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Wie schädlich ist Amalgam wirklich?

Seit Jahren ein Thema, wenn's um Zahnfüllungen geht: Amalgam. Aber ist das Material wirklich so schädlich oder ist alles nur Panikmache? Die EU hat das Metall jetzt teilweise verboten. Wir fragten nach.

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Frau, Zähne
© istockphoto.com

Amalgam ist ja bekanntlich schon länger in Verruf geraten. Die silbrige Metalllegierung, die seit beinahe 200 Jahren als Füllmaterial in Zähnen verwendet wird, beinhaltet Quecksilber. Und das steht im Verdacht, in den Körper überzugehen und Vergiftungssymptome hervorzurufen. Die EU hat es deshalb ab Juli 2018 für Kinder, Jugendliche bis 15 Jahre und Schwangere verboten. Doch wie gefährlich ist es wirklich? Sollen wir uns jetzt alle Füllungen austauschen lassen? Wie reagiert dann der Körper? Und welche Alternativen gibt es zu Amalgam, das die Kasse nach wie vor als einzige Plombenvariante bezahlt? Zahnärztin Dr. Doris Turnock-Schauerhuber (gesund-im-mund.at) ging mit uns alle Fragen dazu durch.

WOMAN: Die Diskussion um Amalgam gibt es ja schon seit Jahren. Wie gefährlich ist es wirklich?

Turnock: Da gibt es zwei Seiten der Medaille. Tatsächlich existieren keine anerkannten Studien, die bestätigen, dass die Legierung aus Quecksilber und verschiedenen Metallen schädlich ist oder zu Vergiftungen führt. Wenn eine Füllung gut gelegt ist, das heißt innen ordentlich abgedichtet, damit sie nicht direkt auf den Zahn kommt, und außen glatt poliert, ist sie sehr kaubeständig und haltbar.

WOMAN: Und die andere Seite?

Turnock: Quecksilber ist ein flüchtiges Material. Beim Legen oder Herausbohren einer Füllung entstehen Dämpfe. Bei mehreren Metallfüllungen nebeneinander, etwa aus Amalgam, Gold oder Stahl, können elektrische Ströme im Mund entstehen, wie bei einer Batterie. Das fühlt sich an wie Dauerzahnschmerz. Saure Lebensmittel wie Softdrinks oder Wein greifen das Material an. Dadurch wird es porös. Ältere Füllungen dehnen sich aus oder schrumpfen, sie können undicht werden. Und wenn sie nicht komplett abgedichtet sind, kann Quecksilber über kleinste Kanäle im Zahn direkt in den Körper übergehen. Wie sich das genau auswirkt, weiß man eben nicht. Aber es wurden beispielsweise verstärkt Quecksilberablagerungen im Gehirn von Alzheimer- und Demenzpatienten gefunden.

WOMAN: Heißt das, wir sollen jetzt doch lieber alle unsere Füllungen austauschen?

Turnock: Wenn Sie keine Beschwerden haben, dann ist das nicht nötig. Aber Anzeichen wie Mundbrennen, metallischer Geschmack, Verfärbungen, Parodontitis, Kopfschmerzen oder auch Tinnitus und Gelenksbeschwerden deuten auf eine Amalgam-Belastung hin. Die Symptome sind meist diffus und kommen oft auch erst Jahre, nachdem die Füllung gelegt wurde. Wir arbeiten deshalb mit einem Gerät, das die Schwingungen der Organe im Körper misst. Bei starken Abweichungen müssen die Füllungen raus.

WOMAN: Die werden dann einfach rausgebohrt und durch etwas anderes ersetzt?

Turnock: Man muss hier sehr vorsichtig arbeiten, mit spezieller Absaugung und viel Wasserkühlung, damit keine Dämpfe und Partikel auf die Mundschleimhaut kommen. Und dann müssen die Ablagerungen aus dem Körper raus. Wir verwenden dazu ein Mittel aus speziellen Kräutern und Wurzeln zum Gurgeln und Trinken. Das bindet die Schwermetalle, und der Körper kann sie über Lymphe, Haut, Nieren und Darm ausscheiden. Es dauert oft Monate, bis alles weg ist. Auch das testen wir.

WOMAN: Und was kommt dann in den Zahn statt des Amalgams?

Turnock: Es gibt Füllungen aus Kunststoff, Gold oder Keramik. Je nach Bedürfnissen wird das entsprechende Material ausgewählt. Amalgam biete ich schon lange nicht mehr an. Ich persönlich bin ein Fan von Kunststofffüllungen. Mit dem richtigen Kleber halten die hervorragend, verfärben sich nicht und sind auch preislich im Rahmen. Langfristiges Ziel soll natürlich sein, dass wir gar keine Füllungen mehr haben, also kariesfrei sind. Da ist es wichtig, schon im Kindesalter anzusetzen, mit Zahnpflege & professioneller Mundhygiene. Deshalb liegt mir die Aufklärung auch der Eltern besonders am Herzen.