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WM-Reporterinnen: Vor laufender Kamera begrapscht

WM-Reporterin Julia Guimaraes war live auf Sendung, als ein Mann versuchte, ihr einen Schmatzer aufzudrücken. Das ließ sie sich aber nicht gefallen.

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Deutsche Welle
© Screenshot Deutsche Welle

Stell dir vor, du bist bemüht, deinen Job gewissenhaft zu machen und dann kommt irgendein Typ daher und versucht, dir ein Bussi zu geben. Irgendein Mann, den du nicht kennst. Manche von uns würden schreien, andere erstarren, es weglächeln oder ihm eine Ohrfeige geben. Und manche würden sich blitzschnell wegducken und ihn dann heftig zusammenstauchen. So hat es auch Julia Guimaraes gemacht. Die brasilianische WM-Reporterin berichtete Live vorm Stadion im russischen Jekaterinburg. Plötzlich tauchte ein männliche Fußballfan im Bild auf, der Guimaraes ein Bussi geben wollte.

Die Reporterin bückte sich geistesgegenwärtig weg und begann daraufhin den Typen zu schimpfen. "Mach das nie wieder!" und "Mach das nie wieder bei einer Frau, okay? Respekt!" rief sie immer wieder vor laufender Kamera. Nach dem Zwischenfall beschrieb Guimaraes ihren Gemütszustand auf Twitter: "Es ist schwer, Worte dafür zu finden... Das habe ich in Brasilien glücklicherweise noch nie erlebt. Hier ist es schon zweimal passiert. Traurig, beschämend!"

Und sie ist nicht die einzige Reporterin, deren Grenzen während ihrer Arbeit bei der WM überschritten wurden. Auch die Deutsche-Welle-Moderatorin Julieth González Therán wurde vor laufender Kamera gepackt und auf die Wange geküsst. Im Video sieht man, dass González Therán in jenem Moment scheinbar souverän mit der Moderation fortfährt, aber schon sehr geschockt aussieht. Der Fußball-Fan hätte jenen Moment ausgenutzt, als die Kameras auf live geschaltet hatten, berichtet die Reporterin. Sie habe dann nach der Aufnahme noch geschaut, ob sie den Mann finde, aber sei schon vorher in der Menge untergetaucht.

Dass Reporterinnen gewissermaßen als Freiwild betrachtet werden, das vor laufender Kamera begrapscht und geküsst werden darf, ist leider keine Neuigkeit. Erst Anfang Mai dieses Jahres gingen die Bilder einer Moderatorin um die Welt, die mit ihrem Mikrofon auf randalierende Fußball-Fans einschlug. Maria Fernanda Mora moderierte gerade einen Live-Einstieg für Fox Sports, als einige Männer sehr engen Körperkontakt suchten. Auf Twitter schrieb sie, dass die Männer sie zuvor schon mehrmals begrapscht hätten.

Entschuldigen tun sich die Männer in den wenigsten Fällen. Ruslan, der Mann im Fall Julieth González Therán meldete sich per Skype bei der Reporterin. Er wolle sich entschuldigen, es tue ihm sehr leid, meinte der russische Mann. Laut Deutsche Welle nahm González Therán die Entschuldigung zwar an, rügte den Russen aber: "Was passiert ist, war inakzeptabel und respektlos." Der Mann wiederum gab als Grund für den Übergriff eine Wette an, die er mit einem Freund abgeschlossen hatte. Dass seine Hand beim Zupacken die Brust der Frau berührt hatte, sei keine Absicht gewesen. Er wollte lediglich die Schultern umfassen.

Respektloses Verhalten - nur wegen Live-Übertragung?

Und das sind nur drei Fälle von vielen! Man muss nur auf Youtube danach suchen und man wird ein Compilation-Video nach dem anderen vorfinden. Weltweit küssen Männer Reporterinnen während Live-Übertragungen. Und manchmal küssen auch Frauen Reporter. Wo Adrenalin und Alkohol im Spiel sind, werden die Menschen hemmungsloser. Trotzdem ist der mangelnde Respekt gegenüber Frauen ein großes Problem. Und da reichen auch keine Ausflüchte wie: Eine harmlose Wette, ein Missverständnis, ein kleiner Fehler, Ausrutscher. Ein Wangenbussi von einer fremden Person ist weder ein Kompliment, noch eine kleine Sache - es ist eine Grenzüberschreitung, ein Übergriff. Dies betonten brasilianische Reporterinnen im Protestvideo "#DeixaElaTrabalhar", was übersetzt "Lass sie arbeiten" bedeutet. Sie plädieren für Respekt und dafür, einfach mal in Ruhe ihren Job machen zu können.

Thema: Report