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Wie lebt es sich eigentlich als ...

... junger Mann im Ausland? Wie gestaltet sich ihr Tagesablauf, welche Vorteile meinen Burschen gegenüber Frauen zu haben und welche Sorgen machen sie sich? Wir haben Bolei Zhang aus China und Kit Jackson aus England um Antworten gebeten.

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Bolei Zhang, 28, macht seinen PhD in Nanjing University, Nanjing, China. Er ist Single, liest gerne, schaut am liebsten Fernseh-Serien an.

WOMAN: Wie sieht dein gewöhnlicher Tagesablauf aus?

Bolei: Ich arbeite in einem Labor. Abends mache ich Sport, spiele Fußball oder jogge. Danach lese ich oder schaue mir am liebsten Serien im Fernsehen an.

WOMAN: Was bedeutet es in deinem Land als Bub geboren worden zu sein?

Bolei: Ich bin verantwortlich für die Familie. Das wird wohl auch in den nächsten Generationen so bleiben.

WOMAN: Was wäre anders, wenn du als Mädchen geboren worden wärst?

Bolei: Ich würde da nicht so viel Unterschied merken. Vielleicht würde ich in einer kleineren Stadt leben, einen schlechter bezahlten Job ausüben, aber mit weniger Druck.

WOMAN: Im Vergleich zu jungen Frauen in deinem Alter: Wo siehst du die größten Unterschiede?

Bolei: Ich kann mich auf meine Karriere konzentrieren und muss mich zum Beispiel nicht um ein Baby kümmern. Ein Kind zu haben, ist oft ein gewaltiger Einschnitt im Leben einer Frau. Sie muss stark zurückstecken, auch bezüglich ihrer Karriere.

WOMAN: Was denkst du über die Vaterrolle? Kannst du dir vorstellen in Väterkarenz zu gehen?

Bolei: Ich würde nicht zu lange zu Hause bleiben. Das ist in China generell nicht üblich. Da kümmern sich in erster Linie die Großeltern um das Kind, damit auch die Mutter möglichst schnell wieder arbeiten gehen kann.

WOMAN: Was ist mit Hausarbeit? Wie denkst du da über Gleichberechtigung?

Bolei: Natürlich denke ich, dass Frauen und Männer da gleichberechtigt sein sollten. Aber das hängt ja in erster Linie vom Paar ab, wie man das vereinbart.

WOMAN: Was meinst du ist typisch männlich?

Bolei: Ich denke, dass Männer die Verantwortung über das Einkommen der Familie tragen.

WOMAN: Und was ist für dich typisch weiblich?

Bolei: Ich denke eine typische Frau ist freundlich und weise.

WOMAN: Was planst du in deiner Zukunft?

Bolei: Ich möchte mein Know-How erweitern und meine Karriere weiter vorantreiben.

WOMAN: Was sind deine größten Sorgen?

Bolei: Dass ich mit meinem Geld nicht auskomme …

WOMAN: Was bedeutet Luxus und Glück für dich?

Bolei: Ich glaube an harte Arbeit und ein angenehmes Leben. Wenn ich mir dann mal etwas leiste, ist das schön, aber nicht sehr wichtig für mich.

WOMAN: Was meinst du wie dein Leben in fünf Jahren aussehen könnte?

Bolei: Ich habe meinen Doktor gemacht und einen guten Job gefunden. Vielleicht bin ich auch schon verheiratet ...

Kit Jackson, 23, Fremdsprachen Studium an der University of Durham, England; Hobbys: Reisen (oder zumindest davon träumen!), Radfahren, Filme ansehen, Musik anhören, Wein trinken, mich mit gutem Essen voll stopfen ...

WOMAN: Wie sieht dein gewöhnlicher Tagesablauf aus?

Kit: Ganz normal und langweilig, ehrlich gesagt! Es gibt hier gar nichts Interessantes zu erzählen!

WOMAN: Was bedeutet es in deinem Land als Bub geboren worden zu sein?

Kit: Für mich persönlich bedeutet das so gut wie gar nichts. Eigentlich fühle ich mich weder männlich noch weiblich, oder besser gesagt, ein bisschen von beiden. Ich glaube, dass wir alle in unterschiedlichen Maße "beides" sind. Aber zurück zur Frage glaube ich, dass obwohl die Situation im Laufe der Jahrzehnten in Großbritannien sich verbessert hat, hat man als Mann immer noch gewisse Privilegien gegenüber Frauen. Zum Beispiel gibt es immer noch ein Lohngefälle zwischen Männern und Frauen wie auch in vielen anderen sozial fortschrittlichen Ländern. Nicht zu schweigen von den obsoleten aber hartnäckigen Vorurteilen …

WOMAN: Was wäre anders, wenn Du als Mädchen geboren worden wärst?

Kit: Als schwuler Mann denke ich manchmal, dass ich vielleicht glücklicher als eine (heterosexuelle) Frau wäre, weil das ja akzeptabler ist (!) und weil ich mich schon nicht nur einmal eher wie ein Mädchen gefühlt habe. Aber natürlich gilt das nicht für alle schwulen Männer, und natürlich sind Geschlecht und Sexualität zwei völlig unterschiedliche Sachen. Ich muss aber hinzufügen, dass ich sehr glücklich bin, so wie ich bin, und würde nichts ändern!

WOMAN: Im Vergleich zu jungen Frauen in deinem Alter: Wo siehst du die größten Unterschiede?

Kit: Es gibt sicherlich viele, und ich habe schon die Vorteile in der männerdominierten Arbeitswelt gestreift. Für mich sind diese die prominentesten Probleme in Ländern wie Großbritannien in Bezug auf den Kampf um Geschlechtergleichheit. Ich möchte auch erwähnen, dass ich oft daran denke, dass ich alleine in der Nacht durch die Stadt viel sicherer und bequemer als eine Frau gehen kann, besonders wenn man an die Geschehnisse in Köln zu Silvester denkt. Ich will nicht sagen, dass Frauen nötigenfalls sich nicht verteidigen können, natürlich können sie das! Jedoch glaube ich auch, dass Frauen bestimmte Vorteile gegenüber Männer haben, wenn auch nicht so viele! Und natürlich geht Diskriminierung in beide Richtungen. Wir alle wissen, dass es auch sehr unangenehme Vorurteile gegen Männer gibt, zu einem dass wir alle sexistisch sind!

WOMAN: Was denkst du über die Vaterrolle? Kannst du dir vorstellen in Väterkarenz zu gehen?

Kit: Das würde ich sehr gerne machen! Und ich glaube, dass man Elternzeit gar nicht mehr als eine rein weibliche Angelegenheit betrachten sollte. Wer am besten in der Lage ist, das zu machen, egal ob das der Mann oder die Frau ist, sollte diese Aufgabe übernehmen. Das ist ja schon möglich in Großbritannien, aber ich glaube nicht, dass unser System so gut ausgebaut ist wie, zum Beispiel, in den skandinavischen Ländern.

WOMAN: Was ist mit Hausarbeit? Wie denkst du da über Gleichberechtigung?

Kit: Auf jeden Fall! Beide machen das Haus zu einem Schweinestall, beide müssen aufräumen! Dazu gibt es nichts mehr zu sagen! Ich würde aber hinzufügen, dass wenn ich in früheren Zeiten gelebt hätte, würde ich es vielmehr vorziehen, zu Hause in der Küche mit den Kindern zu bleiben und mich um das alle zu kümmern, als ins Bergwerk gehen zu müssen, oder in einem Krieg kämpfen zu müssen!

WOMAN: Was meinst du ist typisch männlich/weiblich?

Kit: Ich könnte viele Stereotypen und traditionell "männliche" bzw. "weibliche" Verhaltensweisen auflisten; will ich aber nicht! Stattdessen glaube ich, dass man diese geschlechtsspezifischen Erwartungen abbauen sollte, nicht zuletzt weil sie lauter Quatsch sind! Mit mir als Betamännchen ist das besonders zutreffend! Ich fühle mich hier verpflichtet zu sagen, dass ich eine Barbie-Puppe hatte, als ich vier Jahre alt war! Ich habe sie sogar in die Schule für Show-and-Tell gebracht! Offensichtlich waren diese Regeln mir schon völlig egal! In der Grundschule waren auch die Mehrheit meiner Freunde eigentlich Freundinnen – ich passte immer viel besser zur Welt der Mädchen …

WOMAN: Was planst du in deiner Zukunft?

Kit: Keine Ahnung! Hoffentlich gut! Zurzeit arbeite ich als Übersetzer in Berlin, aber im Juli kommt es zu seinem Ende, und ich muss mir was anderes ausdenken! Solange ich glücklich bin, ist es mir völlig egal, was ich in der Zukunft mache. Ich bin mir aber ziemlich sicher, dass ich nie steinreich sein werde, außer wenn ich im Lotto gewinne! Ich bin gar nicht karriereorientiert, gar nicht wettbewerbsfähig und gar nicht ehrgeizig. Vielleicht ist es besser so?

WOMAN: Was sind deine größten Sorgen?

Kit: Ich habe fast keine… ich bin aber auch sehr jung. Natürlich habe ich meine eigenen Probleme wie jeder andere, aber im Vergleich zu vielen anderen Menschen auf diesem Planeten bin ich sehr glücklich. Ich kann mich wirklich nicht beschweren!

WOMAN: Was bedeutet Luxus und Glück für dich?

Kit: Diese beiden gehen Hand in Hand miteinander. Es gibt Menschen, die für ihren luxuriösen Lebensstil gearbeitet haben, aber sie sind die Ausnahme und nicht die Regel. Das war immer so und leider wird es wohl immer so sein.

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