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Wie wird man Astronautin?

Die Chance gibt's nicht oft: Nach 2008 rekrutiert die Europäische Weltraumorganisation erstmals wieder vier bis sechs neue AstronautInnen. Bis 28. Mai kann man sich noch bewerben.

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© ESA/NASA

Es ist einer dieser Jobs, von dem Kinder träumen, der aber irgendwann als unrealistisch abgetan wird: AstronautIn werden. Und vielleicht sogar mal ins Weltraum fliegen. Die Möglichkeit dazu haben jetzt vier bis sechs Frauen und Männer, denn die ESA sucht neue MitarbeiterInnen.

Dafür gibt es drei Mindestanforderungen: BewerberInnen müssen mindestens einen Master-Abschluss in Naturwissenschaften, Medizin, Ingenieurswesen, Mathematik oder Informatik und mindestens drei Jahre Berufserfahrung in einem der Studienfächer haben. Plus: Fließend Englisch sprechen, schreiben und verstehen. „Es gibt eine Reihe von zusätzlichen Qualifikationen, die von Vorteil, jedoch kein Muss sind“, erklärt Dagmar Boos, ESA Head of Competence and Policy Centre. „Zum Beispiel ,Felderfahrung‘ in extremen Lebenswelten, Arbeitserfahrung in wissenschaftlichen Labors, Maschinenanlagen, Kontrollzentren oder ähnlichen Umgebungen. Know-how in Situationen, die ein starkes Verantwortungsbewusstsein erwarten, Erfahrungen in biowissenschaftlichen Experimenten oder außerhalb des Heimatlandes." Die komplette Liste findet man im Astronautenhandbuch und in der Ausschreibung auf der ESA-Karriere Webseite.

Bei der letzten Bewerbungsphase waren nur 15 Prozent weiblich. Im Stellenausschreiben wird dieses Mal explizit darauf hingewiesen, dass sich „qualifizierte Kandidaten aller Geschlechter“ melden sollen sowie auch „Astronautinnen und Astronauten mit körperlichen Einschränkungen ausgewählt werden.“ Der Hintergrund: „Seit ihrer Gründung im Jahr 1975 ist die ESA ein Ort der Diverstität“, meint Weltraum-Expertin Boos. „Wir profitieren von den unterschiedlichen Kulturen, die unsere Organisation repräsentieren. Und wir möchten uns weiter verbessern und die Anzahl der Frauen im Astronautenkorps erhöhen."

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Der ESA-Astronaut Matthias Maurer führt Reparaturen an der Raumstation im Neutral Buoyancy Lab des Johnson Space Center der NASA in Houston, USA, durch. (c) ESA/NASA


„Aber die ESA geht noch einen Schritt weiter und fungiert als Pionier, indem wir zum ersten Mal in der Geschichte der Menschheit nach Astronauten mit körperlichen Behinderungen suchen, die dann an an einem ,Feasibility Project‘ teilnehmen werden. Hier wird untersucht werden, wie es machbar sein könnte, einen Astronauten oder eine Astronautin mit körperlichen Behinderungen in den Weltraum zu entsenden.“

Der Bewerbungsprozess dauert zirka 18 Monate ...

... und besteht aus sechs Stufen:

  • Step 1: Die Bewerbungsunterlagen und der Fragebogen werden in mehreren Sortierungen durchleuchtet.
  • Step 2: Kognitive, technische, motorische und Persönlichkeitstests.
  • Step 3: Hier nehmen die BewerberInnen an einem Assessment Centre teil, das aus „zusätzlichen psychometrischen und praktischen Tests sowie Gruppenübungen besteht“, so HR-Managerin Boos.
  • Step 4: Anschließend werden die KandidatInnen auf ihre physische und psychologische Fitness getestet.
  • Step 5: Weitere Tests und ein Panel-Interview.
  • Step 6: Die erfolgreichen KandidatInnen werden zu einem Interview mit dem Generaldirektor der ESA eingeladen, der die finale Auswahlentscheidung trifft.

„Wir suchen nicht nach einem Super-Mann oder einer Super-Frau, die bereits alles kann“

Und, noch motiviert? Dann verrät Dagmar Boos noch den besten Rat für die Bewerbung: „Es gibt viele Internetseiten, auf denen man psychologische Tests ,ausprobieren‘ kann. Jedoch der Tipp, den ich geben kann, ist, einfach man selbst zu sein. Die BewerberInnen werden während des Auswahlverfahrens sehr viel über sich lernen und die Resultate werden am besten sein, wenn man authentisch und aufrichtig mitmacht. Die Vorbereitung auf den Job findet dann sowieso in einer Vielzahl von Trainings statt. Wir suchen nicht nach einem Super-Mann oder einer Super-Frau, die bereits alles kann, sondern nach Menschen, die eine echte ,Freude am Lernen‘ mitbringen, da das ein Großteil der Arbeit eines Astronauten ist.“

Astronauten nehmen am CAVES-Schulungskurs der ESA teil - kooperatives Abenteuer zur Bewertung des menschlichen Verhaltens und der Leistungsfähigkeit. (c) ESA/NASA


Wer das Auswahlverfahren erfolgreich bestanden hat, für den- oder diejenigige fängt die Ausbildung nämlich erst so richtig an. Und die dauert dann mehrere Jahre: Das einjährige Basistraining findet hauptsächlich am Europäischen Astronautenzentrum statt. Bevor man dann einem Einsatz zugewiesen wird, gibt's noch einmal mehrere Trainings: „In diesem Stadium unterstützen die AstronautInnen auch schon die Operation von laufenden Missionen. Und nachdem man einen Weltraumeinsatz zugewiesen bekommen hat, kommt dann das einsatzspezifische Training, das etwa zwei Jahre dauert. Es dient zur Vorbereitung auf die jeweilige Mission. Der Fokus liegt auf den spezifischen Aufgaben und Experimenten, die die AstronautInnen im Weltraum durchführen werden.“

Und wie viel verdient man als AstronautIn eigentlich?

Abhängig von Berufserfahrung „und anderen Faktoren“ bewegt sich das monatliche Netto-Gehalt zwischen € 5.400,– und € 8.600,–.
Boos: „Im Rahmen der ESA Konvention ist dieses Gehalt von der nationalen Einkommenssteuer der ESA Mitgliedsstaaten ausgeschlossen und kommt mit einem zusätzlichen Paket von Zuschüssen und Sozialleistungen.“

Thema: Job-Chance

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