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Wie hart ist der Polit-Job?

Viel Kritik, wenig Schlaf, ungesunde Ernährung: Das Leben von Spitzenpolitikerinnen trägt nicht gerade zur Lebensqualität bei. Wir zeigen drei, die damit zu kämpfen haben, und drei, die dem Job keine Träne nachweinen.


Wie hart ist der Polit-Job?
© Teresa Zötl

Barbara Prammer, 58, Nationalratspräsidentin

Wenn ich an meinen ersten Tag als Nationalratspräsidentin denke …
Respekt und Ehrfurcht vor dieser großen, herausfordernden Aufgabe.

Bei diesem Terminvorschlag lege ich mein Veto ein …
Wenn er mit einer Geburtstagsfeier in meiner Familie kollidieren würde.

Im Job bin ich …
Politik ist für mich kein Job, sondern hohe Verantwortung.

So rette ich mich über eine unangenehme Situation …
Dinge offen ansprechen hilft fast immer.

Stress empfinde ich, wenn …
Es Terminkollissionen gibt.

Zermürbend an meinem Job finde ich …
Nichts. Ich habe mein Amt freiwillig angenommen. Manches in der Politik könnte allerdings schneller gehen.

Als Frau hat man es in der Politik …
Oft schwerer als männliche Kollegen. In Positionen wie der meinen mag ich aber nicht mehr unterscheiden.

In meinem Kleiderschrank habe ich vor allem …
Viel Zeitloses.

Als Frau wird man in Sachen Stil kritischer beäugt. Das ist für mich …
Unfair, aber leider Tatsache.

Wäre ich nicht Politikerin, wäre ich …
Soziologin, vermutlich in meinem ursprünglichen Beruf beim AMS.

Johanna Mikl-Leitner, 48, Innenministerin

Wenn ich an meinen ersten Tag als Ministerin denke …
Ist es für mich vor allem kaum zu glauben, dass dieser schon wieder ein Jahr her ist.

Bei diesem Jobangebot würde ich sofort zusagen …
Ich habe meinen Traumjob.

Lampenfieber habe ich …
Wenn meine Töchter einen Ballettauftritt haben.

Im Job bin ich …
Hart in der Sache, rasch in den Entscheidungen und menschlich im Umgang.

Diese Kritik hat mich sehr verletzt …
Kritik verletzt mich nicht, ich versuche sie für mich zu nützen.

Stress empfinde ich …
Wenn ich Freunde eingeladen habe und mit dem Kochen noch nicht fertig bin.

Als Frau hat man es in der Politik …
Nicht immer leicht, weil man immer besser sein muss als die Männer.

Meine beste Ausrede …
„Ich stehe im Stau!“

Mit diesem Kleidungsstück würde ich gerne mal zu einem Termin gehen …
Shorts.

Das muss mein Partner aushalten …
Wenig Zeit mit mir.

Wäre ich nicht Politikerin, wäre ich …
Im Verlagswesen.

Eva Glawischnig, 43, Grünen-Chefin

Wenn ich an meinen ersten Tag als Grünen-Chefin denke …
Jessas.

Bei diesem Terminvorschlag lege ich mein Veto ein …
Zu viele Abendtermine, das akzeptieren meine Kinder nicht.

Diese Politikerphrase habe ich mir selbst verboten …
Ich hab’ mir selbst verboten auszuweichen und dadurch Fragen nicht zu beantworten.

Ein guter Arbeitstag beginnt mit …
Einem schnellen Kaffee vom Bäcker bevor die Straßenbahn kommt.

Im Job bin ich …
Der Fels in der Brandung.

Zermürbende an meinem Job finde ich …
Reformstillstand.

Motivierend hingegen finde ich …
Jede Chance auf Veränderung.

Als Frau hat man in der Politik …
Wenige Kolleginnen.

Das habe ich seit meinem Polit-Dasein nicht mehr getragen …
Während meiner Zeit als Umweltaktivistin hatte ich immer Handschellen dabei, wenn wir zu einer Besetzung gefahren sind, jetzt nicht mehr.

Mit diesem Kleidungsstück würde ich gerne mal zu einem Termin gehen …
Mein älterer Sohn hat mir zu meinem Geburtstag ein goldenes Kleid geschenkt – leider gab es noch keinen passenden Termin zum Auführen.

Andrea Kdolsky, 49, Ex-Gesundheitsministerin

Wenn ich an meinen ersten Tag als Ministerin denke …
Es war aufregend! Sogar ein wenig irreal, ein bisschen wie ein Film, der gerade an einem vorüberzieht.

Diese Politikerphrase hatte ich mir selbst verboten …
Wir bilden eine Arbeitsgruppe.

Stress empfand ich, wenn …
Es absehbar war, dass ich aufgrund zu knapper Terminplanung und schlechter Verkehrsverhältnisse zu einem Termin zu spät kommen würde.

Da plagte mich ab und an das schlechte Gewissen …
Zu wenig Druck für ein einheitliches Jugendschutzgesetz gemacht zu haben.

Zermürbend am Polit-Job fand ich die Erkenntnis, dass …
Wichtige und notwendige große Reformen für Österreich und seine Menschen am Widerstand Einzelner scheitern können.

Motivierend hingegen fand ich …
Nette Worte von Menschen, die ich auf der Straße oder auch bei Veranstaltungen getroffen habe.

Dieses Kompliment hätte ich gerne bekommen …
Sie hat mit den Themen, die Sie zum österreichischen Gesundheitssystem anspricht, Recht (gehabt).

Das musste mein Partner aushalten …
Keine Zeitressourcen.

Zum Abschalten und Entspannen …
Machte ich Gartenarbeit, ging im Wald spazieren.

Claudia Bandion-Ortner, 45, Ex-Justizministerin

Wenn ich an meinen ersten Tag als Ministerin denke …
Ich kann nur sagen: Wahnsinn! Vormittags Angelobung, erster Besuch im Ministerium und Zusammentreffen mit allen Mitarbeitern. Dann ging es mit dem Auto gleich nach Prag, weil der informelle EU-Ministerrat stattfand. Dort lernte ich gleich so ziemlich alle EU Innen- und Justizminister kennen, am Abend hängte ich unabsichtlich meinen mir zugeteilten Bodyguard ab....

Lampenfieber hatte ich, wenn …
Ehrlich gesagt vor einer ZiB2 oder einer Pressestunde. Live-Übertragungen waren für mich als Diabetikerin immer eine große Herausforderung, zumal ich Angst vor Unterzuckerungen hatte. Nervös war ich auch, als ich einen Pokal am Ende der Vierschanzentournee überreichen durfte, es war nämlich der Weg aufs Podest sehr eisig und ich hatte einen riesigen Glaspokal in den Händen …

Ein guter Arbeitstag begann in meiner Politzeit mit …
Allen wichtigen Tageszeitungen und dem Studieren des Terminplanes im Dienstwagen und nicht allzu vielen Kurven. Es war für mich anfangs wahnsinnig schwierig, im Auto zu lesen, weil mir dabei immer schlecht wurde, aber man gewöhnt sich offenbar an alles!

Diese Kritik an meiner Person hat mich damals sehr verletzt …
Ich war echt traurig, als man mich als luxuswütige und abgehobene Person darstellte (Busspur, Dienstwagen, etc ). Leute, die mich kennen, wissen, dass ich - ganz im Gegenteil - nie Bodenhaftung verloren habe und immer bescheiden war und Privilegien verabscheue.

Dieses Kompliment hätte ich gerne bekommen …
Dass ich in den über zwei Jahren eigentlich sehr viel zustande gebracht habe (immerhin 28 großteils wichtige Gesetze – von der eingetragenen Partnerschaft bis zur Insolvenzrechtsreform, von strengeren Bestimmungen gegen Kinderpornografie bis hin zur Kronzeugenregelung)

Zermürbend am Polit-Job fand ich …
Dass Politiker oft gegen etwas sind, nur weil die Idee von Leuten kommt, die nicht ihrer Partei angehören.

Motivierend hingegen fand ich …
Wenn sich z.B. im Supermarkt irgendwer für ein bestimmtes Gesetzesvorhaben bedankte (ist oft passiert beim Thema "gemeinsame Obsorge").

Das Ungesündeste an meinem Job war …
Der Job. Unregelmäßiges Essen, wenig Bewegung, wenig Schlaf … Nicht wirklich diabetesfreundlich!

In meinem Kleiderschrank hatte ich vor allem …
Graue oder beige, vielleicht noch dunkelblaue, schlichte Oberteile.

Das habe ich seit meinem Polit-Aus nicht mehr getragen …
Graue oder beige, vielleicht noch dunkelblaue, schlichte Oberteile.

Christine Marek, 44, Ex-Staatssekretärin

Wenn ich an meinen ersten Tag als Staatssekretärin denke …
War ich sehr sehr stolz und demütig vor dem Amt, aber auch voller Vorfreude.

Lampenfieber hatte ich, wenn …
Ich vor Fachpublikum in einem mir neuen Themenbereich bestehen musste.

Diese Politikerphrase hatte ich mir selbst verboten …
Verspreche nichts, wenn Du nicht sicher sagen kannst, dass Du es halten kannst.

Diese Kritik an meiner Person hat mich damals sehr verletzt …
Lügen in (bestimmten) Medien, die noch dazu sehr persönlich waren.

Bei diesem Thema fiel es mir schwer objektiv und sachlich zu bleiben …
Ungerechtigkeit, Dummheit und Borniertheit.

Da plagte mich ab und an das schlechte Gewissen …
Zu wenig Zeit für die Familie.

Die ewige Kritik an Politikern ist …
Nur zum Teil gerechtfertigt. Es ist unfair, dass aufgrund einiger Unanständiger auf alle geschlossen wird.

Zermürbend am Polit-Job finde ich …
Dass gute und wichtige Dinge oft aufgrund irrationaler bzw. unsachlicher Argumente oder Einzelinteressen nicht bewegt werden können.

Als Frau wird man in Sachen Stil kritischer beäugt. Das ist für mich …
Damit muss man als Frau halt leben und sich dessen bewusst sein. Jammern hilft nix.

Kinder und Politjob waren …
Eine echte Herausforderung.

Einen unruhigen Schlaf hatte ich, wenn …
Phasenweise überhaupt keine Zeit zum Regenerieren mehr war.

Redaktion: Katrin Kuba