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Was macht Wien am Tag nach dem Terror?

Nach dem Terroranschlag in der Wiener Innenstadt am Montagabend hat die Regierung die Bevölkerung aufgerufen, zuhause zu bleiben. Doch trotzdem stehen viele Wienerinnen und Wiener an diesem Dienstag vor der Frage, wie sie den Tag nach dem Anschlag verbringen sollen.

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leere strassenbahn wien
© iStock

Der Terroranschlag in der Wiener Innenstadt am Montagabend hat mehrere Todesopfer und zahlreiche Schwerverletzte gefordert. Ein Attentäter war nach dem Anschlag von der Polizei erschossen worden. Innenminister Karl Nehammer gab bekannt, dass der Mann 20 Jahre alt gewesen sei und auch schon wegen terroristischer Vereinigung vorbestraft war. Noch ist nicht klar, ob es sich nur um einen Täter handelt oder ob noch weitere flüchtig sind. Deshalb haben Polizei und Innenministerium am Dienstagmorgen noch einmal die Bevölkerung dazu aufgerufen, zuhause zu bleiben.

Die österreichische Regierung hat außerdem eine dreitägige Staatstrauer ausgerufen. Die Schulpflicht ist am heutigen Dienstag ebenfalls ausgesetzt. Und viele Menschen befinden sich aufgrund der Coronakrise auch im Home Office. Doch wie sieht es mit LadenbesitzerInnen, ÄrztInnen und Menschen aus, die heute eigentlich nicht zuhause geblieben wären – sei es aus Termingründen oder einfach, weil sie nicht von zuhause aus arbeiten können?

Ist Normalität noch möglich?

In diversen Wiener Facebook-Gruppen wird diese Frage heftig diskutiert. Beziehungsweise tauschen sich die Menschen dort über ihre Pläne aus. Viele ÄrztInnen schreiben etwa in einer Frauen-Gruppe auf Facebook, dass sie zwar gerne zuhause bleiben würden, aber ihre PatientInnen nicht im Stich lassen wollen oder können. Dafür würden aber einige auf das Auto umsteigen und die öffentlichen Verkehrsmittel meiden, obwohl jene ganz normal in die Innenstadt fahren und dort auch halten.

"Ich habe ein kleines Geschäft in der Nähe vom Karlsplatz, das bleibt heute geschlossen.", schreibt eine Ladenbesitzerin in der Facebook-Gruppe. Und dies scheint nicht nur die Herangehensweise kleiner Unternehmen zu sein, auch große Einkaufsorte wie etwa das Donauzentrum haben heute geschlossen. Wobei man in den Foren auch Gegenstimmen dazu liest: "Aufsperren, finde ich. Das normale Leben soll weitergehen.", oder "Aufsperren und dem Wahnsinn nicht die Möglichkeit geben unsere Freiheit zu nehmen.", lauten manche Postings.

Wobei: Wer hätte heute wirklich Lust, auf eine Shoppingtour zu gehen? In anderen Facebook-Gruppen berichten Menschen von einer extrem gedrückten Stimmung im öffentlichen Raum. Gleichzeitig nutzen die Menschen solche Foren, um sich über bestimmte Orte in Wien zu informieren. Man merkt: Jene, die das Haus aus welchen Gründen auch immer verlassen müssen, tun das nicht gerne.

Doch natürlich sind viele unterwegs. Allen voran jene, die in systemerhaltenden Berufen tätig sind. Sie wurden heute auch schon durch ein Schreiben der Sicherheitsbehörde an die neuen COVID-Maßnahmen erinnert, die um Mitternacht in Kraft getreten sind. "In dem Schreiben steht, dass falls mich ein Polizist beim Heimgehen am Abend oder in der Früh anspricht, was ich denn unterwegs mache, ich beweisen kann, dass ich von der Arbeit komme.", so eine Psychologin, die im AKH Wien arbeitet und anonym bleiben möchte. Sie sei zwar mit einem gewissen Bauchgrummeln in die Arbeit gefahren, jedoch merke sie, wie wichtig es auch für die KollegInnen sei, über das Geschehene zu sprechen und sich auszutauschen.

Redet über eure Gefühle!

Viele Menschen stehen unter Schock – das liest man nicht nur in den Foren, auf Twitter oder sonst wo im Netz, das merkt wahrscheinlich jeder und jede WienerIn bei sich zuhause. Es ist ganz normal und in Ordnung, traurig, wütend oder einfach nur geschockt zu sein. Wichtig ist, zu wissen, an wen man sich wenden kann, wenn man mit den eigenen Gefühlen nicht mehr weiter weiß.

Viele Eltern fragen sich gerade sicher auch, wie sie ihren Kindern den Terroranschlag erklären sollen. Wir haben eine Kinderpsychologin gefragt, wie man mit Kindern über Krieg und Terror spricht.

Bei Fragen und Ängsten, die die Familie & Kinder betreffen, kann man sich an folgende Stellen wenden:

  • Rat auf Draht (Telefonnummer: 147)
  • Kinderschutzzentren (Telefonnummer: 0664/ 887 36 462)
  • 24-Stunden-Hotline der Wiener Schulen (Telefonnummer: 0676/ 531 32 42)

"Die Angst wird nicht weniger werden, wenn man versucht, das für sich selber zu lösen.", so Ewald Lochner, Koordinator für Psychiatrie in Wien, in einer ZiB-Sondersendung. Jene, die keinen Support im eigenen Umfeld haben, können sich rund um die Uhr an diverse Telefon- und Chatnotdienste wenden:

  • 24-Stunden-Hotline der Psychiatrischen Soforthilfe für Wien (Telefonnummer: 01/ 31330)
  • 24-Stunden-Hotline des Notfallpsychologischen Dienst Österreich (Telefonnummer: 0699/ 188 554 00)
  • Corona-Sorgen-Hotline 8-20 Uhr: (Telefonnummer: 01/ 4000 53000)

Und Wien wäre nicht Wien, wenn es nicht auch in dieser fürchterlichen Ausnahmesituation Menschen gäbe, die sich nichts gefallen lassen. So sei auch ein Video auf Social Media kursiert, in dem ein Mann dem Attentäter Folgendes nachbrüllt: "Schleich di, du Oaschloch!" Wien, bleib stark!