Ressort
Du befindest dich hier:

Wie beinflussen Pornos Jugendliche?

Pornos im Netz, Pornos am Handy, Pornos im Jugendzimmer. Kaum ein Teenie, der noch kein Filmchen gesehen hat. Aber wie weit beeinflusst die unrealistische Performance der Porno-Darstellung die Vorstellung von Sex?

von

Wie beeinflussen Pornos Jugendliche?
© iStockphoto.com

Schauen tun alle. Pornos nämlich. Burschen mehr als Mädchen. "Weil sie mehr nach außen orientiert sind", weiß Bettina Weidinger, Sexualpädagogin und Sexualtherapeutin aus Wien, "von Bildern leichter erregt werden." Warum auch nicht, meint sie.
Alarmstufe Rot besteht nur, wenn ein Jugendlicher in der Pornowelt hängen bleibt, die gezeigten Sexspiele für Realität hält und seine Vorstellungen vom anderen erwartet. Dann ist Hilfe gefragt. Von Eltern oder Profis wie Bettina Weidinger.

WOMAN: Schauen Jugendliche viele Pornos?
Weidinger: Ich denke schon, dass die meisten 15-Jährigen bereits irgendeine Art von Porno gesehen haben. Die Verfügbarkeit ist ja sehr groß. Aber das sagt genauso viel oder wenig über diese Personen aus wie die Tatsache, dass sie mit hoher Wahrscheinlichkeit auch schon Gewalt-und Horrorfilme sowie Dokumentationen über Folter und anderes gesehen haben. Die Frage ist: Wie regelmäßig ist der Konsum?

WOMAN: Und wenn einer dauernd schaut?
Weidinger: Besteht Handlungsbedarf. Denn warum bleibt jemand wo hängen? Wenn die Realwelt nicht interessant genug ist. Da bietet das Internet dann ausreichend Möglichkeiten an. Von Videospielen bis zu Pornos. Und diese ständige Wiederholung macht dann schon was im Gehirn.

WOMAN: Was genau im Fall von Pornos?
Weidinger: Es kommt zu Verwirrungen, in welcher Weise sexuelle Anbahnungen stattfinden, welche sexuellen Vorlieben Menschen haben. Die Idee wird gefördert, dass das Gezeigte eine übliche und häufige Art des sexuellen Kontaktes darstellt. Das kann irritieren und Druck machen. Möglich, dass dieser Druck auch an eine andere Person weitergegeben wird. Bei Jugendlichen genauso wie bei Erwachsenen. Der Einfluss von Medien auf die Gedankenstruktur von Menschen ist immer dann besonders groß, wenn zu einem bestimmten Thema kaum Wissen besteht. Wer nichts weiß, muss alles glauben...

»Geht es um Pornos, muss auch über Pornos gesprochen werden. Solche Gespräche sind nicht leicht. Es ist okay, wenn man das zugibt.«

WOMAN: Was können Eltern tun, um Kindern eine realistische Sexualität zu vermitteln?
Weidinger: Gespräche anbieten, aber nicht nur über Verhütung und "wie's geht", sondern auch über Geilheit und Begehren. Akzeptieren, dass ihr "Hasi" auch mal erwachsen wird. Respekt zeigen, auch dann, wenn geglaubt wird, dass das Gegenüber zu wenig davon präsentiert. Geht es um Pornos, dann muss auch über Pornos gesprochen werden, ohne sie moralisch zu bewerten. Was wird dort gesehen? Was davon ist realistisch? Gibt es Menschen, die so etwas tun? Solche Gespräche sind nicht wirklich leicht. Es ist auch okay, wenn man das zugibt. Man soll auch Broschüren, Bücher, Beratung jeder Art anbieten, egal ob sie angenommen werden oder nicht. Verbote oder Drohungen sind jedenfalls überhaupt nicht sinnvoll.

»Verbote sind nicht sinnvoll!«

WOMAN: Aber reden Teenies mit ihren Eltern überhaupt über solche Themen?
Weidinger: In einer Familie, in der Sexualität, Intimität und Körper nie besprochen wurden, wird das heranwachsende Kind auch darüber nicht reden. Je normaler das Thema behandelt wurde, desto eher werden Eltern auch Fragen zur Sexualität gestellt.

WOMAN: Das sind dann die jungen Leute, die zwar mal einen Porno sehen, dem aber keine große Wichtigkeit beimessen ?
Weidinger: Ja. Entscheidend ist, welche Entwicklungsschritte ein Mensch in den ersten zehn Lebensjahren gemacht hat. Hat er im Kontakt mit anderen etwas über Beziehungsgestaltung erfahren, erachtet er seinen Körper als wertvoll, wird er sich durch Pornos nicht stark irritieren lassen und schon gar nicht hängen bleiben.

Wie beeinflussen Pornos Jugendliche?
Thema: Sex & Erotik