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WOMAN-Interview mit der Projektleiterin des Österreich Pavillon auf der EXPO in Shanghai

Vom 1. Mai bis 31. Oktober 2010 findet in Shanghai die EXPO 2010 statt. Österreich nimmt mit einem eigenen Pavillon bei der Weltausstellung teil. Mag. Birgit Murr, langjährige Handelsdelegierte und China-Expertin, hat die Leitung des Projekts übernommen.


WOMAN-Interview mit der Projektleiterin des Österreich Pavillon auf der EXPO in Shanghai
© AUSTRIAEXPOShanghai

Mit 240 Teilnehmern und 70 Millionen erwarteten Besuchern möchte die EXPO 2010 Shanghai alle Rekorde brechen. Österreich ist auf dieser Weltausstellung der Superlative mit einer markanten Präsentation unter dem Motto „Sinne im Gleichklang“ vertreten. Der Österreich Pavillon verführt die Besucher in eine interaktive Erlebniswelt zu den Highlights Österreichs.

WOMAN bat die Projektleiterin Mag. Birgit Murr, die gemeinsam mit ihrem Team den österreichischen Auftritt bei auf der EXPO 2010 in Shanghai organisiert hat, zum Interview.

WOMAN: Frau Mag. Murr, Sie sind Projektleiterin des Österreich Pavillon bei der EXPO in Shanghai. Wie viele Menschen waren in Ihrem Team bei der Organisation beteiligt?

Murr: Wir haben sehr klein angefangen. Es wurden zwei Büros parallel aufgebaut, eines in Wien und eines in Shanghai. In Wien gab es anfangs ein Kernteam mit sechs Mitarbeiterinnen und in Shanghai ein Team mit vier Mitgliedern. Das Ganze ist dann natürlich mit der Zeit gewachsen. Mittlerweile sind es insgesamt schon 130 Menschen, die an diesem Projekt beteiligt sind.

WOMAN: Das Kernteam setzt sich nur aus Frauen zusammen. Wie läuft da die Zusammenarbeit?

Murr: Die Zusammenarbeit funktioniert sehr gut! Im Kernteam sind hauptsächlich sehr junge Frauen, die ich alle selber ausgewählt habe. Alle harmonisieren auch sehr gut miteinander. Es gibt auch überhaupt keine Probleme, wie Eifersüchteleien, jede für sich hat ihre Stärken. Das wichtigste ist, dass wir alle in Schichten arbeiten, und wenn da nicht die Zusammenarbeit sehr gut ist, kann man das ja gleich vergessen. Gerade bei einem Schichtbetrieb ist die Herausforderung besonders groß und daher ist es wesentlich, dass die Leute sich untereinander verstehen. Unsere Mitarbeiterinnen wohnen sogar in Zweier-WGs zusammen und daher ist es essentiell, dass man auch da gut miteinander auskommt.

WOMAN: Wie lange haben Sie im Vorfeld für die Organisation gebraucht?

Murr: Ich habe das Projekt 2009 übernommen. Da musste dann schon alles ziemlich schnell gehen! Wir haben aber sehr schnell aufgeholt. Mit dem Bau haben wir dann bereits im Juli 2009 begonnen. So ein Projekt ist unglaublich spannend. Abgesehen vom Bau muss man an unglaublich viele Dinge denken, wie beispielsweise die Personalfrage, die Inhaltsgestaltung, das Rahmenprogramm, usw. Auch simple Dinge wie Kleidung müssen organisiert werden. Vor allem muss es sowohl für Österreicher als auch für Chinesen passen. Eine besondere Herausforderung war es etwas zu finden, was bei verschiedenen Körpergrößen gut aussieht. Somit einigten wir uns auf eine moderne Interpretation des „Dirndls“, die sowohl den Österreicherinnen als auch den Chinesinnen gut stehen.

WOMAN: Wie war die Zusammenarbeit mit den chinesischen Kollegen?

Murr: Sehr gut! Ich habe ja berufsbedingt schon mehrere Jahre „China-Erfahrung“ und komme dadurch mit chinesischen Mitarbeitern sehr gut aus. Mir liegt deren Mentalität! Es war mir von Anfang an besonders wichtig, dass es ein Team ist und nicht unterschieden wird in „die Österreicher“ und „die Chinesen“. Allerdings sind die Chinesinnen von der Erziehung her sind etwas anders als man es hierzulande gewohnt ist. Das chinesische Erziehungssystem ist nämlich stark hierarchisch, wobei die Rolle der Frau in Ost-China sehr stark ist. Das hängt aber sehr von der Tradition ab. In Ost-China ist es sogar üblich, dass die Frau die Finanzen verwaltet, nachdem der Mann sein Geld bei ihr abgeliefert hat. Auch die rasante Entwicklung Chinas in den letzten Jahren sowie die Hinwendung zur Dienstleistungsgesellschaft hat die Rolle der Frau stark verändert. Vor allem in Shanghai besteht eine stärkere Nachfrage nach Leuten mit Fremdsprachenkenntnissen. Und da sind in China sehr viel mehr Frauen qualifiziert. Dieser Umstand stellt eine besondere Herausforderung für die chinesische Frau dar: Einerseits hat sie die Möglichkeit in einer tollen Position zu arbeiten, und andererseits muss sie wieder in das klassische traditionelle Rollenbild der chinesischen Frau passen. Aber Chinesinnen sind sehr bemüht ihre Stellung zu festigen und sind zudem sehr ehrgeizig. Außerdem sind sie mittlerweile überaus emanzipiert und haben natürlich die Vorzüge der Konsumgesellschaft für sich entdeckt – sie reisen gerne und wollen einfach ihr Leben genießen!

WOMAN: Das Motto des Österreich Pavillon lautet „Sinne im Gleichklang“. Was erwartet die Besucher?

Murr: Unsere Überlegung war, die Chinesen dort aufzufangen, wo sie Österreich sehen! Außerdem wollten wir auch das traditionelle Österreich vermitteln und ihnen Zusatzinformationen mitgeben. In China ist Österreich ja bekannt als das Land der schönen Natur und der Musik. Die Gäste erwartet eine Fülle an Sinneseindrücken, die Virtualität und Realität zu einer bisher unerreichten Experience zusammenführen. Es ist ja eine multimediale Ausstellung und wir arbeiten mit 72 Projektoren. Eines der Highlights ist die „Guckkastenwand“: So poppen durch Berührung der Wände Filme auf, die Geschichten über die Natur oder der Wirtschaft Österreichs erzählen. Wir zeigen unter anderem Filme über Passivenergiehäuser oder Berge als Rohstofflieferanten. Mein Hauptaspekt ist, ein positives Österreich-Bild sowie österreichische Gastfreundlichkeit zu übermitteln. Was dabei anfängt, dass die Mitarbeiterinnen freundlich sind. Übrigens: Die österreichische Küche kommt auch sehr gut an!

WOMAN: Es gibt also eine spannende Begegnung zwischen Tradition und Moderne. Wie wird das bei den Besuchern aufgenommen?

Murr: Sehr gut! Mir macht es wirklich Spaß, weil ich merke, dass die Stimmung wirklich toll ist. Die Besucher gehen alle belebt, animiert und fröhlich aus unseren Pavillon raus. Sowohl die Kinder, als auch die Erwachsnen haben viel Freude. Gerne nehme ich mir eine kurze Auszeit und beobachte von außen, wie die Besucher reagieren und was sie nach dem Besuch in unserem Pavillon sagen. Und das Feedback ist stets sehr positiv!

WOMAN: Was ist das Ziel des österreichischen Auftritts auf der EXPO in Shanghai?

Murr: Einerseits Imagewerbung für Österreich – es ist die größte, die es je in China gab – und andererseits die Möglichkeit zum Networking. Wir haben viele Besucher von politischen und Firmen-Delegationen. Das ist es außerdem eine sehr gute Möglichkeit, ein positives Österreich-Bild zu vermitteln.

WOMAN: Zum Millionsten Besucher entschied sich der österreichische Pavillon für ein Charity Event: „Ein Tag für benachteiligte Kinder“. Dabei wurden Kinder aus nicht privilegierten Familien eingeladen zur EXPO zu kommen. Wie kam die österreichische Tradition bei diesen Kindern an?

Murr: Sehr gut! Es war ein wirklich schönes Erlebnis. Diese Kinder sind noch nie aus ihrer Heimatstadt raus gekommen und sind zum ersten Mal in ihrem Leben mit dem Zug gefahren. Die Kinder haben jedes Erlebnis mit Freude aufgesaugt. Sie waren total interessiert und bekamen dadurch so richtig Ansporn, noch mehr zu lernen. Sie haben durch den Ausflug bestimmt sehr viel mitgenommen.

WOMAN: Gibt es viele österreichische Gäste zu verzeichnen?

Murr: Ja! Einerseits Delegationen aus Österreich, diverse Minister und der Bundeskanzler waren schon zu Besuch. Außerdem haben wir zahlreiche Individualbesucher und natürlich auch Touristen.

WOMAN: Sie waren als stellvertretende Handelsdelegierte schon in Peking, Athen, Berlin und jetzt in Shanghai. Wo hat es Ihnen am besten gefallen und wie unterschiedlich waren die jeweiligen Lebensweisen der Kulturen?

Murr: Ich wollte wieder unbedingt nach China zurück! Die Aufgaben waren immer sehr verschieden was die Länder und die Aufgabenbereiche betrifft. Für mich ist China sehr spannend, vor allem wegen dieser schnellen Entwicklung. China ist außerdem ein Land, wo man sehr viel improvisieren muss, und das ist unglaublich spannend! Ich improvisiere gerne und habe gerne möglichst wenig Routine. Arbeitstechnisch war Deutschland beispielsweise sehr juristisch und steuermäßig. Man hat dort viel mehr telefonischen und computertechnischen Kontakt. In China hingegen ist man viel mehr im direkten Kontakt. Die Lebensweisen sind überall sehr unterschiedlich und zum Teil natürlich auch gewöhnungsbedürftig, da wir zuhause anderes leben und arbeiten. Überall gibt es verschiedene Lebensstile und Gewohnheiten. In China zum ist alles sehr geordnet. Ganz wesentlich ist wenn man so einen Job macht auch, dass man seine Denkweisen ändert. Man sollte immer das, was da ist, positiv sehen und nehmen. Mit dieser Einstellung kann man somit überall arbeiten. Es gibt nämlich keinen Platz auf der Welt, wo man nichts Positives finden kann!

Interview: Sabine Haydu