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In 8 Wochen zuckerfrei!

Wer kennt ihn nicht, diesen unbändigen Gusto auf Süßes? Diese Sucht, die uns immer weiter naschen lässt? Sarah Wilson verrät wie sie diese Gier besiegt hat!

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In 8 Wochen zuckerfrei

Nein, ich will nicht mehr süß sein!

© istockphoto.com

"Wir alle haben einen tief verwurzelten Widerstand, wenn wir auf Süßigkeiten verzichten sollen. Wir sind mit einer emotionalen und körperlichen Bindung an Zucker aufgewachsen. Wir geraten in Panik bei dem Gedanken, nichts Süßes verzehren zu können, wenn wir glücklich sind oder etwas feiern wollen oder wenn wir uns schlecht oder müde fühlen." Das sagt Sarah Wilson - und sie weiß ganz genau, wovon sie spricht. Die australische Journalistin und Reisebloggerin aß bis vor drei Jahren umgerechnet etwa 25 Teelöffel Zucker pro Tag: "In unserer heutigen Ernährung ist Zucker allgegenwärtig. Ein Müsliriegel kann mehr Zucker enthalten als eine Tafel Schokoloade, eine übliche Barbecue-Sauce mehr als eine Schokoglasur. Man versucht, das Richtige zu tun, und stellt fest, dass ein fettreduziertes Früchtejoghurt mehr Zucker enthält als ein Eis." Sarah Wilson hatte es satt. Sie wollte nicht mehr süchtig sein - und sie wollte sich von der Nahrungsmittelindustrie nicht mehr für dumm verkaufen lassen. Silvester vor dreieinhalb Jahren startete sie ihr Experiment.

Ihre schlimmste Erkenntnis: "Versuchen Sie gar nicht erst, dem Zucker in einem Bioladen zu entkommen -auch Bioläden sind Höhlen mit Lebensmitteln voller Fructose, die als gesund verkleidet sind."

Wilson hat nun all ihre Erfahrungen, Tipps und Rezepte zu einem Buch zusammengefasst.

Goodbye Zucker von Sarah Wilson

Gesundheitscoach Sarah Wilson interviewte für ihr Buch Dutzende Experten und stellte leicht machbare Rezepte zusammen. "Goodbye Zucker", erschienen bei Goldmann, € 12,99.

»Starte los...«

SUCHT EINGESTEHEN.

Studien belegen, dass es bis zu 66 Tage dauern kann, um sich den Zuckerkonsum abzugewöhnen - eine ziemlich lange Zeit, denkt man im ersten Moment. Aber: Süchte sind schwer loszuwerden. In den kommenden acht Wochen darfst du keinerlei Zucker essen - keine Süßigkeiten, kein Obst, keinen Obstsaft, keinen Honig, keinen Agavensirup - das ist wichtig, damit man die Abhängigkeit überwindet und der Körper sich neu einstellt. (Einem Alkoholkranken oder einem Nikotinsüchtigen sind ja auch nicht ein halbes Glas Alk oder drei Zigaretten täglich erlaubt, wenn er seine Sucht endgültig loswerden will.) Versuche auch, ganz bewusst auf deine Ernährung zu achten: kein minderwertiges Brot, keine Berge an Nudeln am Abend. Gut und einfach kochen, bewußt essen - Zeit nehmen, um dem Körper gute Lebensmittel zuzuführen. Wenn du Kaffee nicht ohne Zucker trinken kannst, dann gib stattdessen einen Mini-Schuss Milch hinein, oder - noch besser - verzichte ganz drauf. Ideales Lebensmittel ab sofort: viel Gemüse, klein geschnitten für den Heißhunger zwischendurch, gedünstet als Hauptmahlzeit mit Fisch oder Fleisch. Außerdem Eier in allen Variationen. Wer Käse mag, greift zu Halloumi oder anderen eher fettarmen Sorten.

»Durchhalten!«

FETTE UND PROTEINE.

Wenn du die Startwoche ohne Gummibärchen, Kekse & Co. geschafft hast , dann ist die erste Hürde getan. Achte ab sofort auf gesunde Fette und Proteine. Diese stillen das Verlangen nach "Leckereien". Du wirst merken, dass die Gier nach Süßem nachlässt. Gerade für uns Frauen ist das Reduzieren oder am besten ganz Weglassen von Zucker essenziell. Zucker bringt unseren Hormonhaushalt durcheinander. Durch komplexe Mechanismen führt Zucker zu Heißhunger und Mangelerscheinungen. So setzt Zucker immer wieder von Neuem den Zyklus des Überessens in Gang. Und: Zucker kann Krebs begünstigen. Krebszellen ernähren sich von Zucker - daher rät man auch Krebspatienten, dringend auf eine zuckerfreie Ernährung umzusteigen. Wenn du ein Tief hast, du dich schlapp oder unglücklich fühlst, hast du einige gute - und gesündere - Alternativen zum Zucker: Trinke weißen Tee, geh eine große Runde spazieren, iss ein paar Nüsse oder eine kleine Handvoll Haferflocken mit Milch, ein hart gekochtes Ei, mach dir ein Tsatsiki (griechisches Joghurt, Gurke, Minze, Knoblauch), lies spannende Bücher, lenke dich ab, rufen deine beste Freundin an, schlafe ein halbes Stündchen. Und wenn du im Büro bist: Lenke dich mit Arbeit und einem riesigen Glas Wasser mit Zitrone ab.

»Umstellung«

EIN NEUER LEBENSABSCHNITT BEGINNT.

Wenn du die 8 Wochen geschafft hast, ist deine Festplatte auf Reset gestellt. Du startest damit in ein neues Leben, das weitgehend ohne Zucker, jedenfalls aber ohne diese Gier nach Süßem auskommen wird. Hie und da eine halbe Rippe dunkle Schoko, eine Handvoll Beeren oder mal ein Stück Geburstagskuchen... mehr Zucker braucht dein Körper einfach nicht.

Selbstversuch einer "Zuckersüchtigen"

WOMAN-Chefredakteurin Euke Frank über ihre ersten beiden Wochen ohne Zucker.
Ich bin zuckersüchtig. Wirklich! Wenn mein Sohn (14) fünf Gummibärchen isst, stopfe ich dann die restlichen 35 aus der Verpackung in meinen Mund. Wenn Kolleginnen Kekse gebacken haben, muss ich kosten. Wenn ich am Nachmittag eine kleine Müdigkeitsattacke habe, dann brauche ich einen Zuckerschub. Ich ernähre mich nicht grundsätzlich ungesund, nein, aber ich kann einfach nicht auf Zucker verzichten. Als Gesund-Chefin Pia Kruckenhauser das Thema vergab, hab ich am lautesten "Hier!" gerufen. Weil: Ich will nicht mehr zuckersüchtig sein. Ich stehe grad bei Tag 28. Die ersten Tage hatte ich oft Kopfschmerzen.

Und dann fragt man sich auch manchmal: Hey, was mach ich jetzt mit der Zeit, in der ich früher genascht hab? Ich fühle mich mittlerweile wacher, agiler. Obst fehlt mir sehr, zwischendurch ein Apfel wäre großartig - aber diese acht Wochen halte ich jetzt mal durch. Ganz sicher - in der nächsten Ausgabe von WOMAN finden Sie dann im Gesund-Ressort meine ausführliche Leidensgeschichte :-).

Euke Frank
WOMAN-Chefredakteurin Euke Frank
Themen: Diät, Ernährung