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WOMAN testet Sportarten: Bouldern

Klettern ohne Ausrüstung: Beim Bouldern kommt man nicht nur körperlich ganz schön in's Schwitzen! Wir haben die Trendsportart einmal ausprobiert.

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Sabrina Kraußler
© Sabrina Kraußler

Ich gebe es zu: Ich bin ein Fauli was Sport betrifft. Ab und zu überwinde ich dann doch meinen inneren Schweinehund und besuche wenigstens Probetrainings. Wenn es gut läuft (und es die Möglichkeit gibt), dann kaufe ich eine Block-Karte und komme vielleicht ein paar Mal wieder – da muss das Training aber auch wirklich Spaß gemacht haben. Einen Trainingsplan im Fitnessstudio durchziehen? Nichts für mich. Laufen gehen? Ist mir zu langweilig. Home-Workout? Keine Chance (haha). Falls es euch genauso geht, dann ist die folgende Rubrik vielleicht etwas für euch. Ich versuche nämlich immer wieder Mal eine neue Sportart und werde euch fleißig berichten. Dieses Mal: Bouldern.

Wie funktioniert Bouldern?

Wer's nicht kennt: Bouldern ist das Klettern ohne Ausrüstung und ohne Sicherung – in der freien Natur oder an künstlichen Kletterwänden. Doch keine Angst, man klettert beim Bouldern immer in Absprunghöhe d.h. die Kletterwand ist zwischen 2 und 4 Metern hoch. Darunter liegt eine dicke Matte, die einen auffängt, wenn man mal unerwartet hinunterfällt. Im Normalfall klettert man aber wieder vorsichtig hinunter, wenn man mit seiner Route fertig ist. Um das Ganze von Anfang an richtig anzugehen, habe ich einen Einführungskurs in einer Boulderhalle in Wien besucht. Wer keine Ahnung vom Klettern hat und niemanden kennt, der einem etwas beibringen kann, dem sei ein Anfängerkurs an's Herz gelegt. In 2 bis 3 Stunden konnte ich die Basic-Techniken erlernen und war bereit, die darauffolgenden Male alleine zu klettern. Beim Bouldern werden fast alle Muskelgruppen trainiert. Doch man ist nicht nur körperlich gefordert – wie man die Kletter-Routen am besten bestreitet erfordert vollste Konzentration. Deshalb ist dieser Sport perfekt, um ein wenig abzuschalten und seinen Alltag zu vergessen.

Kraußler

Was brauche ich zum Bouldern und wie viel kostet es?

Ganz normale Sportkleidung ist perfekt zum Bouldern. Wenn es im Winter ein bisschen kühler in der Halle ist, empfiehlt es sich, sich sehr warm anzuziehen, damit die Muskeln nicht auskühlen. Ich bin diesbezüglich ein Freund von Funktionswäsche aka Skiunterwäsche. Außerdem benötigt ihr Kletterschuhe. Die meisten Boulderhallen stellen allerdings welche gegen eine geringe Leihgebühr zur Verfügung. Die sollten eng sitzen, damit man bei den kleineren Griffen nicht abrutscht. Manchmal sind die Griffe nämlich so klein, dass nur noch die Zehenspitzen darauf Platz haben. Je enger die Schuhe sitzen, desto besser. Tipp: Online-Flohmärkte sind eine gute Anlaufstelle für neuwertige Kletterschuhe zu einem echt günstigen Preis. Viele kommen nach zwei, dreimal bouldern zur Erkenntnis, dass ihnen die Schuhe doch nicht so gut passen wie im Shop und verkaufen sie dann um die Hälfte. Einen Tageseintritt bekommt man in den meisten Kletterhallen zwischen 5 und 10 Euro.

Macht Bouldern Spaß?

JA! Ich habe mir nach dem Kurs und zwei Trainingseinheiten einen 10er Block gekauft – und das soll was heißen. Obwohl man die Routen alleine bestreiten muss, ist Bouldern eindeutig ein Teamsport. Wer alleine in die Kletterhalle kommt, findet schnell Anschluss. Jeder versucht dem anderen zu helfen. Vor allem die Fortgeschrittenen geben gerne mal Tipps, wenn man nicht mehr weiter weiß und sich hilfesuchend umdreht und nach unten sieht. Ich gehe gemeinsam mit einer Freundin zum Bouldern – da ist die Motivation gleich viel größer. Am Ende landen wir meistens in einer Gruppe von vier Leuten, die sich gegenseitig unterstützt. Wer gemeinsam auf eine Route wartet, kommt schnell in's Gespräch. Und wenn man dann die Route geschafft hat, freuen sich die anderen mit. Das Bouldern ist übrigens auch eine Vitamin-Spritze für's Selbstbewusstsein, denn wer an sich zweifelt und dann doch die vorhin noch unmöglich zu bewältigende Route geschafft hat, freut sich dann umso mehr!

Für mich ist es auch eine gute Möglichkeit meine Höhenangst zu überwinden und an meine Grenzen zu gehen. Je weiter man nach oben kommt, desto mehr lässt die Kraft nach und man lernt, seine Kräfte einzuteilen – schließlich soll man ja auch wieder runterklettern! Das steigert das Körperbewusstsein immens. Mir hilft es ungemein, mich und meine körperlichen Kräfte einzuschätzen. Ein bisschen Nervenkitzel ist stets vorhanden, wenn man sich in 3 bis 4 Metern Höhe befindet. Es freut mich jedes Mal, wenn ich es geschafft habe, schwierigere Routen zu klettern. Die verschiedenen Pfade (immer in einer Farbe) sind mit Schwierigkeitsgraden versehen. So weiß man, auf welchem Level man sich ca. befindet und kann in der ganzen Kletterhalle nach diesen Routen suchen. Die werden übrigens immer Mal wieder von den Betreibern umgesteckt. So wird's nie langweilig!

Was wird trainiert?

Der ganze Körper! Je nach Dauer und Intensität des Trainings, stellt sich auch ein ordentlicher Muskelkater ein. Den habe ich vor allem am Hintern, in den Armen und am ganzen Rücken gespürt. Perfekt für alle, die – so wie ich – viel zu oft auf Rückenübungen vergessen. Aber auch die Ausdauer wird gefordert. Man kommt beim Bouldern ganz schön in's schwitzen und wer eine Route ein bisschen flotter klettert, der kommt auch ein bisschen außer Atem. Aber vielleicht liegt es nur an mir und meinem untrainiertem Körper. Aber hey, I try! Bei einer "Einheit" schaffe ich meist 10 Routen. Das dauert zwischen 1,5 und 2 Stunden – ein bisschen zeitaufwändiger also, man muss schließlich auch zur Kletterhalle fahren. Aber es zahlt sich wirklich aus!

Thema: Fitness