Ressort
Du befindest dich hier:

Wimpernserum: Gut oder Böse? Die bisweilen völlig unerwarteten Nebenwirkungen

Ein toller Augenaufschlag mit richtig langen, dichten Wimpern, davon träumen viele von uns. Deshalb gibt es mittlerweile auch unzählige Wimpernseren auf dem Markt. Dass die aber nicht alle so harmlos sind, ja sogar "ins Auge gehen" können, erklärt uns eine Augenärztin.

von

Wimpernserum: Gut oder Böse? Die bisweilen völlig unerwarteten Nebenwirkungen
© iStock

Mal ganz ehrlich: Wimpernlänge und -dichte wünschen wir uns alle mal. Deshalb stehen neben der Mascara auch die Wimpernwelle, Fake-Lashes und Lash-Extensions so hoch im Kurs. Etwas anderes, was seit einigen Jahren aber immer mehr als Pflege über den Ladentisch geht, sind Wimpernseren. Sie werden oft auch "Lashbooster" genannt und sollen wie ein "Dünger" wirken, der die Härchen sprießen lässt.

Die Voraussetzung: Man appliziert das Wimpernserum täglich auf den sauberen Wimpernkranz und wartet einige Wochen ab. Bald stellt man fest, dass die Lashes wirklich länger und dunkler werden. Der Effekt hält nur an, so lange man das Produkt verwendet. Es gibt aber immer mehr kritische Stimmen und sogar Fälle von allergischen Reaktionen auf diese Beauty-Goodies.

Auf der Suche nach Antworten haben wir uns an Dr. Sandra Maksys, Augenärztin in Wien, gewandt. Sie hat uns Überraschendes und auch Unerfreuliches zum Thema erzählt.

Wie funktioniert ein klassisches Wimpernserum überhaupt?

Die Entstehungsgeschichte des Lashboosters ist spannend, denn er kommt ursprünglich aus der Medizin: Patientinnen und Patienten, die wegen erhöhten Augendrucks (grüner Star) spezielle Augentropfen mit Prostaglandinen verschrieben bekamen, bemerkten ein verstärktes Wachsen ihrer Wimpern. Eine fast "schöne Nebenwirkung" sozusagen.

So landete der Wirkstoff bzw. seine Derivate (Abkömmlinge) in der Kosmetikforschung. Die ersten Wimpernseren wurden vor etwa zehn Jahren auf den Markt gebracht und entwickelten sich zu Verkaufsschlagern. Über ihre Wirkung steht fest, dass sie die Wachstumsphase der Wimpern verlängern. So sind quasi alle Wimpern am Auge, die sich normalerweise in unterschiedlichen Wachstumsphasen befinden, zusammen in einer. Die Lashes wirken daher viel dichter als sonst. Plus: Sie sind noch dazu länger, als sie jemals waren.

Wimpernserum: Mögliche, irreversible Folgen:

Doch gerade der aus der Medizin stammende Wirkstoff soll nicht nur seine Vorteile haben, wie Dr. Maksys weiß: "Grundsätzlich können sich die Prostaglandin-Derivate in einem Wimpernserum nicht auf die Sehkraft auswirken. Sie können aber in manchen Fällen zu einer Dunkelfärbung der Iris (Regenbogenhaut) führen - helle Augen können also braun werden . Das sollten Nutzerinnen mit blauen oder grünen Augen bedenken - ein irreversibler Vorgang. Es gibt dann also kein Zurück mehr zur Ursprungsfarbe der Iris. Das kann übrigens innerhalb eines Jahres während der Serum-Anwendung auftreten. Eine weitere mögliche Nebenwirkung, die aus Forschungen bekannt ist, ist die Abnahme des Fettgewebes am Auge. So entsteht eine 'eingefallene Zone', also dunkle Ringe, und der Blick wirkt müde . Die einzige Lösung, um den eingesunkenen Bereich wieder anzuheben, ist dann eine Unterspritzung mit Hyaluronsäure.

»Grüne, graue oder blaue Augen können durch manche Wimpernseren braun werden.«

Will man auf Nummer sicher gehen, ob das Wimpernserum den bedenklichen Wirkstoff beinhaltet, achtet man auf Ingredienzien, die Silben mit '-prost' im Namen haben.

Es gibt mittlerweile aber auch neue Lashbooster, die ohne diesen auskommen." In Kanada wurde bereits 2015 ein Verbot für Prostaglandine in der Kosmetik beschlossen, in Australien darf ein spezielles Lash-Serum nicht mehr verkauft werden, weil zu viele Frauen über Irritationen klagten. Außerdem ist der Wirkstoff in Australien verschreibungspflichtig, weshalb er nicht so einfach in Kosmetikprodukten vorkommen kann.

"Genau das ist das Problem hierzulande: Wenn in der Kosmetik pharmazeutische Wirkstoffe eingesetzt werden, sind die Firmen nicht verpflichtet, den Prozentsatz anzugeben. Ein maßgeblicher Punkt, den man nicht außer Acht lassen sollte, ist der Gewöhnungseffekt: Wenn man eines Tages wirklich an einem Grünen Star, also Glaukom, erkranken sollte, kann es sein, dass das gewöhnliche Medikament nicht ausreichend hilft , da es das Auge bereits vom Wimpernserum kennt.", erklärt Dr. Maksys.

Allergische Reaktionen

Online findet man zuhauf Erlebnisberichte, die von Rötungen und Jucken der Augenzone berichten. Dazu meint die Expertin: "Das ist auch meine wiederkehrende Erfahrung. Oft kommt es vor, dass Menschen auf einen Konservierungsstoff, der bei Augentropfen und auch Wimpernseren zum Einsatz kommt, allergisch reagieren. Dieser heißt Benzalkoniumchlorid und ist uns als Störenfried bekannt. In einem allergischen Fall und in jedem anderen ungewöhnlichen Fall sollte man mit dem Produkt auf hören und eine Augenärztin oder Augenarzt aufsuchen."

Unbedenkliche Pflege für schöne Wimpern

Willst du lieber nichts riskieren, gibt es auch Lashbooster, die ohne umstrittene Stoffe auskommen. In diesen befinden sich wachstumsfördernde Peptide, Ceramide, haarstärkendes Biotin, wertvolle Öle für geschmeidige Härchen sowie Pflanzenextrakte gegen Wimpernbruch. Ein neuer Bestandteil ist das Black Sea Rod Oil. Es wird aus einer Koralle gewonnen und wirkt ebenso wachstumsfördernd.

Rizinusöl für die Wimpern?

Es gibt aber auch einige Hausmittel, die den Härchenwuchs pushen sollen, wie etwa Rizinusöl. "Es pur aufzutragen, kann Reizungen bewirken, aber in einem speziellen Serum ist die Dosierung des Rizinus-Öls höchstwahrscheinlich unbedenklich. Wovon ich hingegen abraten möchte, sind Kamillenbeutel auf den Augen. Sie wirken nämlich nicht beruhigend oder pflegend. Sie können die Haut sogar eher austrocknen und das Sehorgan reizen", meint die Ärztin, die in ihrer Praxis viele Menschen mit trockenen Augen betreut.

Thema: Augen