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Wo bleiben die Frauen!?

Eigentlich wäre es uns lieber, diesen Artikel nicht zu veröffentlichen … Das würde nämlich bedeuten, dass das Geschlecht kein Karrierethema mehr ist. Leider ist aber auch 2018 noch oft die Rede von Frauen- und Männerjobs! Warum eigentlich?

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Frauen in der IT
© iStockphoto.com

Bitte hört damit auf!

„Natürlich gibt es Bereiche, die von Männern oder Frauen dominiert werden. Es ist aber unsinnig, einen Job einem bestimmten Geschlecht zuzuschreiben, weil es indexiert, dass dieser nur von einem Mann oder einer Frau gemacht werden kann“, so Claudia Zettel, 36. Sie ist Chefredakteurin der futurezone und vergibt am 15. November den „Women in Tech“-Award an Gründerinnen, weibliche Führungskräfte und Forscherinnen aus der Austro-Tech-Szene.

Zettel ist seit über zehn Jahren IT-Journalistin und weiß selbst genau, wovon sie spricht, wenn es um Stereotype auf diesem Gebiet geht: „Es gibt immer wieder Leute die meinen, Frauen könnten dieses oder jenes nicht. Das nervt gewaltig. Sie vergessen dabei auch, dass berufliche Gleichberechtigung in beide Richtungen geht. Wenn ich einem Beruf keinen Stempel gebe, ist er attraktiver und wenig abschreckend für beide Geschlechter.“

Wanted: Mehr Frauen!

Auch in der Start-up-Szene, die ja eigentlich als besonders innovativ gilt, sind weibliche Gründerinnen deutlich in der Minderzahl. In Österreich liegt die Zahl nur bei knapp 7,1 Prozent, sie verdienen rund 25 Prozent weniger und erhalten im Durchschnitt weniger Investments als Gründer. Das ärgert auch Zettel: „Frauen sind keine schlechteren Chefinnen.

Deshalb braucht es mehr Vorbilder in diesem Bereich, damit junge Mädchen sehen, welche Berufsmöglichkeiten es gibt.“ So wird sich langsam auch der Gender-Pay-Gap schließen, denn, so Zettel „die Verdienstmöglichkeiten im technischen Sektor sind meistens höher. Natürlich tut sich da was, aber es bessert sich nur sehr langsam und träge.“

Frauen müssen in allen Sparten selbstverständlich sein. Alles andere ist Steinzeit-Denken. Dahinter steht auch die Journalistin: „Ich finde es wichtig, weibliche Mitarbeitende vor den Vorhang zu holen und ihnen eine Plattform zu geben. Jedoch ohne sie darauf zurückzustutzen, dass sie nur befragt werden, weil sie eine Frau sind. Ich bin bei Interviews sehr sensibel. Es gefällt mir zum Beispiel gar nicht, Frauen im Gespräch auf ihr Geschlecht zu reduzieren. Sie sollten genauso aufgrund ihrer Kompetenz befragt werden. Alles andere bestärkt eine Reproduktion von Klischees und Vorurteilen. Dass das in meiner Generation noch immer Thema ist, macht mich wütend!“

futurezone Day – mit Frauenschwerpunkt

Tech-Konferenzen müssen nicht immer von Männern dominiert werden. Am futurezone Day am 15. November sind unter den Vortragenden zwölf Frauen und elf Männer. Einen Tag lang werden am Erste Campus in Wien die neuesten Entwicklungen diskutiert, unter anderem „wie die Branche angesichts von Themen wie Genderbias und Gründerinnenmangel weiblicher werden kann.“ Tickets für die Panels und das dazugehörige Rahmenprogramm gibt es um 30 Euro.
Mehr Infos: futurezone.at

Claudia Zettel
Claudia Zettel