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Hipster? Jetzt kommt der "Yuccie"!

Der "Hipster" ist out, das Netz feiert den "Yuccie". Wodurch sich die "Young Urban Creatives" unterscheiden. Und warum die Kerle weiter Vollbart tragen dürfen.

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Hipster? Jetzt kommt der "Yuccie"!
© Corbis

Gerade haben wir uns noch bemüht, in den Hipster-Slang einzusteigen und vollbärtige Männer in zu engen Hosen und mit zu viel Gesichtsbehaarung richtig toll zu finden, da werden wir wieder aus der Komfortzone katapultiert.

Denn der "Hipster", so wird im Netz postuliert, hat ausgedient. Die Mainstream-Verweigerung, die modisch ausgedrückte Individualisierung: passè. Vor allem, wenn Bärte und Karohemden von der Wiener Mariahilfer Straße bis nach Rankweil an jeder Ecke zu sehen sind – ist dann nicht eigentlich auch diese Bewegung wieder massentauglich geworden? Eben. Also zieht die trendbewusste Kolonne weiter und versucht, eine neue Nische zu finden. Und wenn sich diese nicht findet, dann muss zumindest trotzdem ein Name her. Denn ohne Label ist mans heutzutage ja eigentlich nicht.

Und so hat der amerikanische Autor David Infante eine neue Bezeichnung für die Post-Hipster-Generation gefunden: Die "Yuccies", weltgewandte, erfolgreiche Menschen zwischen 25 und 35, die hippe und kreative Jobs haben. Entweder werkeln sie in einer Werbeagentur als CreativeIrgendwas, sind Social Media Berater oder gründen Start-Ups für nachhaltige Brillengestelle aus Bambus, wie Infante auf Mashable schreibt.

Der Unterschied zu den Hipster: Die "Yuccies" verdienen auch noch richtig Geld, das sie für exquisites Design ausgeben – dieses hat aber bitte mit ökologisch und ethisch vertretbaren Werten ausgestattet zu sein.

Yuccies: Jung, kreativ und ein klein wenig Yuppie

Daher auch ihre Benamsung. Denn eigentlich handelt es sich bei den "Yuccies" um eine Mischung aus Hipstern und Yuppies, jenem konsumorientierten, kapitalistischen und egoistischen Schreckgespenst der 90er-Jahre.

"Sie wollen erfolgreich sein wie Yuppies, aber auch kreativ wie die Hipster," so Infante in seinem Artikel, der seitdem von der Netzgemeinde begeistert diskutiert wird. Sie seien konsumorientiert. Doch während für den Yuppie ausschließlich der Preis und für den Hipster allein der Geschmack eines Produktes entscheidend sei, zählen laut Infante für den "Yuccie" sowohl PREIS als auch GESCHMACK .

Er pilgert zwar zu einem Independent-Festival, mietet sich dort aber in ein Design-Hotel ein. Er kauft Pasta-Sauce um 20 Euro, die wurde dafür aus ökologisch unbedenklichem Tuna und Bio-Lemongrass gepanscht. Seine Hosen sehen aus wie billige Jogger, kosten aber mehrere hundert Euro und stammen von Fashion-Darling Alexander Wang.

Entstanden sei diese Mischung aus Luxus-Bewusstsein und Laissez-Faire aus zwei Eindrücken, so urteilt der Erfinder des Begriffs "Yuccie": Einerseits hätte der damals noch Adoleszente erlebt, wie die Hipster sich tätowieren lassen und im Hinterhof eine mittelmässig erfolgreiche Fahrradsattel-Spedition eröffnet haben, in der sie mit ihren "Dudes" abhängen und Gitarren-Musik hören. Auf der anderen Seite erlebte der angehende "Yuccie", wie im Silicon Valley quasi über Nacht blasse Nerds zu Milliardären mit Supermodel-Freundinnen wurden. Beide Einflüsse hätten den Wunsch nach Wohlstand, aber auch nach Kreativität und einem relaxten Lebensstil befördert.

Kurzum: Der "Yuccie" würde sich nie tätowieren lassen, denn dies könnte seiner Karriere hinderlich sein. Er liest keine Nachrichten, so Infantes Psychogramm, hat aber eine Wochenzeitung im Abo. "Eigentlich", so Infante, "ist der Yuccie kein wahnsinnig sympathischer Typ. Im Kern geht es dem Yuccie immer um Bestätigung."

Thema: Internet-Hype

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