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Warum am 21. März die deutsche Wikipedia streikt

Der deutschsprachige Part der größten Internet-Enzyklopädie nimmt sich einen Tag frei. Aber nicht aus Spaß, sondern weil Wikipedia für ein freies Internet kämpft.

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wikipedia streik
© istockphoto.com/Zmeel Photography

In der Uni (und Schule) hieß es immer: Schreibt nicht direkt von Wikipedia ab, prüft eure Quellen gut! Trotzdem ist die Internet-Enzyklopädie eine der wichtigsten Anlaufstellen des modernen Menschen, wenn er oder sie eine Frage hat. Sei es zu irgendwelchen Independent-Musikrichtungen, zu einer seltenen Pflanzenart oder zu bolivianischen PolitikerInnen: Wikipedia hat eine Antwort. Doch am 21. März 2019 bleibt die Enzyklopädie stumm. Stattdessen wird man immer nur eins zu Gesicht bekommen: Ein Protestschreiben.

Warum streikt Wikipedia?

Denn die deutschsprachige Wikipedia protestiert gegen Teile einer EU-Urheberrechtsreform, die im Februar beschlossen worden war. Die Entscheidungen sind noch nicht final, doch wenn sie dann durchgebracht werden, fürchten viele Expertinnen und Experten, dass damit das Internet nicht mehr so sein wird wie zuvor. Dabei geht es vor allem um zwei Paragraphen:

Urheberschutz

Bis jetzt galt für Plattformen, die nutzergenerierte Inhalte (dazu zählen auch YouTube, Facebook usw.) führen das "Notice-and-takedown-Verfahren". Demnach haftet so eine Plattform erst dann für eine Urheberrechtsverletzung, wenn sie davon in Kenntnis gesetzt wurde und dann nichts unternimmt.

Paragraph 13 würde diesen Punkt um einiges verschärfen, indem die Verantwortung noch mehr auf die Plattform verschoben wird. Demnach haftet die Plattform schon dann, wenn überhaupt urheberrechtlich geschützte Inhalte hochgeladen werden. Das bedeutet, dass sogenannte Uploadfilter eingesetzt werden müssen, damit es erst gar nicht dazu kommt, dass irgendwelche urheberrechtlich geschützte Inhalte hochgeladen werden.

Und da Wikipedia von vielen Freiwilligen befüllt wird, fürchtet man, dass der Informationsfluss gestaut wird.

Lizenzpflicht

Das neue Verlegerrecht besagt, dass jedes Presseerzeugnis lizenzpflichtig wird. Das heißt, Wikipedia, Facebook, Google und viele andere müssten mit jedem einzelnen Verlagshaus und Medium eine eigene Lizenz abschließen, damit die Inhalte weiterhin geteilt werden dürfen. Denn selbst wenn ein Inhalt ohne urheberrechtlicher Probleme verwendet werden kann, muss es trotzdem eine Lizenz geben.

Da die Plattformen viele ihrer Informationen aus Presseerzeugnissen ziehen, könne dies dazu führen, dass sich niemand mehr auskennt, was man überhaupt noch schreiben darf.

Was ist Wikipedias Problem?

Im Gesetz wird Wikipedia und anderen Online-Enzyklopädien eine Ausnahmeregelung eingeräumt. Vor allem, weil diese Seiten ja nicht-kommerziell arbeiten. Doch dann gibt es da noch das Medien-Archiv von Wikimedia. Da können Texte, Videos, Bilder und Sound-Dateien raufgeladen werden. Und da fürchtet man, dass das Medien-Archiv als Konkurrenz für kommerzielle Anbieter eingestuft wird und so jeder Upload durch strenge Filter durchlaufen muss.

Außerdem will sich Wikipedia nicht auf seiner Sonderstellung ausruhen, so John Weitzmann, Justiziar bei Wikimedia Deutschland, in einem Interview: "Das freie Wissen lebt eben nicht nur in der Wikipedia alleine, sondern entsteht auch drumherum. Die Wikipedianer wollen nicht die Oase in der Wüste sein."

Was will Wikipedia ändern?

Laut Wikimedia Österreich wolle man Internet-UserInnen dazu motivieren, bei Pledge19.eu mitzumachen. Das ist eine Initiative, die Mitglieder des EU-Parlaments dazu bringen soll, gegen die Uploadfilter zu stimmen.

Protestiert wird übrigens auch auf der Straße: Unter dem Titel "Save Your Internet Wien" wird am 23. März für ein freies Internet marschiert.

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