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Zwei mit Hang zum Drama: Nina Hartmann und Elke Winkens im Interview

WOMAN-Talk über Putzfimmel, Frauenfreundschaften und Schlampen.


Zwei mit Hang zum Drama: Nina Hartmann und Elke Winkens im Interview
© Ernst Kainerstorfer

„Mein Mann hat mich verlassen“, jammert Elke Winkens, 42, mit weinerlicher Stimme und schmiegt sich hilflos an Nina Hartmann, 30, als wir die beiden in der Meierei im Stadtpark treffen. Für Hartmann ist „die totale Verzweiflung“ nachvollziehbar, „aber nicht, dass man sich wegen einer gescheiterten Liebe umbringen will ...“ – Cut. Zum Glück ist das nicht die Wahrheit, sondern bloß der abgeänderte Plot der legendären Kino-Komödie „Ein seltsames Paar“ mit den Kultkomikern Walter Matthau und Jack Lemmon. Im Theaterstück „Ein ungleiches Paar“ (ab 30. August in Berndorf) sind es nun die beiden Frauen, die merken, dass Freundschaft einiges aushalten muss, wenn man Tisch und Bett miteinander teilt ...

WOMAN: Nina, Sie spielen die chaotische, aber selbstbewusste Journalistin und Singlefrau Olive, die ihre Freundin Florence bei sich aufnimmt, weil diese von ihrem Mann verlassen wurde. Elke, fällt Ihnen das leicht, ein Opfer zu spielen?

Hartmann: Sie spielt es brillant, zerfließt vor Selbstmitleid!

Winkens: Immerhin bin ich zweifache Mutter, kann ohne meinen Mann Sydney nicht leben. Ich bin deshalb so verzweifelt, dass ich davon rede, mich umzubringen. Bin ein Opfer – erst mit, dann ohne Mann. Wenn du aber ein „Opfer“ bist, hast du keine Chance, glücklich zu werden. Du musst Eigenverantwortung für dein Leben übernehmen. Dir eingestehen, dass du an manchen Dingen selbst schuld bist!

WOMAN: Waren Sie jemals privat „Opfer“?

Winkens: Wenn ich was wollte, bin ich mit dem Kopf durch die Wand, bis das gepasst hat. Ich bin vom Opfer also wirklich weit entfernt! Obwohl es mir phasenweise auch schlecht ging und ich sehr gelitten habe, erlaubte ich es mir nie lange, in der Opferrolle festzustecken. Aber ich habe leicht reden: Habe keine Kinder, verdiene mein eigenes Geld und könnte jederzeit gehen. Eine Frau mit drei Kindern, die dem Mann hörig ist, hat’s natürlich unheimlich schwer. Ich glaube aber auch, dass es immer einen Ausweg gibt. Wenn man sich traut und sagt: „Ich lasse mir das nicht mehr gefallen, ich gehe jetzt“, dann gibt einem das Leben recht.

WOMAN: Kann eine Trennung so weh tun, dass man den Sinn des Lebens verliert?

Winkens: Ja, ich kann das nachvollziehen. Aber man sollte als Frau schleunigst damit aufhören, sich selbst aufzugeben, nur weil ein Mann geht. Jeder Mensch sollte sich selbst so weit gefunden haben, dass man eine Trennung übersteht. Ich bin ein leidensfähiger Mensch.

WOMAN: Trauern Sie im Stillen, teilen Sie sich mit oder schlucken Sie alles runter?

Winkens: Ich habe mich im Laufe der Zeit sehr verändert. Ich teile mich immer weniger mit. Aber jahrelang durfte mir jeder ansehen, als es mir schlecht ging. Mittlerweile mache ich Kummer mit mir selbst aus. Als Schauspieler leidet man oft noch mehr, weil man sich in die Tragik hineinsteigern kann. Ganz besonders schlimm ist das, wenn man zuhause sitzt und nichts zu tun hat. Es ist gefährlich, wenn man viel Zeit für sich selbst hat.

WOMAN: Sie vertrauen sich nicht einmal Ihrer besten Freundin an?

Winkens: In meinem Leben gibt es nur zwei Menschen, mit denen ich darüber spreche. Wenn’s um meinen Mann geht, vertraue ich mich einer Freundin an. Und sonst, berede ich Dinge mit meinen Eltern. Besonders meinem Vater jammere ich gern die Ohren voll am Telefon (lacht) .

Hartmann: Wenn’s mir schlecht geht, saufe ich mich voll an (lacht) . Keine Konfrontation. Ich finde, es tut manchmal einfach auch gut, wenn man mal richtig Feiern geht und alles von sich wegschiebt! Aber natürlich rede ich auch mit Freunden – und irgendwann geht’s dann schon wieder. Aber den Hang zum Drama habe ich auch.

Winkens: Den sehe ich gar nicht bei dir!

Hartmann: Doch! Wer mich kennt, merkt mir das an. Und dazwischen lenke ich mich einfach ab. Ich will Liebeskummer nicht die ganze Zeit mitschleppen.

WOMAN: Sie spielen im Stück Freundinnen: Eine Chaotin und eine Sauberkeitsfanatikerin, die sich eine Wohnung teilen und so erst richtig kennen lernen. Kennen Sie so etwas?

Hartmann: Ich habe früher öfter in WGs gewohnt – meistens mit Burschen. Da fiel meine Schlampigkeit, die mich auch privat auszeichnet, nicht so auf. Die freuten sich nur, dass eine Frau einzieht.

Winkens: Ich wohnte in den Neunzigern mit Ruth Brauer zusammen. In einer 170m2-Wohnung im Arik-Brauer-Haus. Am Dach gab es einen wunderschönen Garten. Und nachdem Ruth eine Vollblutkünstlerin ist, sah die Wohnung alle paar Wochen anders aus. Sie hat nachts nämlich gern die Wände angemalt – oder ganz spontan mir fremde Leute bei uns wohnen lassen. Ich habe wahnsinnig von ihrem Freigeist profitiert. Ich habe sehr gern mit ihr zusammengelebt. Ruth hat mich ziemlich bemuttert. Das war herrlich! Und wenn sie mal Unordnung machte, räumte ich alles auf. Das mache ich ja gerne!

WOMAN: Woher kommt dieser Putzfimmel und was sagt ihr Mann Christian Fischer dazu?

Winkens: Ich halte das Chaos nicht aus. In meiner Wohnung ist alles auf seinem Platz. Es gibt nur eine Kramurilade. Christian und ich haben jeder unser eigenes Reich. Bisher gab es einfach keine Gelegenheit, dass wir zusammenziehen. Ich habe ja auch noch eine Wohnung in Berlin. Aber sollten wir eines Tages unter einem Dach leben, muss er natürlich nicht putzen! Würde er auch nicht. Er hat eine Putzfrau. Wie jeder Mensch!

Hartmann: Ich habe keine. Aber schaden würde es nicht (lacht) .

Winkens: Meine Putzfrauen sind für mich wie Familienmitglieder! Meine jetzige sah ich und ihr gleich den Schlüssel zu meiner Wohnung. Eine andere, die 15 Jahre bei mir angestellt war, treffe ich jetzt noch privat. Sie bringt sogar die Kinder mit ... Und genauso halte ich es mit meinem Arbeiter, der bei mir schraubt, baut, bohrt, schleppt. Gestern musste ich zum Beispiel meine Ballettstange von da nach dort transportieren. Das erledigte er.

Hartmann: Ich würde das auch so machen. Nur kann mein Zimmer keinem zumuten (lacht) .

WOMAN: Im Stück stehen Sie sich sehr nahe, sind beide Single und verbringen viel Zeit miteinander. Oft ist es in der Realität so, dass sich einst innige Freundschaften auflösen, sobald wieder eine verliebt ist.

Hartmann: Meine Freundinnen bleiben Freundinnen, auch wenn sie sich verlieben. Sie geben mich deshalb nicht auf. Ich kenne das nicht, dass sich da jemand abschottet und gar nichts mehr mit mir zu tun haben will.

Winkens: Ich habe gar keine Freundschaften, in denen man so aufeinander pickt, dass ich Freundinnen vermissen würde, wenn die einen Freund haben. Ich war immer gerne alleine. Finde Frauenfreundschaften auch merkwürdig.

WOMAN: Nina, haben Sie einen neuen Freund?

Hartmann: Nein, ich bin Single. Ich habe keine Zeit und auch kein Bedürfnis, jemanden sofort an mich zu binden – so etwas ergibt sich.

WOMAN: Die Ex-Männer von Florence und Olive kommen im Stück nur namentlich vor. Wie begegnet man dem Ex-Partnern mit der neuen Freundin würdevoll?

Hartmann: Hängt davon ab, wie man auseinandergegangen ist. Ist das jemand, den man nie wieder sehen will, ist es einem wahrscheinlich egal, mit wem derjenige da vorbeispaziert. Aber ich glaube, man kann mit einem Ex befreundet sein. Mir gelingt das zumindest.

Winkens: Mir auch. Wenn sie die Beziehung mit mir überlebt haben und ich sie nicht gekillt habe (lacht) .

WOMAN: Barbara Karlich und Sonja Klima meinten einmal in einem Woman-Interview: „Freundschaft mit einem Ex – nein, auf was hinauf, wenn der Grundpfeiler weg ist ...“

Winkens: Grundpfeiler einer Beziehung sollte Liebe sein. Nur weil man sich trennt, heißt das noch lange nicht, dass man nicht auch noch im Herzen verbunden ist. Deswegen bin ich da gegenteiliger Meinung.

Hartmann: Sehe ich auch so.

WOMAN: Was ist dann ein Trennungsgrund, wenn’s nicht verlorengegangene Liebe ist?

Winkens: Ein Trennungsgrund ist für mich, wenn mich die Beziehung sehr viel Energie kostet und Negativität in mein Leben bringt. Wenn es mich runterzieht, Kraft kostet, die ich nicht ausgleichen kann. Ich habe zum Beispiel mit meinem Exfreund Gerald (mit dem Orthopäden Gerald Loho war sie sechs Jahre liiert, Anm.) ein freundschaftliches Verhältnis. Es dauerte ein dreiviertel Jahr, bis wir uns als Freunde begegnen konnten. In der Zwischenzeit ließen wir uns in Ruhe. Das muss man so lange tun, bis man bei Treffen merkt: „Jetzt ist es gut“. Er ist nach wie vor mein Arzt und jemand, den ich sehr, sehr gerne habe, schätze und ehre. Er ist ein guter Mensch!

Hartmann: Meist ist es eine Reihe von Dingen, die nicht mehr passen. Ich habe es noch nie erlebt, dass mir ein Partner mitteilte, er habe sich in eine andere verliebt.

WOMAN: Ist ein Seitensprung ein Trennungsgrund?

Hartmann: Kann ich auch nicht so sagen ...

Winkens: Guck dir erst die Schlampe an, mit der er’s gemacht hat! (zwinkert)

Hartmann: Die kriegt gleich eine auf´s Maul! (lacht) Ich weiß nicht, ob Fremdgehen unbedingt Beziehungsende bedeutet. Ich kenne Paare, wo mal ein Ausrutscher passiert ist. Aber die haben sich zusammengerauft und sind trotzdem sehr glücklich. Ich selbst war noch nie in so einer Situation.

WOMAN: Trennt man sich, wenn Kinder da sind, schwerer?

Winkens: Ich glaube schon. Weil man dem Kind gegenüber der „Bösewicht“ ist, der zu Handlungsstreitende. Für ein Kind ist wichtig, dass die Familie zusammen bleibt.

WOMAN: Apropos Kinder: Frau Winkens, haben Sie eigentlich noch Babypläne?

Winkens: Nein. Jetzt fühle ich mich schön langsam zu alt. Ich bin 42, jetzt mag ich nicht mehr. Man muss ja auch ans Kind denken. Das kostet alles unheimlich viel Energie. Jetzt könnte ich nicht hier ruhig sitzen und plaudern, sondern müsste 3.000 Mal dem Kind hinterher laufen.

Interview: Petra Klikovits, Sandra Jungmann