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WOMAN-Sommer-Talk: Diana Langes-Swarovski spricht über ihr Leben in Tirol

Anders als Cousine Fiona führt die Tochter des mächtigen Kristall-Patrons Gernot Langes ein stilles, aber nicht minder spannendes Leben. WOMAN gewährte sie erstmals Einblicke in ihre pivate Welt und in Österreichs diskretesten Clan.


© Bettina Gutmann

Sie besitzt den Jagdschein, betreibt eine Büffelfarm und reversiert ihren schwarzen Geländewagen selbst auf schwindelerregend hohen Serpentinen mit einer Leichtigkeit, dass selbst einem geschulten Autofahrer die Spucke wegbleibt. Diana Langes-Swarovski, 38, ist für viele Überraschungen gut! Vor allem zeigt die medienscheue Erstgeborene von Dynastie-Chef Gernot Langes (er hält mit seiner Schwester, Fionas Mutter Marina Giori, über 33 Prozent am Milliarden-Unternehmen) eines: dass nicht an jeder Swarovski das Image „Glitzerprinzessin“ oder „Jetsetterin“ klebt! Nach ihrer Rückkehr aus Venezuela, wo die studierte Schauspielerin mehrere Jahre in einer Selbstversorgerhütte ihr Dasein fristete, hat sie sich in der Nähe des Wattener Firmensitzes in einem idyllischen Landhaus niedergelassen. Im Garten tollen Hasen und die Hunde Susi, Flocki und Milou mit ihren Kindern Joaquin, 11, und Maria, 9, um den Schwimmteich herum. Und Hühner gibt’s auch! Die legen der feschen Kristallerbin das tägliche Frühstücksei. Doch das blieb nicht der einzige unerwartete Eindruck beim WOMAN-Interview...

WOMAN: Diana, Sie haben sich 2006 als Gastronomin des Innsbrucker Szenelokals „maquin“ versucht. Doch nachdem der gewünschte Erfolg ausblieb, ein Jahr später alles wieder verkauft...

Swarovski: Ja, zum Glück rechtzeitig vor der Finanzkrise (lacht) .

WOMAN: Jetzt sind Sie im Vertrieb des Papierhandels „Papstar“ tätig. Ihr Vater ist Hauptaktionär.

Swarovski: Das ist korrekt. Zudem agiere ich als Vorsitzende der Gambrinus-Freunde. Das ist ein Wohltätigkeitsverein, der sich seit sechs Jahren für unschuldig in Not geratene Tiroler einsetzt. Wir haben schon 159 Familien mit rund 100.000 Euro subventioniert. Einmal im Jahr darf ich Christkindl spielen und 30.000 Euro vergeben. Dieser Sozialfonds wird von 1098 Mitgliedern gespeist, die jährlich einen Mitgliedsbeitrag von zehn Euro einbezahlen. Auch viele Prominente engagieren sich, allen voran Tiroler Politiker und Unternehmer, aber auch Vizekanzler Josef Pröll oder Nationalratsabgeordnete Maria Rauch-Kallat.

WOMAN: Woher kommt Ihre soziale Ader?

Swarovski: So wurde ich erzogen. Ich machte mich schon als Internatsschülerin für schwächere Kollegen stark, wenn die gehänselt wurden. Es macht mich glücklich, anderen zu helfen, die nicht so privilegiert sind. Es gibt immer wieder Härtefälle, die Existenzen ruinieren. Was macht eine Frau mit ein paar Kindern, wenn sie plötzlich Witwe ist und mit den Schulden vom Hausbau allein dasteht? Was tun verzweifelte Eltern, wenn das Geld für die Therapie ihres todkranken Kindes fehlt? Es ist unglaublich, aber selbst in unserer Wohlstandgesellschaft gibt es Menschen, die unterm Schnee das Holz suchen, damit sie Feuer in der Stube machen können, weil ihnen die Mittel für eine Heizung fehlen! Die wenigsten wenden sich von selbst an uns – wir Tiroler sind halt sehr stolze Leut‘! Als Verein erfahren wir meist von Nachbarn, Pfarrern oder Bürgermeistern, welches Schäfchen im Ort in Not ist. Dann überprüfen wir, ob die Schilderungen den Tatsachen entsprechen und machen uns mit Co- Organisationen wie etwa „Frauen helfen Frauen“ ans Werk. Manchmal reichen Lebensmittelscheine oder Ausschussware von Möbelfirmen. Oft geht’s aber um größere Beträge. Hin und wieder drehen wir auch wieder um, wenn manche unverschämt betteln…

WOMAN: Wie stellen Sie sich als Kristallerbin eigentlich den Armen vor?

Swarovski: Einfach als Diana. Ungeschminkt in Jeans, T-Shirt und Turnschuhen – so wie ich meistens und am liebsten bin.

WOMAN: Warum haben Sie nie innerhalb des Konzerns eine Karriere angestrebt? Ihr Bruder Markus ist Konzernsprecher!

Swarovski: Ich habe früher ab und zu für Schmuckkataloge gemodelt, sonst hielt ich mich aus den Geschäften heraus. Unsere Eltern diktierten uns nie, welchen Beruf wir wählen, was wir studieren sollen. Sie sind sehr liberal. Ich musste nie verhandeln, wie lange ich abends ausbleiben darf. Nur in die Kirche mussten wir dreimal die Woche! (lacht) Mittwochs in die Kindermesse, Samstagabends und zum Sonntagsgottesdienst. Von daher bin ich vermutlich ein wenig kirchengeschädigt (lacht) . Aber meinen Glauben habe ich nie verloren.

WOMAN: Gehen Sie noch regelmäßig in die Heilige Messe?

Swarovski: Zu Ostern und zu Weihnachten, ja. Kurz vor dem Fest kommen bei Swarovski immer die Pensionisten des Unternehmens mit Familienmitgliedern aller Generationen zusammen. Wir singen gemeinsam ganz angerührt „Stille Nacht“ und machen Bescherung. Aber unterm Christbaum gibt’s bei uns nicht nur Kristall-Schmuck (lacht) . Ich bekam zuletzt eine Duftkerze. Und von meiner Tante Erika (Frau von Gerhard) , die das „Donum“ führt, tolle Christbaumanhänger. Sie ist eine meiner Lieblingstanten!

WOMAN: Wie ist Ihr Verhältnis zu Ihrem Vater? Ist er privat auch ein Patriarch?

Swarovski: Nein. Ganz und gar nicht. Bevor sich meine Eltern scheiden ließen – ich war 23 – war Papa froh darüber, wenn meine Mutter zuhause das Regiment führte. Es reichte ihm, wenn er in der Firma bestimmen musste. Er hatte wenig Zeit, als wir klein waren. Damals gab’s schwere Zeiten bei Swarovski... Papa ist und bleibt mein schärfster Kritiker! Seine Kritik nehme ich mir sehr zu Herzen. Selbst wenn ich etwas gekocht habe, was ihm nicht schmeckt. Er liebt Braten und ich experimentiere eben gerne (lächelt) . Dass er mich so fordert, liegt daran, dass wir uns ziemlich ähnlich sind. Wir lieben die Natur. Meine Mama und ich haben nicht so viele gemeinsamen Interessen – sie lebt in Marbella. Aber zu erzählen haben wir uns trotzdem täglich etwas am Telefon (lacht) . Jetzt in den Ferien fliege ich eine Woche zu ihr baden.

WOMAN: Sie haben zwei Kinder. Wie erziehen Sie Maria und Joaquin?

Swarovski: Auch offen. Ich will ihnen nicht etwas vorschreiben, das ihrem Naturell widerspricht – dann machen Kinder eh immer das Gegenteil. Sie gehen bei uns im Dorf in die öffentliche Schule. Mit meiner Tochter arbeite ich gerade an einem Kochbuch. Ich schreibe die Rezepte, denn ich liebe es für viele Gäste zu kochen. Maria malt die Bilder dazu - wenn sie nicht gerade mit meiner Nichte Luisa, 8, spielt. Markus‘ Tochter ist Marias beste Freundin!

WOMAN: Klingt alles so unbeschwert! Was war Ihr größtes Unglück, Ihr tragischster Verlust bisher?

Swarovski: Der Tod meiner Großmutter Gertrud vor genau drei Jahren. Sie war mein Ein und Alles (kriegt feuchte Augen) . Sie war der Mensch, mit dem ich mich am allerbesten austauschen konnte. Bei ihr fühlte ich mich geborgen und verstanden. Sie starb am 11. Juli 2007 – im Herbst wäre sie 91 geworden. Von ihr habe ich auch gelernt, wie mir die beste Kalbshax’n gelingt!

WOMAN: Warum war da so eine enge Verbindung?

Swarovski: Wir sahen uns jeden Tag! Sie kam morgens, um mich zu wecken. Sie hat mir Mittagessen gekocht und vor dem Schlafen gehen, eilte ich noch einmal zu ihr, um mir einen Gute-Nacht-Kuss zu holen. Sie hat mir so viel mitgegeben fürs Leben: Menschenkenntnis, Offenherzigkeit und Humor! Sie fehlt mir sehr (kämpft mit den Tränen) ! Im Herzen ist sie immer bei mir, gibt mir Sicherheit. Speziell in Situationen, in denen ich nicht weiß, wie ich sie händeln soll… Hätte ich mich damals nicht unsterblich in meinen Mann, einen spanischen Granden, verliebt, hätte ich Österreich allein schon wegen ihr nie verlassen. Sie war die zentrale Figur in meinem Leben!

WOMAN: Doch es kam anders und Sie gaben 1995 dem zehn Jahre älteren Aristokraten Joaquin Fernandez de Cordova Hohenlohe das Ja-Wort. Wo lernten Sie ihn kennen?

Swarovski: Im Spanienurlaub, als ich mir meine erste Videokamera kaufte. Da war ich 22. Weil ich nicht wusste, wie man sie richtig bedient, filmte ich als Testaufnahme einfach am Strand ein schmusendes Pärchen. Zuhause in Tirol sah ich mir die Kassette Dutzende Male an. Bis vier Jahre später in einer Pizzeria in Madrid ein Mann zur Tür herein kam. Ich traute meinen Augen nicht, lief hin zu ihm und meinte: „Ich habe ein Video von dir daheim...“ Es war der küssende Typ vom Strand! Ein Jahr später tauschten wir Ringe und bekamen zwei Kinder.

WOMAN: Wow! Joaquins Trauzeuge bei der Hochzeit in Hall war kein Unbekannter, sondern der spanische Thronfolger, Kronprinz Philipe...

Swarovski: Ja, ein toller Mann! Er war Joaquins bester Freund und damals schwer verliebt in meine schwedische Freundin Maria. Von Prinzessin Letizia wusste er noch nichts (lacht) . Aber ich kann nachfühlen, wie es ihr ging, als sie das strenge spanische Hof-Protokoll lernen musste. Das blieb auch mir nicht erspart. Auch wenn das in den Llanos, den Sumpfgebieten von Venezuela, völlig für die Katz‘ war! Denn dorthin wanderten Joaquin und ich aus. Wir hausten in einer Wellblechhütte, die einst Omi gehörte. Mit Moskitonetzen kämpften wir gegen die Insektenplage an und wenn’s draußen schüttete, saßen wir drinnen mit den Regelmänteln (lacht) .

WOMAN: Welchen Beruf hatte Joaquin zuvor?

Swarovski: Er hatte eine Konservenfabrik und eine Tomatenplantage.

WOMAN: Wie sah Ihr Alltag aus?

Swarovski: Wir waren Selbstversorger, hatten eine Büffelfarm und domestizierte Brüll-und Kapuziner-Äffchen. Ich fühlte mich nie einsam, obwohl weit und breit keine Menschenseele war. Ich gründete den Wohltätigkeitsverein für exotische Tiere in Gefangenschaft und päppelte verletzte Ozelote, Schlangen, Pumas und Jaguare auf. Nach acht Jahren Ehe und sechs Jahren Einsiedlertum war dieses Kapitel aber vorbei. Meine Büffelfarm habe ich noch, allerdings führt sie ein Wiener für mich, der jetzt mit seiner Familie dort lebt.

WOMAN: Wer einmal so reduziert leben kann, schafft’s überall, oder?

Swarovski: Ja. Ich bin durch diese Erfahrungen extrem gereift. Oma war stolz auf mich!

WOMAN: War Ihre Großmutter eine moderne oder traditionelle Frau?

Swarovski: Sie war irrsinnig emanzipiert für die damaligen Zeiten. Hat Kriege miterlebt und Krisen. Trotzdem blieb sie immer dieser feine, herzliche und lustige Mensch. Wenn ich Liebeskummer hatte, meinte sie: „Ach geh, Kinderl, doch nicht wegen dem!“ (lacht) Nur zum Schluss sagte sie genau das Gegenteil: dass sie sich wünscht, dass ich noch einmal glücklich werde mit einem Mann! Sie hatte ja sich ja auch von meinem Großvater Giselher scheiden lassen - ein Tabubruch damals! Auch Oma war Alleinerzieherin von zwei Kindern: meinem Papa und Fionas Mama! (hält inne) Sie hat mich gelehrt, das Leben so zu leben wie es mir wirklich entspricht – nicht nach den Vorstellungen anderer.

WOMAN: Inzwischen sind Sie wieder glücklich - mit Investmentbanker René Riefler. Wo hat’s da gefunkt?

Swarovski: Als ich das „maquin“ aufsperrte, bat ich ihn – statt meinen Vater – um eine Finanzspritze. Ich wollt es aus eigener Kraft schaffen, war zu stolz, um Papa zu fragen. Doch René belächelte meinen Businessplan, also zog ich es allein durch. Was sich liebt das neckt sich: Die darauf folgenden Monate sind wir uns an allen möglichen Orten der Welt zufällig wieder begegnet. Seit drei Jahren sind wir fix ein Paar. Seine zwei Kinder verstehen sich mit meinen prächtig.

WOMAN: Können Sie sich vorstellen, nochmals zu heiraten und ein Kind zu bekommen?

Swarovski: Sag niemals nie. Ich werde nächsten Herbst 40 - ein neuer Lebensabschnitt, auf den ich mich sehr freue. Ich vertraue darauf, dass es das Schicksal gut mit mir meint!

Interview: Petra Klikovits