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Diese zwei Frauen outen einen Liebesschwindler

Was für eine Horror-Story: Petra und Silvia liebten denselben Betrüger. Einen sexsüchtigen Narzissten, Player & Hochstapler. Und er treibt nach wie vor sein Unwesen auf Dating-Plattformen! Deshalb möchten die beiden andere Frauen warnen.

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Liebesschwindler

Durch ihre Liebe zu einem Betrüger lernten sich Petra und Silvia kennen. WOMAN haben sie ihre Story erzählt. "Es geht uns aber nicht um Rache!"

© iStockphoto.com

"Arschloch. Können wir uns drauf einigen, dass er ein riesengroßes Arschloch ist?", fragt Petra, 45. Neben ihr sitzt Silvia, 50, und nickt zustimmend. "Ja, das können wir. Aber er war nicht nur eine, sondern auch noch die größte Enttäuschung meines Lebens."

Zwei Frauen, eine gemeinsame Story. Aber nicht die von Freundinnen - dass die beiden heute nämlich an einem Tisch sitzen, hat einen traurigen Hintergrund: Petra und Silvia sind auf denselben Liebesschwindler reingefallen. Beides sind Damen im besten Alter, attraktiv, finanziell unabhängig, erfolgreich im Job, geschieden. Und passen perfekt ins Beuteschema von R.S., 53, internationaler Top-Manager. R.S. - mehr als seine Initialien wagen sie aus Angst vor einer Klage nicht anzugeben - war der Erste, der Silvia anflirtete, als die hübsche Single-Frau letzten Frühling nach dem Ende einer langjährigen Ehe von ihrer besten Freundin auf Elite-Partner angemeldet wurde.

"Eigentlich war er überhaupt nicht mein Typ, zu klein, Bauchansatz. In seinem Profil stand, dass er geschieden sei und drei Kinder habe, was natürlich gelogen war. Wir haben über mehrere Wochen hinweg nur geschrieben, Mitte Juni 2017 dann das erste Date. Einen Monat später ist er bei mir eingezogen", erzählt Silvia, die sich damals Hals über Kopf in R.S. verliebte. "Er hat mir täglich seine Liebe gestanden, war aufmerksam, liebevoll - ganz einfach der perfekte Mann. Die ersten Monate vergingen wie im Rausch..."

Was die Wienerin zu diesem Zeitpunkt noch nicht wusste: Sie war nicht die Einzige im Leben von R.S.. Während er Silvia die große Liebe versicherte, traf er auch noch zig andere Spielgefährtinnen im In- und Ausland: Pia, Andrea, Sonja, Susanne, Olga, Katrin. Er hatte außerdem Kontakt zu vier Exfrauen, mit denen R.S. insgesamt vier Kinder hatte - und war mit einer fünften verheiratet.

Durch sein Verhalten wurde sie an den Rande eines Nervenzusammenbruchs getrieben

Und es gab auch noch Petra, mit der er vor Silvia fast zwei Jahre zusammen war und die durch sein Verhalten an den Rande eines Nervenzusammenbruchs getrieben wurde. "Er spielt mit den Gefühlen von Frauen, belügt und manipuliert. Wir möchten andere vor diesem Blender warnen!", erklärt Petra heute ihr Anliegen. Auch ihr Liebesintro mit R.S. war wie ein Traum. Die freischaffende Künstlerin lernte ihn bei einem Event kennen: "Er wollte sofort meine Nummer haben und mich so oft wie möglich treffen." Ähnlich wie bei Silvia zog er in Rekordzeit bei ihr ein. "Täglich kamen seine Liebeserklärungen, wie ernst er es meine. Und der Sex wäre so gut, so was habe er noch nie erlebt. Und er würde mich nie wieder loslassen, ich wäre seine große Liebe. Er lebte in meinem Haus wie Gott in Frankreich. Und zahlte nix. Niemals hätte ich gedacht, dass er neben mir auch noch andere Frauen treffen könnte. Schließlich hatten wir ja bis zu vier Mal am Tag Sex", erinnert sie sich an die gemeinsame Zeit.

Pornos, Sex und Lügen

Leider täuschte sich die 45-Jährige. Neben mehreren Parallel-Affären besuchte R.S. auch noch regelmäßig Bordells und schaute Pornos auf seinem Handy. Wie sie das alles rausfand? Irgendwann einmal wurde Petra misstrauisch und erhaschte einen Blick auf seinen Pincode. "In der Nacht schnappte ich mir sein Handy und traute meinen Augen nicht, was ich da sah. Unzählige Frauennamen poppten da auf einmal am Smartphone-Display auf. Sätze, die sie nur zu gut kannte: ,Mit dir ist es was Ernstes, dich lass ich nicht mehr los, ich hatte noch nie so guten Sex.' Ich war wie in Trance. Konnte nicht reagieren. Ging jede Nacht an sein Handy, dokumentierte seine Affären."

Zusätzlich begann R.S. seine Freundin mit Kommentaren runterzumachen: "Trink doch mehr, ohne Alkohol bist du so unlustig", sagte er ihr immer wieder. "Ich begann an mir selber zu zweifeln. Um den Schmerz zu ertragen, betäubte ich mich mit Tabletten und Alkohol. Mein Plan stand aber fest: seine Lügen aufzudecken und andere Frauen zu warnen."

Irgendwann zog Petra die Notbremse und setzte R.S. vor die Tür, obwohl er ihre Vorwürfe abstritt. Gleichzeitig nahm die Künstlerin zu Silvia, deren Nummer sie auf seinem Display gefunden hatte, Kontakt auf, und versuchte, sie vor den Machenschaften des Liebesbetrügers, der schon mit gepackten Koffern vor ihrer Haustür stand, zu warnen. Vergeblich, wie Silvia zugibt: "Ich glaubte ihr natürlich kein Wort, schließlich hatte er mir schon zu Beginn unserer Beziehung von seiner ,verrückten Ex-Freundin' erzählt, die ihn stalkt."

Frauen gleichzeitig und von einer zur nächsten

Auch bei ihr begann dasselbe Spiel von vorn. "Heute weiß ich, dass dieser Mann ein sexsüchtiger Narzisst ist, der ungeschützt mit Frauen verkehrt. Er gibt sich als erfolgreicher Geschäftsmann, aber vielleicht ist auch das eine Lüge", vermutet Silvia. Auch sie fand auf seinem Smartphone Beweise für ihre Vermutungen. Das tat weh. Auch sie konnte nächtelang nicht mehr schlafen, ging immer wieder an sein Handy und konnte den Betrüger, der noch bei ihr wohnte, vor lauter Schock nicht gleich zur Rede stellen.

Es folgten Wochen der Verunsicherung und der Verzweiflung. Nach einem halben Jahr nahm auch Silvia all ihre Kraft zusammen und trennte sich von R.S., der seinen Abgang schon geplant hatte und auf ihre Anschuldigungen nicht reagierte. Am nächsten Tag zog er bei Katrin ein, wie Petra auf Facebook durch eine gemeinsame Freundin rausfand.

Ein zweites Mal schrieb sie an Silvia, die beiden trafen sich. "Wir waren uns auf Anhieb sympathisch, es tat gut, sich auszutauschen. Stundenlang glichen wir unsere Beweissammlung ab, nahmen Kontakt zu den vielen anderen Frauen auf. Auch zu seiner aktuellen - Katrin - aber die glaubte uns natürlich nicht. Wir wissen, dass dieser Typ immer wieder neue Opfer findet", sagt Silvia. Dass sich viele Betrüger auf Online-Plattformen tummeln, weiß Regisseurin Andrea Eder, die diese für die Doku "#Single" (als DVD auf hoanzl.at) auf Herz und Nieren prüfte. "Es ist wichtig, nicht blind auf alles zu vertrauen! Aber spielen tut jeder, Männer und Frauen", weiß sie. Nur: Wo ist die Grenze zum Betrug - wie in der Geschichte von Silvia und Petra? "Dort, wo auf Ressourcen des Gegenübers unfair zugegriffen wird. Sei es sexuell, finanziell oder emotional."

ElitePartner weist im vorliegenden Fall die Verantwortung von sich: "Dass ein Mitglied mehrere Personen datet, liegt jenseits unseres Einflusses", so das Statement der PR-Abteilung. Petra zuckt mit den Achseln. "Uns geht's nicht um Rache. Wir sind auch nicht verbittert. Wir möchten nur andere Frauen warnen." Und Silvia denkt schon an die Zukunft: "Ich bin bereit für einen neuen Mann! Der soll aber bitte ehrlich zu mir sein!"

Vollkommene Sicherheit gibt es nicht:

Wir haben bei der Online-Dating-Plattform ElitePartner nachgefragt, wie sicher es beim Flirten zugeht.

Wie überprüfen Sie die Seriosität der Benutzerinnen und Benutzer?
ELITEPARTNER: Eine vollkommene Sicherheit gibt es auch bei der Online-Partnersuche nicht. Schwarzen Schafen kann man leider überall begegnen, auch wenn wir viel dafür tun, sie rechtzeitig aufzuspüren. Wir prüfen jede Anmeldung von Hand auf Niveau und Seriosität. Dazu sind 30 Angestellte sieben Tage die Woche im Einsatz. Dabei sehen sie sich sehr genau die persönlichen Angaben und die Fotos an und entscheiden dann, ob der Bewerber oder die Bewerberin zu ElitePartner passt. Etwa, ob die Angaben ein gewisses Niveau vermissen lassen oder andeuten, dass derjenige eine andere Bindungsintention als die der festen Beziehung hat.

Ihre Dating-Plattform ist kostenpflichtig. Angenommen, ein User meldet einen Betrugsfall: Bekommt er dann sein Geld zurück?
ELITEPARTNER: Unser Kundenservice ist bemüht, im Einzelfall eine individuell passende Lösung zu finden. Wir nehmen allfällige Meldungen sehr ernst und prüfen jeden Fall sehr genau.

Was empfehlen Sie Usern in puncto Sicherheit?
ELITEPARTNER: Unsere Kundinnen und Kunden können uns über die Funktion "Mitglied melden" auf auffällige Profile hinweisen, die dann geprüft und gegebenenfalls gesperrt werden.

Wie werden Sie in unserem vorliegenden Betrugsfall vorgehen?
ELITEPARTNER: Es kann natürlich vorkommen, dass ein User mit verschiedenen Personen in Kontakt ist und parallel flirtet oder datet. Das ist bei der Online-Partnersuche, wie auch bei der Partnersuche außerhalb des Internets, üblich und liegt jenseits unseres Einflusses.

Kommentare

Autor

Ich würde auch gerne andere Frauen vor R.H. warnen, weiß aber nicht genau wie.
Ich fühle mich seelisch und emotional ausgebeutet, manchmal überkommt mich ein Ekelgefühl ... Ich würde mich auch freuen über 'Rituale' und andere Verarbeitungsmöglichkeiten um den Mann aus meinen Gedanken möglichst rasch los zu werden und wieder nach vorne zu schauen.

WOMAN

Liebe Susi! Wir fürchterlich - wir fühlen mit dir! Und hoffen, dass du bald wieder glücklich wirst!

Autor

Leider ist mir unlängst Ähnliches passiert :(
Gott sei Dank nicht so lange Zeit. Trotzdem würde ich mich gerne mit Frauen austauschen die diese Erfahrung gemacht haben.

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