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Zivilcourage zeigen

Karin Bischof weiß, wie man richtig eingreift, wenn andere in Not sind. Sie ist Zivilcourage-Trainerin. Für das Projekt "Fight against Homophobia/Transphobia" ist sie gerade im Kosovo im Einsatz.

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Zivilcourage zeigen

Karin Bischof ist Zivilcourage-Trainerin.

© Rudi Froese

WOMAN: Wann müssen wir Zivilcourage zeigen?

Bischof: Wenn ich beobachte, dass jemand in Not ist oder mein Wertesystem (z.B. Meinungsfreiheit, gewaltfreie Erziehung, Umweltschutz) maßgeblich von Handlungen anderer bedroht wird, schlägt mein inneres Unrechtsbewusstsein Alarm. Je mehr Handlungswissen ich habe, desto eher greife ich ein. Jede Situation ist anders! Jedoch kann ich mir - und das vergisst man in der Aufregung oft -, die Frage stellen, was ich eigentlich erreichen will und dann überlegen wie. Oftmals setzen wir uns zu hohe Ziele. Schon kleine Interventionen können viel bewirken.

WOMAN: Warum schauen so viele Menschen in solchen Situationen lieber weg?

Bischof: Studien zeigen: Je mehr Menschen eine schwierige Situationen im öffentlichen Raum beobachten, desto eher lassen sie sich dazu verleiten, die scheinbar geteilte Verantwortung an Umstehende abzugeben: "Wird sich schon jemand darum kümmern...", "Warum ich?", "Nicht heute!" Zivilcourage bedeutet auch, Situationen wahrzunehmen, einzuschätzen und sich dafür verantwortlich zu fühlen, was um einem herum passiert. Obendrein machen Handlungswissen und positive Erfahrungen mit zivilcouragierten Interventionen mutiger.

WOMAN: Wer hilft am ehesten?

Bischof: Es heißt, Zivilcourage sei weiblich! Wichtig ist: Alle Menschen sind dazu in der Lage!

WOMAN: Kann man Zivilcourage lernen?

Bischof: Das ist die gute Nachricht: Zivilcourage ist erlernbar! Je mehr Handlungswissen ich habe, je mehr Situationen ich schon einmal "durchgespielt" habe, desto leichter fehlt es mir, mich zu überwinden, in einer schwierigen Situation couragiert einzugreifen. Zivilcouragetrainings dauern zwischen einem halben und zwei Tagen und machen nicht nur Mut sondern auch wieder Lust, aktiv zu werden! Ich selbst biete Zivilcouragetrainings über den Verein "ZARA" (zara.or.at) an.

WOMAN: Oft werden jene, die einschreiten, auch angegriffen. Haben die Menschen deshalb so viel Skrupel davor?

Bischof: Ja! Vor allem sind es diese Schreckensgeschichten, die, einmal medial wahrgenommen, uns nicht mehr aus dem Kopf gehen. Positive Erfahrungen aber stärken meinen persönlichen Mut.

WOMAN: Was, wenn es mir an Mut fehlt bei brenzligen Situationen einzuschreiten? Wie überwinde ich die Angst?

Bischof: Klingt banal ist aber wirkungsvoll: 3-mal tief durchatmen. Das Gefühl von Ohnmacht kann ich im wahrsten Sinne des Wortes "wegatmen"! Test-Aktionen in öffentlichen Verkehrsmitteln mit versteckter Kamera haben gezeigt, dass Auftreten in einer Gruppe sehr effektiv ist. Ein erster Schritt zur Zivilcourage kann sein, andere zu aktivieren. Das braucht oft weniger Mut als sich heldenhaft "dazwischenzuwerfen" und sich selbst in Gefahr zu bringen.

WOMAN: Wie kann ich auch andere Menschen motivieren zu helfen?

Bischof: Direkt ansprechen und um Unterstützung bitten. Auf Bitten reagieren die wenigsten Menschen aggressiv oder ablehnend. Im Nachhinein sind viele Menschen froh, dass sie jemand aus der Komfortzone geholt hat. Man sollte auch das gute Gefühl nicht unterschätzen, wenn man erfolgreich zivilcouragiert war.

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