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Wütend auf dein eigenes Kind?

Du erklärst deinem Kind geduldig, warum es etwas nicht tun soll. Aber es will nicht hören. Da reißt dir der Geduldsfaden. Was in dieser Situation hilft!


Wenn dein Kind einfach nicht so reagiert, wie du das möchtest
© iStockphoto.com

Jede Mutter und jeder Vater wird diese Situation kennen: Du hast dein Kind schon mehrmals gebeten, etwas zu tun, etwas anders zu tun oder etwas gar nicht zu tun. Du hast erklärt warum. Jedoch dein Kind reagiert nicht, wie erwartet. Dann ärgern sich Eltern. Werden laut. Aggressiv. Dabei wollten sie genau das doch eigentlich nie...

Diese Ohnmachtsgefühle und Wut können in der Erziehung ständige Begleiter sein. Margit Dechel, Expertin für die Lösung familiärer Konfliktsituationen und selbst Mutter eines Sohnes nimmt sich jener Ohnmachtsgefühle an und verrät, wie man besser damit umgehen kann.

Tief Luft holen

„Das Gehirn verarbeitet jeden Reiz von außen binnen Millisekunden und trifft eine Entscheidung, was zu tun ist. Beispielsweise in einer Krisensituation: jetzt schreien. In dieser Phase haben wir keine Chance, bewusst einzugreifen, wohl aber in der Phase zwischen Entscheidung und Ausführung“, erklärt sie. „Denn, um zu schreien, müssen wir zuvor tief einatmen. Und diesen Atemzug können wir nutzen, um innerlich die Stopptaste zu drücken. Klar und bestimmt als Aufforderung an uns selbst, sich auf den Atem zu konzentrieren, tief ein- und auszuatmen mit dem Satz: Ich bin ruhig und entspannt. Ist innere Ruhe eingekehrt, kann jener Teil des Gehirns, der für Kreativität und Lösungen zuständig ist, wieder ungehindert arbeiten. Aber damit das funktioniert, braucht es etwas Übung. Das muss nicht beim ersten Mal klappen.“

Angst – ein schlechter Ratgeber

Stress, Besorgnis oder gar Angst, die häufig in „ohnmächtig machende“ Situationen führen, sind schlechte Ratgeber, wenn es um die Begleitung von Kindern geht. Sie engen die Wahrnehmung ein und verschieben den Fokus auf die (vermeintliche) Bedrohung. „Die Gefahren im Zusammenleben mit Kindern sind selten so bedrohlich, dass sie ein sofortiges Handeln verlangen. Vielmehr sind es die vielen alltäglichen Dinge, die uns herausfordern und die wir angstvoll beurteilen. Möglicherweise fühlen wir nicht einmal Bedrohung, sondern es springt nur der durch selbst erfahrene Erziehung und Sozialisierung eigene Automatismus an: Das macht man nicht“, führt Margit Dechel weiter aus. „Die Folge sind zu enge Grenzen, viele Verbote oder gar körperliche Gewalt. Ängste erzählen stets eine Menge über uns selbst. Es ist wichtig, sie zu erkennen und sich mit ihnen zu befassen. Das bietet die Chance, etwas über unsere wirkliche Motivation zu erfahren und sie zu lösen, um ruhig und selbstsicher kommunizieren zu können.“

Vier Phasen eines Konfliktes

Wie kommunizieren Eltern nun aber mit Kindern in einem Konflikt? „Jeder Konflikt durchläuft vier Phasen, meist beginnend mit einem Wunsch des Kindes, gefolgt von der Frustration, wenn der Wunsch von den Eltern verwehrt wird.“, listet Margit Dechel auf. „Wird einem Kind etwas verwehrt, ist es sinnvoll, den Grund für das Nein zu erklären, gleichzeitig aber auch die emotionale Reaktion des Kindes auf sich zu nehmen. Auch Erwachsene finden das Gegenüber, das ihnen einen Wunsch versagt, in diesem Moment alles andere als toll.“ Die dritte Phase ist der Streit, der Kampf. Auch diese Phase sollten Eltern anerkennen, was sie nicht daran hindert, Situationen zu entschärfen, wenn das Kind etwa um sich schlägt oder Gegenstände hinunterwerfen möchte. „Jedes gesunde Kind kämpft um seinen Wunsch. Kampfgeist ist grundsätzlich positiv.“ Die vierte Phase ist die Trauer, das Beleidigt-Sein. Durch Weinen werden im Körper Hormone produziert, die beruhigend und schmerzlindernd wirken. „Das Weinen hat daher nicht den Zweck, Mitleid zu erregen, sondern das Kind weiß instinktiv um die heilsame Wirkung von Tränen. So schließt das Kind die Situation ab.“

„Kinder können ihre Bedürfnisse häufig noch nicht ausformulieren, sie reagieren emotional und körperlich. Daher ist es wichtig, dass Eltern formulieren, was das Kind fühlt. Zeigt man als Eltern Verständnis für Frust, Wut und Trauer, wenn etwas Erhofftes nicht in Erfüllung geht, und begleitet das Kind ruhig durch die Phasen des Konfliktes, ist das Kind nach und nach immer besser für das weitere Leben gerüstet, Konflikte mit Bravour zu meistern.“

Expertin Margit Dechel zeigt in ihrem Workshop-Programm „Bewusste Eltern“ neue Wege im Miteinander auf – mit Schnupperkursen am 7. und 9. November: Auf Entdeckungsreisen ins eigene Denken und Fühlen will sie durch Erkenntnisse aus Gehirnforschung, Psychologie und Familiendynamik emotionale Reaktionen von Eltern für diese nachvollziehbar machen und offenbart so alternative Handlungsmöglichkeiten. Am 7. November (10-11.30 Uhr) und 9. November (17-18.30 Uhr) erhalten Interessierte in der Taborstraße 78 Einblick in das Workshop-Programm.

Bewusste Eltern – Schnupper-Workshops:
Dienstag, 7. 11. 2017, 10 bis 11.30 Uhr
Donnerstag, 9. 11. 2017, 17 bis 18.30 Uhr
Workshop-Programm:
Dienstag, 14. 11. 2017, 9.30 bis 11.30 Uhr
Donnerstag, 16. 11. 2017, 16.30 bis 18.30 Uhr
Wo? Taborstraße 78, 1020 Wien
Wie viel? 29 €
Informationen und Anmeldung unter m.dechel <AT> bewusste-eltern.at oder Tel. 0650 915 14 12
Mehr auf bewusste-eltern.at.

Thema: Eltern

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