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Eine Wienerin in New York: Vom virtuellen Axt-Werfen

Von FOMO zu JOMO. Oder: Unsere Gastautorin erklärt in ihrem zweiten Beitrag, warum es in Brooklyn okay ist, nicht immer und überall live dabei zu sein.

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Eine Wienerin in New York: Vom virtuellen Axt-Werfen
© iStock/GCShutter

Ich wurde neulich in meiner Wohnung in Brooklyn von einem Hahnenschrei geweckt. Hinter meinem Haus muss es irgendwo Hühner geben, die wahrscheinlich gerade ein Ei gelegt hatten - mitten in New York. Ich weiß nicht, ob es an diesen Hühnern liegt, am Sommer, an der Hitze oder daran dass ich in Brooklyn lebe, aber New York fühlt sich im Moment ziemlich gemütlich an. FOMO (Fear of missing out) is eindeutig JOMO (Joy of missing out) gewichen. Während man früher noch Angst hatte, etwas zu verpassen, freut man sich heute darüber.

Wenn man ehrlich ist, ist es ja auch viel entspannter, sich von der Couch oder einem Café aus auf Instagram anzusehen, wie die anderen sich abmühen etwas zu erleben, anstatt selbst überall dabei sein zu müssen. Zum Beispiel beim Axt-Werfen, einem neuen Trend, dem New Yorker (ab 7 Jahren!) bei Kick Axe nachgehen können. Wie beim Dart-Spielen peilt man hier eine Zielscheibe an, nur eben nicht mit bunten Metallpfeilchen sondern eben einer Axt.


“Geh da mal hin, das ist super!”, rät mir meine New Yorker Freundin Laura. “Warst du schon mal da?”, frage ich. “Nein, aber es klingt gut!” Axt-Werfen ist fun, absurd und irgendwie ist es auch voll okay, wenn man selber nicht live dabei ist. Teilnehmen tut man ja trotzdem auf eine gewisse Art. Durch andere eben.


Denn JOMO hin oder her, die New Yorker haben die Frage “Ist es wirklich passiert, wenn du es nicht auf Instagram teilst?” längst mit “Ja” beantwortet. Fotos zu machen, Überschriften und Hashtags zu finden und ein Essen, eine U-Bahn-Fahrt oder andere Micro-Momente zu teilen, gehören zu einem Erlebnis dazu, wie das Trinkgeld im Restaurant oder, naja, das Axt-Werfen neuerdings zum Sonntag Nachmittag.

Hat man es wirklich gesehen, wenn man es nicht teilt?

Meine persönliche Erfahrung mit Axt-Werfen beschränkt sich auf das Lesen von YELP-Reviews. Meine Favoriten sind 1. eine Review, in der jemand ein Haiku übers Axtwerfen geschrieben hat, 2. eine Empfehlung, in der Axt-Werfen als das Normalste der Welt dargestellt wird (“So you get to just sit back, throw axes, and enjoy”) und 3. Ein Foto mit den besten Namen der Axt-Werfer-Teams (“Baxtstreet Boys”).

Statt Axt-Werfen habe ich mich letztes Wochenende vollständig auf JOMO konzentriert und diese Pflanzen im Brooklyn Botanical Garden angelächelt

Beim Brooklyn Flea, einem Flohmarkt direkt unter der Manhattan Bridge, im Stadtteil DUMBO, Donuts gegessen.

Und dann nach dem Hahn Ausschau gehalten. Aber der war weder zu sehen noch zu hören. Aber wer weiß, vielleicht machte der Hahn auch gerade eine JOMO-Pause und ließ einfach andere für sich krähen.

Teil 1: Eine Wienerin in New York - Next Stop: Brooklyn!

Über die Autorin:

Rebecca Vogels ist Gründerin der Brand- und Kommunikationsagentur "All of the Above". Sie bringt Silicon Valley Strategien rund um Kommunikation und Branding zu Unternehmen in Europa. Für die Huffington Post schreibt sie eine Kolumne zum Thema “Women in Tech”. Sie ist Co-Founderin des Online-Magazins You Might Also Like. Rebecca Vogels wurde kürzlich vom California Diversity Council zu einer der Top 50 Most Powerful Women in Tech gewählt.