werden wie Eiweiß oder Kohlenhydrate verstoffwechselt und liefern statt neun Kalorien pro Gramm nur noch vier. Der Nachteil: Die Fettersatzstoffe sind so bearbeitet, dass sie kaum mehr Nährwert besitzen. Und: Wird Weizenstärke verwendet, spüren Menschen mit Gluten-Unverträglichkeit oder Zöliakie die Folgen.

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Wie viel Wasser ist enthalten? Auch mit Wasser wird gern getrickst, um Lebensmittel leichter zu machen. Bei Wurst oder Frischkäse wird einfach dieser Anteil erhöht, um so Fett einzusparen. Was logisch und unbedenklich klingt, hat aber ungesunde Auswirkungen. Denn um mehr Wasser in Wurst- und Schinkenprodukten zu binden, braucht man nicht nur Verdickungsmittel, sondern auch Salz und Phosphate. Zu viel Salz aber ist für Krankheiten wie Bluthochdruck verantwortlich und belastet die Nieren. Zudem braucht man extra Konservierungsstoffe, damit das Produkt nicht vorzeitig verdirbt. Ernährungsprofi Drescher betont noch einmal: "Die Liste mit den Zutaten immer genau anschauen. Manche dieser Stoffe gelten als allergieauslösend und krebsfördernd!“ Die besondere Ironie: Obwohl durch das zusätzliche Wasser weniger Rohmaterial verwendet wird, ist Light-Wurst meist teurer. Immerhin verspricht sie ja, beim Kaloriensparen zu helfen. Das kostet.

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"Light Produkte" als Kalorienfalle. Fazit: Light-Produkte halten nicht, was sie versprechen. Gesünder sind sie keinesfalls, da sie zu viele Ersatzstoffe enthalten. Und was das Abnehmen betrifft: Langzeitstudien zeigen, dass sie wenig bis nichts zum Kiloschwund beitragen. Denn: "Wir neigen dazu, mit gutem Gewissen mehr von etwas zu essen, wenn "leicht“ draufsteht“, weiß Drescher. " So haben wir am Ende oft mehr Kalorien verspeist, als bei einer normalen Portion eines herkömmlichen Produkts“. Auch das verminderte "Befriedigungsgefühl“ nach dem Essen sowie die "Verwirrung des Stoffwechsels“ durch Süßstoffe führen zu mehr Appetit. Aus ernährungswissenschaftlicher Sicht ist es viel vernünftiger, die normale Produktvariante zu essen, dafür die Menge zu verringern. Lassen dich nur in Ausnahmefällen von Kalorienbomben verführen. Dann aber lieber richtig!

Thema: Ernährung